LIZIspecial- am 20.5. und 21.5.2016

LIZIspecial- am 20.5. und 21.5.2016

BLL
Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, eine Besondere Lernleistung (BLL) ins Abitur einzubringen. Die besondere Lernleistung ist eine umfassende wissenschaftliche oder künstlerische Arbeit, bei der die Schülerinnen und Schüler in den letzten beiden Halbjahren vor dem  Abitur ein Thema bearbeiten können, das sie besonders stark interessiert. Die Arbeit wird von einem Fachlehrer betreut und muss im Rahmen der Abiturprüfung vorgestellt und in einem abschließenden Kolloquium erläutert werden. Durch die Prüfungsform der Besonderen Lernleistung ist es möglich, spezielle Interessen und außergewöhnliche Begabungen der Schülerinnen und Schüler in der Abiturprüfung zu berücksichtigen.

„GLÜCKLICHE TAGE“
Die Schülerin Lina Wichmann hat sich im Abitur 2016 in ihrer Besonderen Lernleistung mit den religiösen, ethischen und gesellschaftlichen Sinnfragen des Menschen anhand von Samuel Becketts Theaterstück „Glückliche Tage“ auseinandergesetzt – im Gegensatz zur üblichen Praxis in der Schule aber nicht in einer theoretischen Reflektion, sondern vornehmlich in der praktischen Tätigkeit auf der Bühne.

Zusammen mit Benedict Böttcher (in einer Nebenrolle) und unter Mithilfe von Lena Koch (als Regie-Assistentin) hat sie das Theaterstück des irischen Nobelpreisträgers in einer gekürzten Fassung schauspielerisch erarbeitet. Dieses Stück, 1961 veröffentlicht, stellt für jede ältere Schauspielerin eine besondere Herausforderung dar – erst recht für eine 18jährige Schülerin – ,denn Samuel Beckett verhandelt in dem großen Monolog der „Winnie“ (der in der Originalfassung ca. 1¾ Stunden dauert) nichts weniger als die Sinnfragen des Lebens im Angesicht der Sinnlosigkeit des Daseins.

INHALT
In dem Stück passiert scheinbar kaum etwas. Winnie, eine ältere Frau (um die 50) steckt zu Beginn bis zu den Hüften in einem Erdhügel. Die Welt um sie herum ist öde, abgestorben, menschenleer. Außer Willie – dem nahezu stummen Gefährten ihres Daseins – keine Spur von Leben. Wieder beginnt ein „glücklicher Tag“. Winnie redet und redet – und redet sich in den „glücklichen Tag“ hinein. Sie zelebriert die kleinen Rituale des Alltags – Zähneputzen, Haarbürsten, Lippen nachziehen. Und sie findet immer wieder Anlässe für ihren Optimismus. Nur manchmal blitzt zwischen all dem Gequassel und all dem Hantieren die „schreckliche Erkenntnis des Nichts“ hervor, die sie vor Entsetzen erstarren lässt.  Doch es kann nicht sein, was nicht sein darf – und so redet und „wuselt“ sie weiter, selbst als sie am Ende bis zum Hals in der Erde versinkt: „Was macht das schon, sage ich immer, es wird ein glücklicher Tag gewesen sein, trotz allem wieder ein glücklicher Tag“.

BÜHNENBILD
Unsere Inszenierung knüpft im visuellen Charakter des Bühnenbildes an die LiZi-Doppel-Aufführung von Becketts „Warten auf Godot“ und „Endspiel“ aus dem Jahr 2011 an. Ein illusionslos-leerer Bühnenraum bildet erneut den „background“ für Winnies großen Monolog.

„Die Einfachheit und Weite symbolisiert die Sinnlosigkeit und Leere einer Welt, mit der Winnie unmittelbar konfrontiert ist. Der Hügel, in welchem sie versinkt, kann als Grabhügel interpretiert werden. In unserer Inszenierung wird diese hügelige Ebene durch Paletten und andere Holzteile definiert, die in wüster Unordnung ineinander greifen und Winnie buchstäblich einsperren, als sei sie darin verkeilt. Diese wüste Unordnung ist angelehnt an das Gemälde „Das Eismeer“ von Caspar David Friedrich. Es zeigt ein versunkenes, zerschelltes Schiff innerhalb einer kargen Polarlandschaft. Das Bild, das auch den Titel  „Die gescheiterte Hoffnung“ trägt, wirkt, trotz des scheinbar dramatischen Geschehens, starr und unbeweglich. Darin spiegelt sich auch die „hoffnungslose“ Situation Winnies wider.“ (Lina Wichmann)

LIZIspecial
Die Besonderen Lernleistung von Lina Wichmann wird an zwei Abenden als LiZispecial einem größeren Publikum präsentiert. Unter diesem Titel soll mit einer kleinen Reihe von Aufführungen begonnen werden, die als Parallelveranstaltungen zu den großen LiZi-Inszenierungen gedacht sind. Sie sollen die Gelegenheit bieten, ungewöhnliche Stücke in kleiner Besetzung oder szenische Lesungen und Gedichtvorträge zu besonderen Anlässen und Gelegenheiten im schulischen oder außerschulischen Rahmen und eventuell auch an besonderen Orten aufzuführen. Eine weiteres LiZispecial ist im Herbst 2016 geplant.


Aufführungsdauer: ca. 50 Minuten (ohne Pause)

Die Aufführung wird für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10 empfohlen.