15. Erfinderlabor: Tüfteln für den Bildschirm der Zukunft

15. Erfinderlabor: Tüfteln für den Bildschirm der Zukunft

Jan Nikolas Prinz vom Starkenburg-Gymnasium forschte in Darmstadt zum Thema „Organische Elektronik“ / Kooperation mit Merck und TU Darmstadt

 „Neugier, Spaß und Ausdauer“

Chemie verkauft sich heute leider oft sehr spröde. Sie zeigt zu wenig, was sie wirklich kann.“ Am vergangenen Freitag hat Prof. Dr. Matthias Rehahn von der Technischen Universität Darmstadt das Gegenteil erlebt: Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler, die ein komplexes Thema mit Neugier, Spaß und Ausdauer enträtselt haben. „Diese Woche war eine wohltuende Ausnahme“, kommentierte Rehahn am letzten Tag des ZFC-Erfinderlabors, das zum 15. Mal vom Zentrum für Chemie mit Sitz in Bensheim organisiert wurde.

Finale: 16 Top-Schülervor 160 Zuhörern
Es war die achte Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Merck an dessen Darmstädter Stammsitz, wo 16 Teilnehmer aus ganz Hessen ihre mit Spannung erwarteten Forschungsergebnisse präsentiert haben. Erstmals zum Thema „Organische Elektronik“. Rund 160 Zuhörer aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus Politik und Hochschule lauschten den ebenso kurzweiligen wie fundierten Darstellungen, die von vier Teams à vier Oberstufenschülern überaus motiviert vorgetragen wurden. „Didaktisch exzellent und sauber strukturiert. Wissenschaft ist auch, wie man sie verkauft“, lobte Prof. Rehahn die Präsentation der jungen Forscher, die für den fünftägigen Workshop ausgewählt wurden. Quasi handverlesen, wie der ZFC-Vorstandssprecher Dr. Thomas Schneidermeier in Darmstadt betonte.

Steigende Nachfrage
„Die Nachfrage ist groß“, so Schneidermeier, der das Erfinderlabor seit 2005 an wechselnden Standorten anbietet. Für die drei Workshops im laufenden Schuljahr hatten sich knapp 200 Schüler aus 72 hessischen Schulen beworben. Auch ein Spiegel der naturwissenschaftlichen Elite des Landes, so die einhellige Meinung derer, die das Erfinderlabor aus der Nähe verfolgt und fachlich begleitet haben.

Komplexes und anspruchsvolles Thema

Prof. Dr. Klaus Griesar ist einer von ihnen. Er ist im „Technology Office Chemicals“ der Merck KGaA unter anderem für die strategischen Partnerschaften mit Universitäten und Hochschulen verantwortlich.
Er versteht das Erfinderlabor auch als Beitrag zur Förderung des naturwissenschaftlichen Nachwuchses. Merck arbeitet seit vielen Jahren eng mit der TU zusammen.
Griesar ist den Megatrends auf der Spur: „Die organische Elektronik ist ein hoch anspruchsvolles und sehr komplexes Thema. Alle Achtung, was die Schüler hier geleistet haben.“

Organische Leuchtdioden: Zukunftstechnologie live

Die Teilnehmer beschäftigten sich mit den Anwendungsmöglichkeiten organischer Solarzellen und dem Aufbau von Leuchtdioden (OLED), wie sie bereits in modernen Smartphones zum Einsatz kommen. Auch ein eigenes Modell wurde angefertigt. Was im industriellen Maßstab heute noch teuer und aufwändig in der Herstellung ist, könnte schon bald eine technologische Revolution auslösen. Allerdings müssen die Forscher noch einige Probleme lösen, um die flexiblen Displays langlebiger und kostengünstiger zu machen. „Wir reden hier von einem riesigen Markt mit einem zukünftigen Marktpotential von mehreren  Milliarden Euro“, so Prof. Griesar bei einer spannenden Gesprächsrunde im Merck-Atrium, die beim Publikum auf große Aufmerksamkeit stieß.

„Chemie kein Selbstzweck!“
Das Unternehmen ist weltweit führend im Markt der Flüssigkristalle, so Prof. Dr. Matthias Rehahn. Darüber hinaus produziert Merck bereits erfolgreich Materialien für die energiesparenden OLEDs. „Chemie ist heute kein Selbstzweck mehr“, gab er den Jungforschern mit auf den Weg.

„Es steht immer eine spezifische Aufgabe dahinter.“ In diesem Sinne haben sich die jeweils acht Schülerinnen und Schüler beim Erfinderlabor nicht nur schnell und gut in das Thema eingearbeitet, sondern während der Laborarbeit im Fachbereich Chemie auch ein Verständnis für den Forschungsalltag an einer Hochschule wie der TU Darmstadt entwickelt.

