Theater am SGH: „Warten auf Godot“ /  „Endspiel“

Theater am SGH: „Warten auf Godot“ / „Endspiel“

Warten auf Godot“ /

Endspiel“

Becketts Stücke haben die Eigenart von Panzerwagen und Idioten – man kann sie beschießen, man kann sie mit Crèmetorten bewerfen: sie setzen ihren Weg gelassen fort. Von anderen erstaunlichen Vorzügen abgesehen, sind sie immun gegen Kritiker. Beckett verärgert die Leute stets durch seine Ehrlichkeit. Er fabriziert Objekte. Er führt sie uns vor. Was es vorführt, ist furchtbar. Weil es furchtbar ist, ist es auch komisch. Er zeigt, es gibt keinen Ausweg, und das ist natürlich irritierend, weil es tatsächlich keinen Ausweg gibt. (…) Unser fortgesetzter Wunsch nach Optimismus ist unsere schlimmste Ausflucht. Wenn wir Beckett als einen Pessimisten ablehnen, was sind wir dann anderes als Beckett-Figuren in einer Beckett-Szenerie?“

(Peter Brook, 1958)

Samuel Beckett hielt es für notwendig, Wladimir und Estragon, diese beiden armen Kerle, an den äußeren Rand der Existenz zu stellen, gänzlich entblößt von allen überkommenen Attributen eines sogenannten Menschenlebens, von Raum und Zeit, von Geschichte und Charakter, und sie dann dort unter einem kahlen Ast die wahre Blöße des Menschen bekennen zu lassen, dass sie nämlich nur noch auf Godot warten – oder auf die Nacht, das Nichts. (…) Wer mit Godot verabredet ist, dem Nichts oder dem Heil, hat keine Unterkunft mehr in irgendeiner Wirklichkeit. Er ist emigriert, ausgestoßen, verbannt. Er stellt die Glaubensfrage.“

(Heinz Beckmann, 1965)

Premiere am 5. Februar 2011:


Beckett kennt keine Antwort auf die uralten großen Fragen nach Gott, nach dem Sinn des Daseins und des Leidens, doch kennt er die Brüderlichkeit, das Mitleid, die Liebe, die Einsicht in die eigene Schwäche. Er hat zwei Commedia-Figuren mit dem Bewusstsein des Todes und mit dem Schmerz begabt, denn Hamm und Clov müssen ihr Leben angesichts des Todes aus dem Stehgreif spielen.

Dass der Mensch blind ist, krank und verstümmelt; angewiesen auf Hilfe, eingesperrt in eine winzige Welt, so sehr abgeschlossen vom Leben, dass es wie eine menschenleere Wüste erscheint; dass er in den großen Katastrophen Schuld auf sich geladen hat, um sich zu retten; dass er egoistisch und boshaft ist und sich doch nach der Liebe derer sehnt, die er lieblos behandelt hat; dass er nicht begreift, was mit ihm und durch ihn geschehen ist; dass er den Vater, den Anfang aller Unbegreiflichkeiten, verflucht und in der Angst doch nach ihm ruft; dass er verlassen wird, allein mit sich und mit dem Tod; dass er wie ein Schmierenkomödiant eine Rolle spielt, die er nicht versteht, so eitel wie unglücklich, so lächerlich wie erschreckend – wer bliebe da unbetroffen?“

(Georg Hensel, 1968)

Darsteller

Warten auf Godot“

Wladimir Benjamin Serdani
Estragon Yannik Gorka
Lucky Nicholas Marshall
Pozzo Till Meißner
Stimme / Ein Mädchen Nicolle Tkocz

Endspiel“

Hamm Till Meißner

Clov Yannik Gorka

Nell Nicolle Tkocz

Nagg Benjamin Serdani

Souffleuse Charlotte Hussong
Musik / Technik / Gestaltung
Licht und Ton Jonathan Reisert
Christopher Weis
Moritz Fischer
Bühnenbild / Franziska Kreiling
Foyer-Gestaltung Ann-Kathrin Truber
Julia Matecki
Carina Zemmin
Michelle Sturn
Marie-Luise Hohenadel
und
Christoph Pras
Kostüme LiZi
Maske Melanie Maurer
Alexandra Bradley
Lea Schütz
Eileen Weber
Grafik / Plakat Erich Henrich
Videoaufnahmen Dominik Gorka
Luisa Metz
Fotografie Silvia Schrader
Inszenierung / Erich Henrich
Regie Christiane Ziegler-Zimmermann