Schüler betätigen sich als Architekten

Schüler betätigen sich als Architekten

Der geradlinige Bauhausstil spricht auch die heutige Schülergeneration an. Entwürfe von Schülern des Starkenburg-Gymnasiums sind im städtischen Museum zu sehen.

Quadratisch, praktisch, gut. Die Gestaltung des Bauhaus-Stils zeigt sich in der Ausstellung „Architektur trifft Schule“, die am Sonntag im Museum eröffnet wurde. Ausgewählte Schülerarbeiten aus unterschiedlichen Jahren und Jahrgangsstufen geben Einblick in die Arbeit der Kunst-Fachschaft des Starkenburg-Gymnasiums. Dabei entwickelten Schülerinnen und Schüler erstaunlich funktionale Lösungen für den öffentlichen wie für den privaten Raum.

Entwurf für ein Bürgerhaus

Den Besucher erwarten Grundrisse, Gemälde, Skizzen und gegenständliche Objekte. Einige haben durchaus einen praktischen und pragmatischen Nutzen wie die Entwürfe für ein Bürgerhaus in Heppenheim. Andere frönen eher der Lust an Form- und Farbgestaltung. Ob schlicht oder üppig, die Grundlinien des Bauhauses spiegeln sich in vielen Entwürfen. Das kommt nicht ungefähr, war die Auseinandersetzung mit den Künstlern des Bauhauses und deren Gestaltung doch Gegenstand des Unterrichts. Eine andere Inspiration gab es quasi frei Haus und direkt vor der Haustür: „Durch den Umbau der Schule hatten wir die Möglichkeit, intensiv Architektur am Gymnasium zu beobachten“, sagte Kunstlehrerin Silvia Schrader.

STIMMEN VON DER AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Es sei das „Privileg der Künstler“, Ergebnisse des Unterrichts derart ansprechend präsentieren zu können, wie es im Rahmen der Ausstellung im Museum geschehe, betonte Bernhard Zotz, Leiter des Starkenburg-Gymnasiums.

Kunstlehrerin Silvia Schrader würdigte das Ambiente des Ausstellungsraumes und die Bereitschaft des Museums, diesen für Schülerarbeiten zur Verfügung zu stellen. Museumsleiter Ulrich Lange habe auch zu ungewöhnlichen Zeiten ein offenes Ohr.

Stadtrat und Dezernent Norbert Golzer lobte das „handwerkliche Geschick“ der beteiligen Schüler.

Die Ausstellung ist bis zum 12. Januar im Museum zu sehen: Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 14 bis 17, an Sonn- und Feiertagen bis 18 Uhr.

Tradition und Moderne, schlichte wie praktische Lösungen, geschwungene Formen neben kerzengerade anmutender Architektur: „Viele Werke stehen in der Ästhetik des Bauhauses, das sich durch Zusammenspiel von Linie und Fläche oder Waagerechter und Senkrechter auszeichnet“, sagt Schrader. Je älter die jeweiligen Schüler, desto anspruchsvoller die Herangehensweise.

Schwimmende Arztpraxis

Schon lange, so Schrader, habe man die Ausstellung „Architektur trifft Schule“ im Blick gehabt und frühzeitig geeignete Schülerarbeiten sondieren können. Daher ist die Ausstellung eher als „Best of“ und nicht als repräsentativer Querschnitt zu verstehen. „Einiges, zum Beispiel die neoexpressive Malerei, ist aber auch aktuell entstanden“, betont Schrader. Die Vielfalt der Auswahl hat zunächst die Tendenz, den Betrachter fast zu überfrachten. Auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich manches Kleinod. Grundrisse von Yachten gehören dazu, die weniger dem Luxus, als alltäglichen Dingen dienen. Ein „Healthy Sea“ getauftes Schiff dient als schwimmende Arztpraxis, ein anderes als Disco. Die „MX Luxury 14“ will konträre Ansprüche vereinen: Nachhaltigkeit, Natur, Luxus.

In unterschiedlichen Variationen präsentieren sich Gebäude. Als schlichtes Einfamilienhaus, als Café Bauhaus mit lichter Architektur auf überschaubarer Grundfläche oder als weitläufigeres Bürgerhaus. Obgleich individuell gestaltet, spiegeln die Elemente Merkmale des Bauhauses als verbindende Klammer wieder.

Insgesamt wirkt die reduzierte Architektur zeitlos und sträubt sich gegen die als überkommen angesehene Opulenz. Architektur und Raum im Sinne der Umgebung sind stets aufeinander bezogen.

Vergänglichkeit und Hoffnung

Auf die Spitze getrieben wird das in den Bildern, die sich der Architektur als Landschaft widmen. Witzig und überraschend ist die Umsetzung einer Häuserfassade gelungen, die auf alte Pappkartons gemalt und dann als Straßenzug aufgeklebt wurde. Hier zeigt sich besonders auch die Vergänglichkeit der Architektur. Die Straße trägt erkennbare Zeichen, die gut einer Wirtschaftskrise zuzuordnen wären. Der Putz bröckelt, Läden sind geschlossen, Häuser stehen zum Verkauf. Und doch keimt an wenigen Stellen auch Hoffnung auf.

Die Blickwinkel, die die Ausstellung anbietet, offerieren vielfältige Zugänge zum Thema Architektur. Gerade im öffentlichen Raum zeigt es sich immer wieder, welchen Grabenkämpfen sich Bauvorhaben ausgesetzt sehen – und welchem Zeitgeist. Das Bauhaus blickt dem mit seiner geradlinigen, reduzierten Sprache gelassen entgegen – und trotzt stoisch den Moden. lev

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 26.11.2013