Ein Gast sorgt für Aufsehen

Ein Gast sorgt für Aufsehen

MUSIK Spektakuläres Angebot für 2016 wertet das gemeinsame Konzert von vier Bergsträßer Schul-Bigbands weiter auf

KREIS BERGSTRASSE – (cris). Wie im vergangenen Jahr haben vier Bigbands von Bergsträßer Schulen gemeinsame Sache gemacht. Doch es war ein Gast, der am Sonntag dem friedlichen Wettstreit im Hof des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums die Krone aufsetzte.

Wolfgang Diefenbach, Gründer und Leiter des unvergleichlichen Landesjugendjazzorchesters (LJJO) Hessen, machte allen Mitwirkenden des musikalischen Großereignisses ein Angebot, das gewiss niemand ausschlagen kann: Wie wäre es, fragte Diefenbach, mit einer Partnerschaft des LJJO mit den Mitspielern der Bergsträßer Schul-Bigbands? Ein Band-Coaching seiner Truppe („eine der besten in Europa“) vom Einzelunterricht bis zur Tuttiprobe sei denkbar. Und am Ende könnte ein Konzert wie das am Sonntag stehen – nur eben mit Schülern und den Stars der Landesauswahl. Am besten gleich im nächsten Jahr.

Das war gewissermaßen der erste Preis für alle Ensembles. Doch der Gast, maßgeblicher Mann für die Förderung des Jazz-Nachwuchses in Hessen, hatte sogar einen Vorschlag für die Finanzierung dabei: Wenn die Bergsträßer selbst etwas dazugäben, werde auch das Kultusministerium diese Initiative fördern. Die Zusage habe er. „Dann hätten wir hier 2016 ein kleines Festival.

Andere Veranstalter dürfen neidisch sein

Dabei hatte die zweite Auflage des Bergsträßer Bigband-Gipfels auch ohne Wiesbadener Hilfe in jeder Hinsicht ein Format, auf das andere Veranstalter neidisch sein dürfen. Der Rotary-Club Bensheim-Heppenheim um seinen neuen Präsidenten Joachim-Felix Leonhardt und den Jazz-Beauftragten Bruno Weis hatte ganze Arbeit geleistet und bekam am Sonntag den Lohn in Tönen.

Nicht mal dem hessischen Kultusminister Ralph Alexander Lorz mochte jemand widersprechen, als er zwischen zwei Gigs anmerkte: „Wir haben hier an der Bergstraße offenbar eine ganz großartige Konzentration von Bigbands.“ Interesse und Zuwendung kamen authentisch herüber; auch ein Schirmherr bleibt sonst nicht bis zum Schluss einer dreistündigen Veranstaltung, die mehrere hundert Zuhörer lockte.

An deren Ende stand ein Auftritt der „Bergsträßer Bigband“, die sich bislang erst in zwei Proben und dem Auftritt in Heppenheim manifestiert hat: eine Auswahl aus den Bands von Starkenburg-Gymnasium, Geschwister-Scholl-Schule, Goethe-Gymnasium und Altem Kurfürstlichem Gymnasium (alle drei Bensheim). Mit einem Mambo und Stücken von Billy Joel und Benny Goodman ließen sie erahnen, wie sich Talente (zusammen-)schmieden lassen. Wie zu Beginn des Konzerts waren die Keyboards arg hochgeregelt, doch in beiden Fällen war im Kern alles Wichtige zu hören.

Die von Christoph Kaiser geleitete Goethe-Bigband zeigte zum Auftakt, wie auch aus der halben Besetzung das volle Vergnügen zu beziehen ist. „Don’t you worry ’bout a thing“ – Stevie Wonder gab das Motto dieses beherzten Auftritts vor, bei dem der Bandleader am Bass sozusagen den Heckmotor für den Groove bildete.

Gerade bei den Saxofonen konnten die Lokalmatadoren des Starkenburg-Gymnasiums aus dem Vollen schöpfen. Den kompakten Sound hatte Frieder Schneeweiss jederzeit im Griff, seine unmissverständlichen, geradezu sportlichen Fingerzeige ließen noch gar keinen Gedanken daran aufkommen, dass seine Dienstzeit als Lehrer sich dem Ende zuneigt. Sehr junge Solisten widerlegten in einem Punkt Moderator Weis: Der hatte zum Standard „Perdido“ angemerkt: „Ich weiß, das spielt ihr nicht so gern.“

Der tiefenentspannte Schlagzeuger fand einen ebenbürtigen Nachfolger im Kollegen der Geschwister-Scholl-Bigband. Verstärkt um die beiden mitmusizierenden Leiter Joachim Brenzel (an seinem Hochzeitstag) und Dirk Apfel zeigte das Ensemble, was es kann: Filmmusiktitel zu „Rocky“ oder „Die Schöne und das Biest“ plastisch rüberbringen, eine Gesangssolistin dezent begleiten und dabei stets sauber bleiben. Kurz vor der „Bergsträßer Bigband“ demonstrierte noch die AKG-Bigband ihren Rang in der Bergsträßer Jazz-Szene. Leiterin Sonja Hayer-Lenz hatte einen erfrischenden Mix zusammengestellt, der von Pharell Williams’ „Happy“ über Lady Gagas „Pokerface“ bis zum Carlos-Jobim-Klassiker „Àgua de beber“ reichte. Bonustracks waren drei muntere Stücke des in Bensheim lebenden Komponisten und Arrangeurs Satoshi Komatsu.

Ein Thema für sich war das Wetter. War es im Vorjahr ein gehöriger Schauer, der den Bigband-Contest behelligt hatte, blies diesmal gehöriger Wind allen um die Ohren. Herumwehende Notenblätter vereinte alle fünf Auftritte vom Sonntagmittag.

Aber wer wird denn gleich in die Luft gehen, wenn es um gute Musik für einen guten Zweck geht? Bürgermeister Rainer Burelbach bedankte sich bei Mitwirkenden und Veranstaltern für eine noble Geste: Der Erlös komm sozialen und kulturellen Zwecken in Heppenheim zugute.

Foto: Karl-Heinz Köppner

Echo Online 13.07.15