GenEthik-Tag am Starkenburg-Gymnasium – Schüler diskutieren mit Expertenrunde über den Frühtest zum Nachweis des Down-Syndroms

GenEthik-Tag am Starkenburg-Gymnasium – Schüler diskutieren mit Expertenrunde über den Frühtest zum Nachweis des Down-Syndroms

06.02.2013

 Bereits etabliert ist der fächerübergreifende Projekt-Tag der Fachschaften Biologie, Ethik und Religion, der alljährlich mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe zu aktuellen Fragen der Bio-Ethik durchgeführt wird. In diesem Jahr ging es darum, einen fachlich fundierten und ethisch begründeten Standpunkt zum seit Sommer 2012 zugelassenen sogenannten Praena-Test zu finden, mit dem das Down-Syndrom in einem für Mutter und Kind ungefährlichen Bluttest bereits in der 11. Schwangerschaftswoche nachgewiesen werden kann.

Nachdem sich die Teilnehmer zunächst in kleineren Gruppen intensiv mit den biologischen und medizinischen Fakten und unterschiedlichen ethischen Positionen auseinandergesetzt hatten, diskutierten die Schüler mit einer kompetenten Expertenrunde aus der Praxis. Diese war besetzt mit zwei Müttern von Kindern mit dem Down-Syndrom, zwei ebenfalls betroffenen Mitarbeiterinnen der Behindertenwerkstatt und Thorsten Mäncher, dem Leiter der Tagesförderstätte der Behindertenhilfe Bergstraße, Katharina Rohmert, Ärztin und Mitarbeiterin  der Beratungsstelle pro familia in Bensheim sowie Dr. med. Rüdiger Kläs vom Zentrum für Humangenetik in Mannheim.

Während von Seiten der Ärzte in erster Linie eine deutliche Steigerung der Informations- und Beratungsangebote für die betroffenen Eltern gefordert wurde, brachen sowohl die Mütter als auch die Mitarbeiterinnen auf überzeugende Weise eine Lanze für das Lebensrecht von Menschen mit dem Down-Syndrom. Insgesamt wurde deutlich: Die Gesellschaft lässt die betroffenen Familien vielfach allein, und viele Eltern sind mit der Entscheidung sich für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden ebenso überfordert wie mit den Sorgen und Ängsten, die ein behindertes Kind für sie bedeuten kann. Es wundert daher nicht, dass die Rate für Schwangerschafts-abbrüche nach einem positiven Test im Zuge der pränatalen Diagnostik derzeit bei ca. 90% liegt. Die Weiterentwicklung der Pränataldiagnostik führt zu einem steigenden gesellschaftlichen Druck auf die betroffenen Eltern.  Dagegen stand das klare Votum einer der Betroffenen: „Nichtbehinderte denken oft, wir sind blöd, aber wir versuchen genauso, das Beste aus unserem Leben zu machen wie sie.“ Auch Thorsten Mäncher warf die Frage auf, wer das Definitionsrecht für gesellschaftliche Normen besitze: „Was ist schon normal? – Jeder ist doch mehr oder weniger normal!“

Zum Abschluss dieser von Maike Karner und Luke Monty Kuhl kompetent moderierten Diskussion, dankte Christiane Wüstner, Leiterin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften am Starkenburg-Gymnasium, allen Beteiligten, und verband dies mit der Hoffnung, dass Veranstaltungen wie diese einen kleinen Beitrag dazu leisten mögen, die gesellschaftlichen Barrieren für Menschen mit dem Down-Syndrom durch das Rütteln an den Schranken in den Köpfen der Nichtbehinderten abzubauen.

(SGH/Wü)