Ein Abend hinter den Kulissen bei LiZi

Ein Abend hinter den Kulissen bei LiZi

Heppenheim, Starkenburg- Gymnasium. „Wo sind denn die Koffer?“, fragt eine Schauspielerin des Schultheaters LiZi aufgeregt. Kurz vor der Premiere des diesjährigen Stückes „Nosferatu“ scheinen  alle besonders angespannt zu sein. Während die letzten Schauspieler geschminkt werden, bereiten sich die Sektausschenkerinnen hinter der Bar am Eingang der Aula der Schule auf die vielen Zuschauer vor. „Heute wird es sehr voll werden, alle Handgriffe müssen sitzen!“ Der Chef des Theaters Erich Henrich kommt in den Eingangsbereich. Der Kunstlehrer wirkt trotz seiner 18 Jahre Erfahrung etwas angespannt. Schnell werden die letzten Tische bespannt und Gläser in den Buchstaben LIZI aufgestellt, bevor die Gäste kommen. Als diese dann eintreffen, klirren Gläser und man hört das Sprudeln des Wassers. „In der Pause ist der Andrang immer am schlimmsten, alle Leute möchten etwas trinken, da es in der Aula sehr warm werden kann. Im Moment geht es noch mit dem Stress“, erklärt eines der Sektmädchen hinter der Bar. Um Punkt halb sieben werden die Türen zur Aula geöffnet und das Publikum setzt sich auf seine Plätze. Die Schauspieler stellen sich in einer Reihe auf und die ersten fünf gehen auf die Bühne. An der Bar und in den Umkleideräumen wird es ganz still, kein Geräusch soll von draußen zu hören sein, wenn die Schüler auf der Bühne spielen. Die Tür zur Aula öffnet sich und einer der Schauspieler kommt heraus: „ Oh nein, ich hab den einen Satz vergessen!“ Während der sich ärgert, rennt eine Elftklässlerin zur Umkleide: Sie muss sich ganz schnell umziehen. Wenige Minuten später kommt sie mit zerzausten Haaren, neuem Make-Up und im Nachthemd wieder zur Bühnentür. Sie lauscht den Geräuschen und öffnet die Tür. Ein Schauspieler berichtet uns:

„ Hier weiß jeder ganz genau, wann er dran ist oder welche Szene gerade gespielt wird, wir haben das schließlich nicht umsonst ein halbes Jahr geübt!“ Eine Stunde später klingelt es zur Pause. Hastig rennen die Schauspieler zurück in die Umkleide. Sie dürfen vom Publikum nicht gesehen werden. Nun haben die Sektmädchen viel zu tun. Bierdeckel werden geöffnet und fliegen auf den Boden, Sekt wird eingeschenkt, Geld wird gewechselt und Brezeln werden verkauft. Nachdem alle Gäste versorgt sind, atmen die drei erst einmal durch. „Das ist das erste Mal, dass ich hier Sekt ausschenke. Es ist zwar anstrengend, aber es macht auch viel Spaß“, erzählt eines der Mädchen.

Es klingelt und die Gäste begeben sich plaudernd zurück in den Zuschauerraum. Als die Vorstellung weitergeht, werden die Tischdecken gewechselt. „Herr Henrich ist ein Perfektionist und Unordnung kann er genauso wenig leiden wie Wasserränder auf der Tischdecke!“, flüstern die Mädchen. Fast lautlos wechseln sie die Tischdecken. Danach werfen wir einen Blick in die Turnhalle, die unter der Aula liegt. Drei Schauspieler liegen auf einem Weichboden und ruhen sich aus. Oben ist inzwischen der nächste auf der Suche nach etwas: Graf Dracula sucht seinen Umhang. Kurz bevor er auf die Bühne muss, bringt eine der Vampirfrauen ihm dem Umhang. Dracula geht auf die Bühne zum großen Finale, Geschrei ist zu hören und ein Dracula, der auf seine Untertanen einredet. Schließlich endet das Stück und das Publikum applaudiert, auch die Schauspieler hinter der Bühne wirken sichtlich erleichtert. Es folgt eine Danksagung der Schauspieler an die Helfer und vor allem an die Technik, die heute sehr viel zu tun hatte. Auch der Schulleiter kommt zu Wort und verteilt Rosen. Wenn das Publikum den Heimweg angetreten hat, werden die Schauspieler in einem Restaurant die gelungene Premiere feiern. „Ich bin froh, dass das Publikum so zufrieden mit der Aufführung war und freue mich auf drei weitere Vorstellungen!“, sagt ein Schauspieler.

Das Licht wird ausgeschaltet und die Aula des Starkenburg- Gymnasiums liegt im Dunkeln. Morgen wird die nächste Aufführung der LiZis sein, in der das Publikum nichts vom Stress und der Aufregung hinter der Bühne mitkriegt.