Große Programmvielfalt am Starkenburg-Gymnasium am bundesweiten Vorlesetag

Große Programmvielfalt am Starkenburg-Gymnasium am bundesweiten Vorlesetag

Bensheim, Mittelbrücke. Auf der linken und rechten Seite Schüler der Klassen 7a/7c. Sie rezitieren den „Erlkönig“, haben eine Choreographie eingeübt. Die Passanten müssen durch die Schüler hindurch laufen. Eine Frau nähert sich…  „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt“, rezitieren die Schüler. Die Frau ist angenehm berührt. Und dann: „…und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“ – ein herzhaftes Lachen als Reaktion!

Goethes Balladen „Der Erlkönig“ und „Der Zauberlehrling“ in der Heppenheimer und Bensheimer Fußgängerzone, in einem Drogeriemarkt und im Bahnabteil während der Zugfahrt von Heppenheim nach Bensheim und zurück…

Vorlesen an gewöhnlichen und ungewöhnlichen Orten. Das ist Teil des Konzeptes dieses Aktionstages, der seit 2004 auf eine Initiative der Wochenzeitung DIE ZEIT, der Stiftung Lesen und der Stiftung DeutscheBahn hin jedes Jahr am dritten Freitag im November stattfindet. Ein weiterer Aspekt: Zeit schenken und Geschichten lebendig werden lassen…

Zurück zu „gewöhnlichen“ Orten für das Vorlesen:

In der Mediothek des Starkenburg-Gymnasiums können interessierte Zuhörer in aller Stille und fernab von schulischer Hektik den Worten des französischen Literatur-Nobelpreisträgers Patrick Modiano in klangvoller französischer Sprache lauschen (vorgelesen von Frau Dressler, Mutter und Muttersprachlerin), auch etwas über sein Leben erfahren.

Ein besonderer  Genuss an diesem Tag.

Schulleiter Bernhard Zotz liest aus Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ und erklärt, was ihn daran begeistert: die Frage nach der Willensfreiheit des Menschen und deren Grenzen, die Frage danach, inwiefern der einzelne in der Lage ist bzw. dazu befähigt werden kann, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. So offenbart auch jeder Vorleser durch seine Lektüreauswahl einen Teil seines eigenen Denkens und seiner Persönlichkeit.

Momente der Annäherung an diesem Tag.

Samana Tabibi aus der Jahrgangsstufe 11 trägt „Poetry Slam“ mit Einsatz von Mimik, Gestik, Lautstärken- und Tempovariationen so lebendig vor, dass die Mitschüler, die ihre Schulkameradin in dieser Rolle zum ersten Mal erleben, sprachlos begeistert sind. Auch einen selbst geschriebenen Text bringt Samana erstmalig zum Vortrag und ist über den eigenen Erfolg selbst ganz erstaunt.

Die Entdeckung eines außergewöhnlichen Talentes an diesem Tag.

In einem anderen Klassenraum erwachen Tomaten, Karotten, Paprika und Co. um Mitternacht zum Leben und versuchen gemeinsam, aus dem Kühlschrank zu fliehen. Die Stifte Orange, Red, Blue und Black unternehmen einen nächtlichen Ausflug aus ihrem Stiftemäppchen und erleben waghalsige Abenteuer mit einem bösen Spitzer… Was ist hier los? Die Klasse 6c (Laura Trefftz, Julian Kraus, Annika Hänssler und Leonie Jabs) präsentiert Schülerinnen und Schülern der Klasse 5 selbst geschriebene Texte, Fantasiegeschichten. Weit geöffnete Augen und Ohren, niemand tuschelt mit dem Nachbarn, kein Fuß wippt.

Auch in den vielen anderen Räumen, in denen aus Jugendbüchern und fremdsprachiger Literatur (englisch, französisch, russisch, ungarisch, finnisch) vorgelesen wird, in denen Gedichte von Robert Gernhardt und Erich Kästner (der bekannte Ulrich Späh ließ die Texte so lebendig werden, dass die Schüler meinten: „So müsste Deutschunterricht immer sein!“), eigene Texte und biographische Texte von jüdischen Mitbürgern vorgetragen werden (siehe Programmübersicht): andächtiges Zuhören.

Magische Momente an diesem Tag.

Und eine tolle Erfahrung für die vielen engagierten Schüler, die zusammen mit dem Bürgermeister in der 4. Stunde ganz offiziell vom Schulleiter geehrt wurden und eine Rose bekamen und neben der zusätzlichen Freistunde noch mit Snacks und Saft verwöhnt wurden. Ein ganz besonderer Dank ging in diesem Zusammenhang an die Deutsch- und Französischlehrerin Susanne Kubitza, die diesen Tag perfekt organisiert hat und so viele Teilnehmer zum Mitwirken animieren konnte, ebenso an die designierte Bibliothekarin Corinna Müller sowie Claudia Dames, Mitarbeiterin in der Schülerbücherei des Starkenburg-Gymnasium, die Frau Kubitza bei der Organisation unterstützt haben.

Momente der Wertschätzung an diesem Tag.

Das einzig Bedauerliche war, dass man nicht überall zugleich sein konnte.

Aber auf eine Wiederholung im nächsten Jahr darf man ja hoffen.