„Immer wieder neu aufstehen“
„Chemie bedeutet immer wieder neu aufzustehen“, so Rehahn, dessen Arbeitskreis zusammen mit Merck und dem ZFC den Workshop mit Leben gefüllt hat.

 

Begeisterte Teilnehmer

Und auch die Teilnehmer des Erfinderlabors waren begeistert. Dazu Jan Nikolas Prinz vom Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim:  „Im Labor haben wir mit den Doktoranden wie mit Freunden zusammengearbeitet. Das war fast wie Privatunterricht. „Er kommentiert das
Thema als für ihn „komplett neu“, aber auch herausfordernd und verständlich vermittelt. Die Teilnahme am Erfinderlabor ist zu empfehlen.  „Ich würde jederzeit wieder mitmachen.“
Die Schülerinnen und Schüler lobten die gute Betreuung durch die Organisatoren sowie das tolle Catering im Rahmen der Abschlussveranstaltung.

Dialog mit Professoren
Dr. Christa Jansen, die bei Merck das Referat Schulförderung leitet, bezeichnet das Erfinderlabor als „hervorragendes Angebot für Schüler, die sich außerhalb des Unterrichts beweisen möchten“. Die besondere Lern-Situation im engen Dialog mit Professoren, Entwicklern und Labormitarbeitern mache den Workshop so außergewöhnlich.

„Kluge Köpfe, gute Perspektiven“

„Kluge Köpfe, gute Perspektiven“, meinte Sebastian Hummel, Referent Innovationstechnologien im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, das als Auftraggeber der 2005 gestarteten Aktionslinie „Hessen Nanotech“ den Bereich Technologie-und Wirtschaftsförderung verantwortet. Hummelsagte mit Bezug zum ZFC-Workshop: „Es muss noch viel erfunden werden.“ Dass in Darmstadt die junge hessische Chemie-Elite am Start war, hat ihm besonders gefallen. Er lobte, wie vital und informativ die Schülerteams ihre Ergebnisse vorgestellt haben.

 Präsentationstraining für den Feinschliff

„Hier wurde glänzend in Teamstrukturen gearbeitet“, bilanzierte auch Dr. Olaf Kramer vom Seminar für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, der den Finaltag moderiert hat. In einer Schulungseinheit des Seminars lernten die Teilnehmer einige Feinheiten für eine gelungene Präsentation vor großer Kulisse.

Bestand an Naturwissenschaftlern sichern
„Beinahe hätte ich gesagt: Liebe Kollegen“: Gregor Disson ist Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) in Hessen und war von der Leistung der Teilnehmer begeistert. Er ist seit Jahren eng mit dem Erfinderlabor und dem ZFC verbunden.
Disson betonte den Nachhaltigkeitsgedanken des Workshops: Ziel sei, dass der Bestand an gut ausgebildeten Naturwissenschaftlern am Standort Deutschland dauerhaft gesichert werde. „Dafür müssen Schulen, Unternehmen und Hochschulen eng zusammen arbeiten.“ Eine Partnerschaft, wie sie beim Erfinderlabor seit knapp zehn Jahren sehr gut funktioniere, so Gregor Disson, der neben Dr. Christa Jansen, Sebastian Hummel und Prof. Matthias Rehahn in der Jury saß, die den Teams nach deren Präsentation ein kritisches Feedback servierte.

Fazit:

Die Teilnehmer des 15. Erfinderlabors haben sich einem völlig neuen Thema sehr souverän und versiert angenähert und in kürzester Zeit enorme Ergebnisse erzielt. Auch, wenn nicht jede OLED gleich geleuchtet hat: Die Schülerinnen und Schüler gehören auf jeden Fall zu den hellsten Lichtern ihres Genres.

Das Erfinderlabor

Das Erfinderlabor wird seit 2005 vom Zentrum für Chemie in Bensheim/Bergstraße organisiert. Projektleiter ist seit 2014 Patrick Röder. Das Projekt greift Themengebiete auf, die im Unterricht nicht vorkommen oder in diesem Kontext nur partiell behandelt werden können. Es ist Teil der ZFC-Initiative “Schule 3.0–Zukunftstechnologien in den Unterricht“. Dem Schulnetzwerk gehören heute 21 hessische Schulen mit gymnasialer Oberstufe und die Deutsche Schule Seoul an.

Im Schuljahr 2013/14 fand bereits ein Erfinderlabor zum Komplex „Umwelttechnologie Brennstoffzellen“ statt. Weiter geht es vom 14. bis 18. Juli in Marburg zum Thema „Materialchemie“.