Schwerter zu Pflugscharen – Erinnerung an 25 Jahre Friedliche Revolution in der DDR  am Starkenburg-Gymnasium Heppenheim

Schwerter zu Pflugscharen – Erinnerung an 25 Jahre Friedliche Revolution in der DDR am Starkenburg-Gymnasium Heppenheim

Am Montag, den 13.10., war Benedict Widmaier, Leiter des Hauses am Maiberg, zu Gast am Starkenburg-Gymnasium. Auf Einladung der Fachschaften Religion und Ethik berichtete er über seine Erlebnisse während der Leipziger Montagsdemonstrationen und deren Bedeutung für die „Wende“ in der DDR vor 25 Jahren. In einer umfassenden Analyse erläuterte er seinem Publikum, der kompletten Jahrgangsstufe 10, die Zusammenhänge zwischen den Transformationsprozessen in Osteuropa, wie der Solidarnosc-Bewegung in Polen und der Glasnost-Politik des damaligen russischen Präsidenten, Gorbatschow, und der Friedensbewegung in Westeuropa, die auch die Freiheitsbestrebungen in der damaligen DDR beeinflusste. Auf kirchlicher Ebene gab es schon seit Ende der 70er Jahre von Westdeutschland geförderte innerdeutsche Jugendbegegnungen, bei denen sich Widmaier mit anderen jugendlichen Teilnehmern aus West und Ost sich zunächst in Ost-Berlin, später auch in anderen Ländern Osteuropas zum Austausch traf. Neben Themen der Zeit, wie der Friedens-, Jugend- und Umweltbewegung, bestand hier die Möglichkeit, den Jugendlichen in Ostdeutschland verbotene West-Literatur mitzubringen und vor allem auch Dissidentenliteratur und Tonbänder in den Westen zu schmuggeln und dort zu veröffentlichen.
So kam es, dass Benedict Widmaier im Oktober 1989 unmittelbarer Zeitzeuge und Teilnehmer an den schicksalhaften Montagsdemonstrationen in Leipzig wurde, die zusammen mit der Besetzung der Prager Botschaft der BRD der Öffnung der Grenze und dem Fall der Berliner Mauer unmittelbar vorausgingen. Anhand von Fotos schilderte Widmaier anschaulich, wie er, bewacht von der Staatssicherheit und Hundertschaften schwer bewaffneter Soldaten, die friedliche „Revolution des Volks“ miterlebte. Dabei konnte niemand der 70000, eine Woche später schon 120000 Demonstrationsteilnehmer wissen, ob die Situation nicht doch eskalieren und blutig niedergeschlagen werden würde, so wie es der studentischen Demokratiebewegung in China auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking nur wenige Monate zuvor ergangen war.
In der anschließenden Diskussion wurde allerdings deutlich, dass sein jugendliches Publikum über ein eingeschränktes Hintergrundwissen verfügte und die Notwendigkeit eines politischen Kampfes für Freiheit und Demokratie nur schwer nachvollziehen konnte. In einigen Schüleräußerungen kam zum Ausdruck, dass 25 Jahre aus der Sicht von Fünfzehn- bis Sechzehnjährigen schon zur Geschichte gerechnet werden. So schlug einer der Zuhörer vor, doch lieber „optimistisch in die gemeinsame Zukunft zu blicken“ und sich den Herausforderungen der Gegenwart zu stellen.
Die Schülerinnen und Schüler nahmen mit, dass die Bedeutung einzelner, wenn auch weltpolitisch einschneidender, Ereignisse nicht ohne eine Einordnung in den historischer Kontext sowie eine Würdigung der Vergangenheit bewertet werden kann.
Ihren Dank an Benedict Widmaier verband Christiane Wüstner, Fachbereichsleiterin der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, mit der Hoffnung auf eine Fortführung der guten Zusammenarbeit. Derzeit leistet Manuel Lulay, der in diesem Jahr sein Abitur am Starkenburg-Gymnasium abgelegt hat, ein Freiwilliges Soziales Jahr im Haus am Maiberg. Die Anregung dazu erhielt er durch ein gemeinsames Projekt zur Bundestagswahl 2013.