Auch Frauen zieht es zur Bundeswehr

Auch Frauen zieht es zur Bundeswehr

Starkenburg-Gymnasium – Berufsorientierung für elfte Jahrgangsstufe zeigt die Vielfalt der Möglichkeiten.
Pflegeberufe waren am Freitag ebenfalls Thema bei der Berufsorientierung für Elftklässler am Starkenburg-Gymnasium. Derzeit besteht ein hoher Bedarf an qualifizierten Pflegekräften. Darüber informierten die Lehrerinnen für Pflegeberufe, Monika Angendohr (Mitte) und Ute Stadtmüller (Zweite von rechts) vom Kreiskrankenhaus Bergstraße sowie Praktikantin Ramona Pecorelli (rechts).
Foto: Karl-Heinz Köppner
In die Ferne schweifen oder die Nähe suchen? Den Schülerinnen und Schülern, die eine Entscheidung über ihre Berufswahl treffen, bieten sich beide Optionen. Einblick in verschiedene Berufsfelder und Ausbildungen boten am Freitagmittag „Vorträge aus der beruflichen Praxis“ im Starkenburg-Gymnasium, die Bestandteil der Berufsorientierungstage für die Jahrgangsstufe 11 sind.
Sparkasse Starkenburg und Kreiskrankenhaus Heppenheim präsentierten sich als regionale Ausbilder und Arbeitgeber. Mit der Schule für Physiotherapie Heppenheim, der Hochschule Mannheim, Hochschule Rhein-Main und der Technischen Universität Darmstadt präsentierten sich schulische und akademische Bildungsträger der Region. Abgedeckt wurden auch Optionen wie „Work and Travel“, Au Pair oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).
Die Vielfalt der Berufe ist groß, das Angebot junger, bewerbungswilliger Absolventen mit Hochschulreife ebenfalls. Da ist es naheliegend, Berufsorientierung zum Bestandteil des Unterrichts auch in der gymnasialen Oberstufe zu erklären, die längst nicht mehr alleine den akademischen Nachwuchs ausbildet.
Was für Schüler bei ihrer Berufswahl zählt, ist sehr individuell. Möglichst viel Geld zu verdienen, hört man bei den Schülern des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums selten als Priorität, auch wenn es bei einigen Fragen an die Experten dennoch durchschimmert.
„Management und Sport miteinander zu verbinden“, sagt zum Beispiel Luisa, die eine elfte Klasse am Starkenburg-Gymnasium besucht. „Geld ist jetzt nicht das absolut wichtigste“, fügt die Schülerin hinzu. Ihr Vorstellungen ließen sich am ehesten bei einer Ausbildung zur Sportsoldatin bei der Bundeswehr verbinden.

Auch Angela kann sich vorstellen, nach der Schule bei der Bundeswehr zu arbeiten. „Als Helikopterpilotin“, erklärt sie. Wichtig sei ihr in erster Linie die Abwechslung im Beruf. Die sieht sie bei der Bundeswehr und im Piloten-Job gegeben. Positiv ist für sie auch, dass die Bundeswehr dabei die kostspielige Ausbildung finanziert.
Tatsächlich lösen sich die Grenzen von klassischen Frauen- und Männerberufen langsam auf, auch wenn bestimmte geschlechtsspezifische Berufe und Berufsfelder bestehen bleiben, in denen üblicherweise mehr Frauen oder mehr Männer arbeiten. Beim Vortrag über die Karrieremöglichkeiten der Bundeswehr waren die Zuhörerplätze aber paritätisch besetzt.
Ein weiterer Trend der Berufsorientierung ist es, die Entscheidung nicht unmittelbar im Anschluss an die Schulzeit zu treffen. Au Pair, „Work and Travel“, Praktika, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder die Teilnahme am Freiwilligen Wehrdienst bieten Möglichkeiten, nach den „verkopften“ Jahren auf der Schulbank praktische Erfahrungen zu sammeln. Oft wächst oder ändert sich damit der Berufswunsch.
Letztlich verwiesen die potenziellen Arbeitgeber oder Ausbilder darauf, dass eine solche Entscheidung, egal wann sie getroffen werde, reiflich überlegt sein will. Ist einem das familiäre Umfeld, sind einem Freunde und Heimat wichtig oder möchte man bundesweit oder sogar international vom künftigen Arbeitgeber eingesetzt werden? Auslandserfahrungen helfen beim Erklimmen der Karriereleiter.
Allzu blauäugig sollte man dabei aber nicht sein. „Generalinspekteur der Bundeswehr zu werden und dabei 180 000 Soldaten unter sich zu haben, das schafft nicht jeder. Da muss man zu oft zur richtigen Zeit am richtigen Platz gewesen sein“, sagt Marco Klein von der Karriereberatung der Bundeswehr aus Darmstadt. Auslandserfahrungen sind dagegen bei der Bundeswehr unabdingbar, auch wenn sie kein Arbeitgeber wie jeder andere ist. „Mit dem Gebrauch der Schusswaffe sollte und muss man sich auf alle Fälle auseinandersetzen“, sagt Klein.
Verantwortung, das gilt unabhängig von Arbeitgeber und Einsatzort, müssen die Schüler überall übernehmen. Das kommt in der Schule manchmal zu kurz. Einigen, wie Luke aus der elften Klasse geht dagegen die Herausforderung in der Schule nicht weit genug. „Ich will Freiwilligen Wehrdienst leisten, weil mich der Drill interessiert“, sagt er. Dabei möchte er auch austesten, wie belastbar er ist, um danach gestärkt oder zumindest um eine Erkenntnis reicher in das zivile Berufsleben einsteigen zu können.

(c) Echo Online 28.01.13