Wehmütiges Ende eines Schulchores

Wehmütiges Ende eines Schulchores

Abschied nach 20 Jahren: Der LES-Chor des Starkenburg-Gymnasiums gab am Sonntag im Kurfürstensaal sein letztes Konzert.

Heppenheim. Freud und Leid liegen dicht beisammen. Das galt für das Konzert des Lehrer-Eltern-Schüler-Chores (LES-Chor) und des Projektorchesters des Starkenburg-Gymnasiums im Kurfürstensaal gleich mehrfach: programmatisch, personell und die Geschichte des Chores betreffend, der vor 20 Jahren gegründet wurde. Das Jubiläumskonzert sollte somit zugleich das letzte des Ensembles sein, das von Alois Scholz geleitet wurde. Denn, so Scholz: „Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Für den Abschied von der Bühne hatte der Chor in seinen Annalen gesucht und Stücke ausgewählt, die ihn während der zwei Jahrzehnte begleitet haben. „Meine Stimme klinge“, das im Konzert als regulärer Programmpunkt und als eine der Zugaben erklang, gehörte dazu. „Es war das erste Stück überhaupt, das der Chor gesungen hat“, sagte Scholz.
Das war vor 20 Jahren, als der erst wenige Wochen alte Chor sich beim Weihnachtskonzert des Starkenburg-Gymnasiums präsentierte. „Du spinnst doch“, hatten Spötter damals die Blitz-Karriere des Chores kommentiert. Das Gegenteil war der Fall: Scholz hat damals wie heute Gespür für Tradition, für einen „Chorgeist“ im besten Sinne bewiesen.
Unterstützung durch „Leiharbeiter“
Musikalisch unterstützt wurde der LES-Chor durch die Gesangssolisten Tina Braun und Monika Volk und das Projektorchester des Starkenburg-Gymnasiums, bestehend aus: Birgit Schütt, Alissa Schütt, Charlotte Freiberger (1. Violine), Henrike Busse, Lena Vrba (2. Violine), Leonie Buschulte, Florian Klenk (3. Violine), Friederike Mohri (Viola), Lisa Möller (Violoncello), Hiltrud Urbanik (Kontrabass), Susanne Kubitza, Meike Wiese, Lena Klenk, Alix Harder, Claudia Fend (Flöte), Eva Dreizler (Oboe), Sabine Kruppa, Monika Freiberger, Luca Vietor (Trompete), Thomas Adelberger (Klavier, Continuo). Darunter sind viele Gastmusiker, die dem Projektorchester und Alois Scholz die Treue halten und die dieser augenzwinkernd als „Leiharbeiter“ bezeichnet. lev
Freundlich „genötigt“ fühlte sich Chorleiter Alois Scholz, Lehrer am Starkenburg-Gymnasium, als ein Kollege ihn vor 20 Jahren bat, das gemeinsame musikalische Engagement bei Verabschiedungen von Kollegen auszuweiten.
Der LES-Chor war geboren und stand nur wenige Wochen nach Gründung mit 15 Sängern zum ersten Mal auf der Bühne.
Knapp 40 Mitglieder waren es in der Hochzeit des Chors Mitte der neunziger Jahre, als der Name LES-Chor mit den „Bestandteilen“ Lehrern, Eltern und Schüler noch der Realität entsprach. „Heute sagen manche, das ,S‘ stehe eher für Senioren“, scherzte Scholz beim letzten Konzert.
Die Jahre haben im Chor Spuren hinterlassen. Größtes Problem ist das Fehlen von Männerstimmen. Zuletzt verstarb mit Bernhard Georgi nur drei Tage vor dem Jubiläumskonzert ein weiterer Sänger aus der Mitte des Chors, dem am Sonntag beim Jubiläumskonzert gedacht wurde.
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Programmatisch war der LES-Chor nie auf Schlingerfahrt. Große Namen der klassischen Musik bildeten das Rückgrat der gemeinsamen Arbeit. So war es auch jetzt beim Jubiläumskonzert zum neuen Jahr, das 30 Sängerinnen und Sänger sowie das ebenfalls von Alois Scholz geleitete Projektorchester auf der Bühne des Kurfürstensaals vereinte. Bach, Mozart, Saint-Saëns, Händel und Haydn bildeten die Bezugspunkte des Abends.
Der erste Teil des Programms, den Scholz als „Lebensfreude pur“ bezeichnete, stellte den LES-Chor vor eine besondere Herausforderung: Erst drei Tage vor dem Konzert war ein Sänger der ersten Stunde gestorben. „Verzeihen Sie, dass uns daher eigentlich nicht nach Feststimmung zumute ist“, erklärte Scholz. Deswegen hatte er den Programmverlauf des ersten Teils umgestellt und begann mit einem Kyrie und nicht wie geplant mit „Meine Stimme klinge“ des Barockkomponisten Valentin Rathgeber. Innerlich war der Abend für Scholz wie für viele der Sänger eine emotionale Gratwanderung.
Weil die zeitliche Distanz zum Weihnachtsfest nur gering war, erklangen im Programm auch weihnachtliche Bezüge mit dem Gloria aus dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns, dessen festlicher Schlusschor eine der Zugaben des Abends bildete. Heitere Stimmung zauberten im zweiten Teil Auszüge aus der Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händels sowie das „Briefduett“ aus der Oper „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart.
Konservativer Revolutionär
Insgesamt stand das Programm im Zeichen der Kontinuität. Mitsänger Michael Mohri lobte Alois Scholz in seiner Laudatio entsprechend als „konservativen Revolutionär“. Der Leiter und sein LES-Chor standen zwei Jahrzehnte für eine klassische musikalische Ausrichtung. „Für das, was uns Deutsche in der Welt berühmt macht“, wie Mohri in seiner Ansprache sagte.
Diese Chorgeschichte sollte mit dem Abschlusskonzert am Sonntag ihr Ende finden. Etwas wehmütig, jedoch aus Abwägung unterschiedlicher Gründe, die die Chorarbeit erschweren, hatte Scholz die Entscheidung getroffen.
Die Reaktionen des Publikums und die Reden zur Würdigung der Leistungen der vergangenen 20 Jahre zeigten, dass viele die Entscheidung zwar respektieren, aber nicht akzeptieren.
„Vielleicht passiert ja doch noch etwas, mit dem jetzt keiner rechnet“, nährte Scholz am Ende des Konzerts solche Hoffnungen. lev
© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 01.02.2013