Die Kinder von 1944 – Zeitzeugen aus Italien zu Gast am Starkenburg-Gymnasium

Die Kinder von 1944 – Zeitzeugen aus Italien zu Gast am Starkenburg-Gymnasium

Auf Einladung der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung hatten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Starkenburg-Gymnasiums Gelegenheit, mit Zeitzeugen aus Oberitalien ins Gespräch zu kommen.

Anna Rosa Nannetti, Gianluca Luccarini sowie Matilde Grünhage-Monetti überlebten 1944 als Kinder in der Provinz  Emiglia  Romagna, südlich von Bologna, ein  Massaker, bei dem eine Aufklärungsabteilung der deutsche SS und der Wehrmacht unsäglich schwere Kriegsverbrechen an Opfern der Zivilbevölkerung verübt hatte. In sehr bewegenden Worten berichteten sie stellvertretend für viele andere ihrer Generation davon, wie große Teile ihrer Familien ausgelöscht wurden, wie die überlebenden Männer als Kriegsgefangene nach Deutschland transportiert und sie mit ihren Müttern oder ganz auf sich gestellt um ihr Leben fürchten und zu Verwandten in die Berge oder die nördlich gelegenen Städte fliehen mussten. Teilweise wuchsen sie bei Pflegefamilien oder in Heimen auf, und bis vor wenigen Jahren mussten sie die Spuren unbewältigter Traumatisierungen erleiden. „Der Zusammenarbeit von Pflegefamilien und Eltern“, so schreibt Nanetti in einer Dokumentation, die auch ins Deutsch übersetzt wurde, sei „es zu verdanken, dass in jedem Kind die Hoffnung auf eine Welt heranreifen konnte, in der es unter dem täglichen und großzügigen Einsatz aller möglich sein würde, den Krieg zu besiegen.“

Doch erst im Jahre 2006 wurden Akten in bis dahin verschlossenen Archiven neu eröffnet und die Täter, die teilweise als unbescholtene Rentner in Deutschland lebten, in einem Prozess  zur Rechenschaft gezogen.

 

Zur Erinnerung und als Mahnmahl für die Nachgeborenen wurde in einem der fast schon verfallenen Häuser des Dorfes die „Friedensschule von Monte Sole“ errichtet, in der internationale Jugendbegegnungen und Seminare zur  Völkerverständigung und Friedenserziehung abgehalten werden. In einem Workshop mit einer der Mitarbeiterinnen lernten die Schülerinnen und Schüler eines der dort praktizierten pädagogischen Konzepte kennen und konnten selbst ihre Gedanken und Gefühle angesichts der bewegenden Erzählungen der Zeitzeugen verarbeiten. Dabei wurde noch einmal deutlich, wie sehr sie das Gehörte berührt hatte und welche Aktualität das Thema auch für die Gegenwart besitzt.

Flucht und Vertreibung, so stellten viele von ihnen fest, seien damals wie heute Begleiterscheinungen von internationalen Konflikten und Bürgerkriegen. Durch die Berichte der Zeitzeugen fühlten sie sich erinnert an die teilweise auch heute unbegleiteten Flüchtlingskinder, die derzeit über die Balkanroute nach Deutschland kommen. Umso mehr gelte es nun, auch diesen zu helfen und ihnen ein Leben in Sicherheit zu ermöglichen.

 

Ihre abschließenden Worte des Dankes an die Gäste verband Fachbereichsleiterin Christiane Wüstner mit der Hoffnung, dass die in der „Friedensschule von Monte Sole“ praktizierte Idee des Friedens auch Eingang in die Politik der Staaten fände, die die Verantwortung für Kriege, Flucht und Vertreibung in der Gegenwart tragen.