Düsterer Klassiker, perfekt umgesetzt

Düsterer Klassiker, perfekt umgesetzt

Von Astrid Wagner

HEPPENHEIM – Den Klassiker Dracula hatte sich die Theatergruppe LiZi am Starkenburg-Gymnasium vorgenommen. Die Protagonisten spielten so hervorragend und brachten die düstere Atmosphäre so gut rüber, dass das Stück erst ab Jahrgangsstufe acht empfohlen war. Am Ende gab es tosenden Beifall.

Bram Stokers Dracula, erschienen 1897, ist wohl eine der bekanntesten Romanfiguren. Der Roman diente als Vorlage für unzählige Theaterstücke und Filme – von trivial bis künstlerisch wertvoll. Der Chef aller Vampire tanzt und singt sich sogar durch Musicals.

Ungläubige Gesichter gab es deswegen bei den Mitgliedern von LiZi, der Theatergruppe des Heppenheimer Starkenburg Gymnasiums, als Lehrer Erich Henrich den Schülern eröffnete, dass man sich genau dieses Stückes annehmen werde.

Was am Ende dabei herauskam, hatte den tosenden Beifall der Zuschauer mehr als verdient.

Die Geschichte um Jonathan Stark, dem Anwalt einer Kanzlei, der in die Karpaten geschickt wird, um mit einem gewissen Grafen Dracula über einen Grundstückskauf in London zu reden und ihm beim Umzug dorthin zu helfen, ist bekannt. Die Aufführung von LiZi orientierte sich streng an dem Original. Schon der Beginn jagte den Zuschauern eine Gänsehaut über den Rücken – nicht umsonst war der Besuch des Stückes erst für Kinder ab Jahrgangsstufe acht empfohlen.

Eine riesige Gestalt mit langen Fingernägeln agierte hinter einer Schattenwand, düstere Musik untermalte das beängstigende Szenario. Dann hinter der Schattenwand ein Mensch, der offensichtlich Tagebuch schreibt. Alles sei hier unheimlich auf dem Schloss, keine Spiegel gebe es zum Rasieren, ein schrecklicher Abgrund sei nahe. Es ist der Tagebucheintrag von Jonathan Harker, der dem Theaterstück vorneweg gestellt wurde.

Dann mit einem Mal liebliche Musik. Jonathan und Mina, seine Verlobte, verabschieden sich küssend. Die Geschichte beginnt. Noch ahnt keiner, welche Schrecken auf alle zukommen. Es wird wieder bedrohlicher. Die letzte Station der Postkutsche vor dem Dracula-Schloss. Die dargestellte Szene mutet an wie ein Gemälde aus jener Zeit. Dazu heulende Wölfe im Hintergrund, gespenstische Musik.

Die Protagonisten spielen hervorragend, bringen die bedrückende und bedrohliche Atmosphäre beeindruckend gut rüber. Harkers Aufenthalt im Schloss ist geprägt von der eingespielten Musik, von spitzen Schreien, einer gelungenen Klangcollage, die sich durch das gesamte Stück zieht: Noise-Jazz-Elemente kombiniert mit Horror-Filmmusiken. Dazu die professionelle Beleuchtung durch die Technik AG. Hut ab! In Hollywood würde man sagen: ein Oscar geht an die „Filmmusik“. Ebenso bemerkenswert waren die Kostüme, teils selbst entworfen und geschneidert, teils von den Heppenheimer Festspielen entliehen.

Immer schneller ist der Wechsel zwischen scheinbar heiler und dämonischer, irrationaler Welt. Mit Draculas Auftauchen in London vermischen sich diese beiden Welten. Das Böse greift um sich.

Mitreißendes Spiel der Nachwuchsdarsteller

Man muss den ein oder anderen der Darsteller hervorheben: Paul Varychev etwa, der als Jonathan Harker das Stück trug wie kaum ein anderer. Mitreißend sein Spiel, man vergaß, dass er „nur“ ein Schüler ist, kein Schauspieler. Lina Wichmann war die Rolle der von Dracula infizierten, im Londoner Irrenhaus eingesperrten Mrs Renfield förmlich auf den Leib geschneidert.

Großartig, wie sie die Verrückte gab, voller Heißhunger auf Blut, Ratten und Vögel aussaugend, die Augen verdrehend, schreiend. Ein Kontrapunkt ist Marvin Backes in der Rolle des Irrenarztes Dr. Jack Seward. Herrlich schrullig, ein in seiner Arbeit aufgehender Wissenschaftler. Immer wieder sorgte Backes für Lacher, nahm sich selbst aufs Korn, war ganz der, den er darstellte.

Kathrin Jobst schlüpfte wie einige andere in mehrere Rollen, insbesondere als Lucy Westenra wusste sie zu gefallen. Auf Männerjagd, bedauernd, dass man nur einen heiraten könne, erwies sie sich andererseits als gute Freundin von Mina. Sie spielte kokett, und frech, kurz: wunderbar. Alexander Röhrig als Dracula, Särge schleppend und Blut saugend, überzeugte ebenfalls mit ungeheurer Bühnenpräsenz. Auch all die anderen Darsteller begeisterten das Publikum.

Unzählige Stunden für Proben investiert

Unzählige Stunden haben die Schüler um Lehrer und Regisseur Erich Henrich in Proben investiert. Da saß jedes Wort, jede Geste. Da ging jeder aus sich heraus, gab alles, hatte keine Scheu vor den Zuschauern. Es wurde geliebt, gehasst, geschrien, gefürchtet. Die Menschen in der Aula fieberten mit, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt verfolgten alle das Bühnengeschehen.

Nach über drei Stunden war das Theaterstück vorüber. Drei Stunden, die einem aber zu keiner Zeit zu lang wurden, in denen man auf das Vortrefflichste unterhalten wurde, mitfieberte und staunte. Nur die Luft in der Aula ließ einmal mehr zu wünschen übrig. Aber das war auch der einige negative Kritikpunkt. Wieder einmal sehr gut gemacht, LiZi!

(c) Starkenburger Echo Online 16.07.15