Vertreterin des Asylkreises an der Christuskirche und Flüchtling aus Eritrea besuchen Ethik-Unterricht am Starkenburg-Gymnasium –  Trauriger Bezug zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Vertreterin des Asylkreises an der Christuskirche und Flüchtling aus Eritrea besuchen Ethik-Unterricht am Starkenburg-Gymnasium – Trauriger Bezug zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer

Aus Anlass der Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer erhielt der Ethik-Kurs, Jg. 7, des Starkenburg-Gymnasiums, geleitet von Christiane Wüstner, Besuch von Uta Forstat, Mitglied des Asylkreises an der Christuskirche Heppenheim und Herrn Teame, der selbst als Flüchtling aus Eritrea nach Deutschland gekommen ist und seit 2013 in Heppenheim lebt.

Gegründet wurde diese Initiative anlässlich der Flüchtlingswelle infolge des Krieges in der Balkanregion bereits in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Seitdem kümmern sich seine Mitglieder ehrenamtlich um Flüchtlinge, beraten und unterstützen diese in ihren Anerkennungsverfahren bei der Beantragung von Asyl für politisch, ethnisch oder religiös Verfolgte sowie für Opfer von Bürgerkriegen in ihren Heimatländern. Da in den Herkunftsländern keine Möglichkeit besteht, ein Visum für ein sicheres Ausland zu beantragen, sind sie auf die Hilfe illegaler Schlepperbanden angewiesen, die die Flüchtlinge auf gefährlichen Wegen und gegen Zahlung hoher Summen in mehreren Etappen nach Europa bringen, wo diese Menschen sich ein Leben in Frieden und Sicherheit erhoffen.

Davon berichtete Herr Teame, ein Flüchtling aus Eritrea, der von den Mitgliedern des Asylkreises betreut wird. Zwar hat Eritrea sich in einem über dreißigjährigen Unabhängigkeitskrieg 1993 von der Staatsmacht Äthiopiens befreit, jedoch ist die gesamte Region immer wieder in Grenz- und Stammeskriege unterschiedlicher Volksgruppen verwickelt. Das  Land wird von einem diktatorischen Regime regiert, freie Wahlen und eine politische Opposition sind nicht zugelassen, und für große Teile der Bevölkerung des kleinen Landes herrscht bittere Armut.

Nach Beendigung seiner Schulzeit wurde Herr Teame zur Armee eingezogen. Anders als zum Beispiel in Deutschland ist die Zugehörigkeit zum Militär der Willkür des Staates unterworfen, und so musste Herr Teame acht Jahre lang praktisch ohne Lohn Dienst an der Waffe tun und später für wenig Geld Uniformen für die Armee schneidern, so dass er schließlich keine andere Perspektive mehr für sich sah, als das Land zu verlassen. Da dies auf legalem Wege nicht möglich war, musste er sich das Geld für die illegalen Fluchthelfer und Schlepper aus der ganzen Familie zusammenleihen. Ungefähr 4500,-€ musste er für seine Flucht aufbringen, was gemessen an einem Monatslohn von ca. 30,-€ eine unvorstellbare Summe ist.

Nach einem illegalen Grenzübertritt und einem viertägigen Fußmarsch bei Tag und Nacht und Temperaturen von mehr als 40°C gelangte er zunächst in den Sudan. Nach vier Monaten Aufenthalt  konnte er die nächste Etappe nach Libyen antreten, das er auf einer zweitägigen Autofahrt durch die Sahara ohne ausreichende Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln erreichte. Dort hieß es wieder auf unbestimmte Zeit Warten, weil auch hier die Schlepper zunächst auf die Zahlung für die Schiffsfahrt bestanden und die Fahrt nur bei völliger Auslastung des Bootes antreten wollten. Bei der Überfahrt waren 250 Flüchtlinge teils an Deck, teils auch unter Deck auf einem viel zu kleinen Boot eingepfercht. Wasser und Lebensmittel gab es nicht und auch keine Toiletten, so dass viele der Flüchtlinge, so auch Herr Teame, sehr schmerzhafte Nierenbeschwerden davon trugen. Nach vier Tagen wurden sie von einem Italienischen Militärboot gerettet und innerhalb von zwei weiteren Tagen schließlich nach Reggio di Calabria gebracht, wo sie in einem provisorischen Flüchtlingslager in einer viel zu kleinen Sporthalle untergebracht wurden. Mit Hilfe weiterer Schleuser und der Zahlung eines weiteren vierstelligen Betrages konnte Herr Teame schließlich nach einer fünfmonatigen Odyssee Deutschen Boden betreten. Über die Zwischenstationen Nürnberg und Gießen gelangte er nach Heppenheim,  wo er inzwischen seinen Antrag auf Asyl stellen konnte. Bis zum Abschluss des Verfahrens ist ungewiss, ob er in Deutschland bleiben darf oder eventuell in ein anderes Europäisches Land abgeschoben wird.

Im Anschluss an seinen Bericht hatten die Schülerinnen und Schüler, die seinem Vortrag mucksmäuschenstill und mit großen Augen gelauscht hatten, Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen. Aus den vielen Fragen ging hervor, dass viele der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer doch sehr betroffen waren, da sie zum ersten Mal mit einer persönlichen Fluchtgeschichte konfrontiert waren. Andere hingegen kannten bereits ähnliche Schicksale von ihren Eltern, die vor einigen Jahren auf ähnlich gefährlichem Wege nach Deutschland gekommen waren, denn von den 19 Mitgliedern des Ethik-Kurses haben 14 einen Migrationshintergrund. –  „Jetzt kann ich mir noch besser vorstellen, wie es den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ergeht, von denen die Medien im Moment so häufig berichten. Das ist ja wirklich krass!“ meinte einer der Kursteilnehmer sichtlich beeindruckt.

Neben zahlreichen Fragen zu seinem Leben und seiner in Eritrea verbliebenen Familie interessierten sich die Kinder vor allem auch dafür, wie es ihrem Gast in Deutschland gefalle und welche Zukunftspläne er habe. „Deutsch lernen, eine Ausbildung machen, eine feste Arbeit finden und mit etwas Glück meine Frau und meine drei Kinder nach Deutschland holen“, lautete seine Antwort – denn an eine Rückkehr nach Eritrea sei aus Kostengründen und aus Gründen der Sicherheit in den nächsten Jahren auf keinen Fall zu denken.

Zum Abschluss bedankten sich Frau Wüstner und ihr Kurs mit einem herzlichen Applaus bei ihren Gästen. Eine Fortsetzung der neu begonnenen Kooperation wünschen sich auch einige Oberstufenschüler des Starkenburg-Gymnasiums, die die seit dem letzten Schuljahr verwaiste AG „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ mit neuem Leben füllen und sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollen.