Friedensprogramm am Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim vorgestellt

Friedensprogramm am Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim vorgestellt

 

Referent aus Köln stellte interessierten AbiturientInnen den Zivilen Friedensdienst vor

Heppenheim, den 09.03.2015.

Eine Informationsveranstaltung im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts bot ca. 100 Kursteilnehmenden der 12. Klassen des Starkenburg-Gymnasiums die Möglichkeit, sich über ein besonderes friedenspolitisches Programm zu informieren: den Zivilen Friedensdienst (ZFD). Als Referenten eingeladen hatte die Schule Herrn Thomas Oelerich, der über das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte  Friedensprogramm und die Arbeitsfelder seiner Organisation, das Forum Ziviler Friedensdienst

e. V. mit Sitz in Köln, berichtete.

Herr Oelerich erläuterte zunächst, dass seit dem Beginn des Programms im Jahre 1999, als die ersten ausgebildeten Friedensfachkräfte in Krisenregionen entsandt wurden, über 800 Friedensfachkräfte weltweit zum Einsatz gekommen seien. Ursprünglich mit 2 Millionen Euro ausgestattet habe sich der Zivile Friedensdienst, der in Deutschland von neun staatlichen und zivilgesellschaftlichen Organisation gemeinsam getragen wird, mit einem aktuellen Jahreshaushalt von 35 Millionen Euro zu einem wichtigen und anerkannten Programm in der Entwicklungszusammenarbeit und der deutschen Friedenspolitik gemausert. Die entsandten Fachkräfte, so Oelerich, sind mit ganz unterschiedlichen Aufgaben in den jeweiligen Krisenregionen – vom ehemaligen Jugoslawien über Israel und Palästina bis hin zu den Philippinen oder Ruanda – weltweit tätig. Zu den Arbeitsfeldern gehören zum Beispiel die Menschenrechtsarbeit oder die Versöhnungsarbeit unter ehemals verfeindeten Gruppen genauso wie die Traumabewältigung oder die Vermittlung von zivilen Methoden der Konfliktbearbeitung. „Unsere Friedensfachkräfte sind in der Präventionsarbeit tätig, um unterstützend mitzuhelfen, dass latente Konflikte nicht in Gewalt umschlagen. Sie ermöglichen den Dialog unter verfeindeten Gruppen (wie Israelis und Palästinensern) und unterstützen nach Kriegs- oder Gewaltsituationen, einen Weg der Versöhnung einzuschlagen und tiefsitzenden Hass und gegenseitige Vorurteile abzubauen.“

Insgesamt sei es in den vergangenen 15 Jahren gelungen, mit dem Zivilen Friedensdienst ein friedenspolitisches Programm aufzubauen, das mittlerweile auch in der Politik anerkannt und geschätzt sei. Dennoch, so Oelerich, kritisiere seine Organisation das weiterhin bestehende Missverhältnis in den Ausgaben für militärische und zivile Maßnahmen der Konfliktbearbeitung. „Allein in diesem Jahr wurden die Haushaltsmittel für die Bundeswehr um insgesamt 726 Millionen Euro erhöht, während die Mittel für den Zivilen Friedensdienst nur um 5 Millionen Euro aufgestockt wurden. Hier werden unseres Erachtens immer noch völlig falsche Prioritäten gesetzt“, so Oelerich am Ende seines Vortrages.

Von Seiten der Abiturienten wurden zahlreiche Rückfragen an den Referenten gestellt, die sich insbesondere auf konkrete Konflikte wie den Ukraine-Konflikt oder den Terror der IS bezogen und die Frage, ob der Zivile Friedensdienst in diesen Konflikten friedensstiftend wirken könne. In der unmittelbaren Gewaltsituation, so Oelerich, sei der Zivile Friedensdienst mit seinen Möglichkeiten absolut überfordert, aber möglicherweise wären beide Konflikte nicht derart eskaliert, wenn sich die Politik im Vorfeld der aktuell zugespitzten Situation intensiver um Fragen der Gewaltprävention und die Chancen deeskalierender Maßnahmen  gekümmert hätte. „Es ist einfach bedauerlich, dass oft erst dann Methoden ziviler Konfliktbearbeitung als sinnvoll erkannt werden, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.“ Eine Lösung für die benannten Konflikte, so Oelerich, könne aber auch der Zivile Friedensdienst nicht geben.