GenEthik-Tag am Starkenburg-Gymnasium

GenEthik-Tag am Starkenburg-Gymnasium

Schüler diskutieren mit Experten über den Frühtest zum Nachweis des Down-Syndroms

In einem fächerübergreifenden Projekt-Tag der Fachschaften Biologie, Ethik und Religion beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 mit dem „Praena-Test“, mit dem das Down-Syndrom in einem für Mutter und Kind ungefährlichen Bluttest bereits in der frühen Schwangerschaft nachgewiesen werden kann.
Nachdem sich die Teilnehmer zunächst in kleineren Gruppen intensiv mit den biologischen und medizinischen Fakten und unterschiedlichen ethischen Positionen kritisch auseinandergesetzt hatten, diskutierten die Schüler mit einer kompetenten Expertenrunde aus der Praxis. Diese war besetzt mit Frau Schlapps-Henrici, Mitarbeiterin der Behindertenhilfe Bergstraße, Frau Maul, Mitarbeiterin des Diakonischen Werks Darmstadt für die Schwangerenkonfliktberatung bei Chromosomenanomalien, Dr. Altun-Teber, niedergelassene Fachärztin für Humangenetik in Mannheim sowie Frau Kegenhof, Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes mit dem Down-Syndrom.

In zahlreichen Fragen an die Expertenrunde wurde ein vielseitiges Interesse von Seiten der Schülerschaft deutlich: angefangen von ganz alltagspraktischen Erfahrungen des Zusammenlebens, Möglichkeiten der Unterstützung und Förderung von Betroffenen, Beratungsangeboten in der Schwangerschaftskonfliktberatung, medizinischen Fragen zum Schwangerschaftsabbruch bis hin zur prognostischen Erwartung und der ethischen Bewertung von pränatalen Testverfahren und der Vision des „Designerkinds“, nutzten die Zuhörer im Publikum die breit gefächerte Sachkompetenz des Podiums.

Während von Seiten der Beratungsstellen eine deutliche Steigerung der Informations- und Beratungsangebote für die betroffenen Eltern gefordert wurde, wiesen Frau Kegenhof als auch die Mitarbeiterin der Behindertenhilfe darauf hin, wie bereichernd das Zusammenleben mit Menschen mit dem Down-Syndrom sei, da diese ausgesprochen fröhliche „Sonnenkinder“ seien, die selbst viel Lebensfreude ausstrahlten. Insgesamt wurde jedoch deutlich: Die Gesellschaft lässt die betroffenen Familien häufig allein, und viele Eltern sind bei einem bereits vorgeburtlich festgestellten Gendefekt mit der Entscheidung, sich für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, ebenso überfordert wie mit den Sorgen und Ängsten, die ein Leben mit einem behinderten Kind für sie bedeuten kann.

Gleichwohl zeigte sich, dass auch eine überzogene Skepsis gegenüber neuartigen gendiagnostischen Testverfahren nicht angemessen ist. Die Humangenetikerin wies darauf hin, dass nur ein kleiner Teil von Erbkrankheiten durch pränatale Tests nachweisbar ist. Sofern die Diagnose bereits vor der Geburt feststehe, könnten diese Kinder in besonders gut ausgestatteten Kliniken entbunden werden, so dass ihnen sofort eine optimale medizinische Versorgung angeboten werden könne. Die Erwartung eines steigenden gesellschaftlichen Drucks auf die betroffenen Eltern lasse sich in der Wahrnehmung der Beratungsstellen nicht eindeutig bestätigen. Dabei spiele es eine entscheidende Rolle, welche Haltung die Partner und Familien der Schwangeren zum Leben mit Behinderungen einnähmen. Wenn diese bereit seien, die künftige Mutter zu unterstützen, würden sich auch viele Frauen gegen einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.
Einigkeit bestand bei allen Experten dahingehend, dass es keine eindeutige Antwort auf die ethische Bewertung der mit dem Projekttag angestoßenen Problemstellung gibt. Dafür sei die Thematik zu vielschichtig, und jeder Einzelfall stelle sich für alle Betroffenen anders dar. Letztlich habe die Gesellschaft mit zu entscheiden, ob sie den Prinzipien Perfektion, Leistung und Erfolg einen höheren Stellenwert einräume als vielmehr der Vielfalt und Buntheit einer Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung nicht als notwendiges Übel, sondern als Bereicherung wahrgenommen würden. Dazu könne eine Veranstaltung wie diese einen wichtigen Beitrag zur späteren Orientierung für die Eltern von morgen leisten.
Zum Abschluss der Diskussion dankte Christiane Wüstner, Leiterin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, den Referentinnen sowie Alexander Bauer und Tim Bartelsen, beide Schüler am Starkenburg-Gymnasium, für ihre kompetente Moderation.