Open-Air-Museum für den Bruchsee

Open-Air-Museum für den Bruchsee

Mit dem Kopf im Summstein von Wolfgang Völker kann man die Wirkung von Klang am eigenen Körper ausprobieren. Etliche Gäste nutzten am Samstag diese Gelegenheit bei der Eröffnung des neuen Kunst- und Klangwegs am Bruchsee.

Etwa vier Tage hatten zehn Künstler in der vergangenen Woche Zeit, um ihre Werke für den Kunst- und Klangweg am Bruchsee fertigzustellen. Am Samstag wurde dort der 19. Kunstweg der Sparkassenstiftung Starkenburg in ihrem Geschäftsgebiet eingeweiht.

„Es war eine sehr arbeitsreiche, intensive Woche“, sagte Martin Hintenlang, Initiator und Organisator der Museen im Grünen, die die Sparkassenstiftung Starkenburg seit dem Jahr 2000 gefördert hat. Bei brütender Hitze hatten zehn Maler und Bildhauer unterm Zeltdach im Sparkassengarten an ihren Werken zum Thema „Generationen“ gearbeitet, immer den Fertigstellungstermin im Nacken. Denn im Laufe des Freitags kamen die Mitarbeiter des Bauhofs, um die zum Teil Hunderte Kilogramm schweren Objekte an ihren endgültigen Standort zu verfrachten.

VIER HEPPENHEIMER SCHULEN EBENFALLS BETEILIGT

Viel Fantasie und Einfühlungsvermögen haben die Heppenheimer Schüler bewiesen, die mit ihren Lehrern an den Klanginstallationen gearbeitet hatten, die am Samstag ebenfalls beim Kunst- und Klangweg am Bruchsee ebenfalls in Augenschein genommen werden konnten.

Am Spielplatz steht jetzt das „Fischballett“, an dem sich 260 Mädchen und Jungen, eine ganze Schülergeneration der Nibelungenschule, beteiligt haben. Die Kinder hatten aus Aluminium gestanzte Fische bunt bemalt. An Stahlseilen aufgefädelt, warten sie auf das Tänzchen im Wind.

Beim Klangobjekt der Siegfriedschule, direkt am Seeufer aufgestellt, hängen an einem kunstvoll bemalten Rahmen metallene Röhren, die Luftbewegung zum Schwingen und Klingen bringen soll. Demnächst wollen sie noch einen Klöppel anbringen, mit dem man das Ganze auch bei Flaute zum Leben erwecken kann. Das Metall ist unbehandelt und wird rosten – Symbol dafür, dass sich die Natur immer ein Stück weit zurückholt, was kein nativer Teil von ihr ist.

Getauft wurden die Werke gleich in der Nacht, mit Wetterleuchten und Donnergrollen, gefirnisst mit letzten Regentropfen am Morgen vor der Einweihung. Am Samstagnachmittag, als sich trotz sengender Sonnenstrahlen ein stattliches Publikum zur Enthüllung der Tafel auf dem Parkplatz an der Seestraße einfand und auf den Rundkurs begab, sah alles unversehrt aus; auch der witterungsbeständige Grund auf den Bildern hatte die erste Herausforderung der Naturgewalten gut überstanden.

Erstmals mit Klanginstallationen

Die Klanginstallationen sind ein Novum für einen Kunstweg der Sparkassenstiftung, die Beteiligung Heppenheimer Schüler, die vier der fünf Windspiele geschaffen haben, ebenso. 15 Stationen an markanten Plätzen rund um den Bruchsee laden als Dauerleihgaben zum Innehalten und Betrachten, Ausprobieren und Erleben ein.

Bei Wolfgang Völkers „Summstein“, einem massiven Granitblock, den der Bensheimer Bildhauer direkt am Standort fertiggestellt hat, ist es die Stimme des Betrachters, die die Magie in Gang setzt. Als Zugang dient eine Öffnung, in die man den Kopf stecken kann: Wenn die Modulation stimmt, meldet sich der Stein zu Wort.

Sandstein, auch ein Material, das in die Region passt, haben mehrere Künstler für ihre Beiträge zum Thema ausgewählt: Bei Trudl Wittmann aus Abtsteinach, einer Schülerin von Hintenlang, ist es eine Mutter und ihr Kind unter dem Titel „Geborgenheit“. Der künstlerische Leiter hat sich für ein kleineres Werk entschieden: Ein Hochrelief, das er „Zukunft“ genannt hat, stellt die Generationen der Schreibgeräte dar, von der Feder über den Füllfederhalter bis zum Smartphone.

Die eiserne „Windlyra“ des Darmstädters Thomas Wellner steht auf einem meterhohen Sandsteinsockel , David Maras (Rimbach) hat aus dem Material einen Fruchtkörper geformt und ihn „Einhemmstelle“ genannt, und die eher abstrakte Arbeit „Ansichten“ von Harald Speckhardt (Heilbronn) kombiniert Stahl mit dem Sandstein. Holz, genauer gesagt ein ganzer Eichenstamm, war das Material der Wahl für Oliver Nischwitz (Bensheim). Er hat mit Hammer und Meißel Figuren herausgelöst und die Generationen übereinander getürmt, jede trägt die nachfolgende auf den Schultern.

Die Maler hatten während der Kunsttage wohl nicht ganz so schweißtreibende Tätigkeiten auszuführen wie ihre Bildhauerkollegen; aber auch sie haben sich in einer persönlichen Sicht dem Thema gestellt. Ortwin Zeidler (Laudenbach) hat mit Acrylfarbe gearbeitet und Figurinen vor farblich abgesetzten Feldern als stilisierte Menschenmenge geschaffen. „Bunt röhren die Hirsche“ von Lucia van Amsterdam zeigt einen der selten gewordenen Herren der Wälder. Angedeutete Geweihe symbolisieren die Vorfahren des mächtigen Tiers, und auch auf der Rückseite ist noch etwas zu entdecken: Ganz in Blau führt das Gemälde zurück auf das Gewässer, dem der Hirsch gerade entstiegen sein könnte. Amber van Amsterdam hat drei schwarz-weiße Elstern in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt. Der dritte Vogel schwingt sich auf und fliegt davon – dem Himmel entgegen oder der Unendlichkeit?

Aufwertung für Erholungsgebiet

Es gibt in der Tat auf dem neuen Kunst- und Klangweg jede Menge zu entdecken. Eine Aufwertung des Naherholungsgebiets ist das Open-Air-Museum allemal und „wieder ein Meilenstein für den Bruchsee“, wie es Bürgermeister Rainer Burelbach ausdrückte. Großes Lob gab es auch für die Mitarbeiter des Bauhofs um Thomas Dexheimer und Matthias May: „Sie haben Unglaubliches geleistet.“ jn

© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 22.07.2015