Flohmarkt für guten Zweck

Flohmarkt für guten Zweck

1300 Euro Erlös gehen an Flüchtlingshilfe Heppenheim.

Das Läuten zum Ende der zweiten großen Pause war am Freitag längst verstummt im Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium, doch es herrschte ungebrochen Gewusel in den Fluren und in der Pausenhalle. Und das hatte einen richtig guten Grund: Die Schülervertretung (SV) hatte zum Flohmarkt eingeladen. Der Erlös wird der Flüchtlingshilfe Heppenheim zu Gute kommen. Am Ende waren dies 1300 Euro.

Franziska Lenz, Janina Neuthard, Laura Chylla, Dorothea Seibel und Julia Varycheva von der SV hatten die Organisation übernommen. Schon im vergangenen Jahr hatte es einen Flohmarkt gegeben; die Einnahmen gingen an die Nepalhilfe. Angesichts der andauernden Aktualität des Flüchtlingsthemas, so Franziska und Janina, habe man sich entschieden, diesmal die Flüchtlingshilfe zu unterstützen.

In einem Workshop mit Vertretern der Organisation werden die Schüler entscheiden, für welches Projekt das Geld verwendet wird, erzählte Maja Borko von der Flüchtlingshilfe. Eine prima Sache, wie auch die Jugendlichen finden. So sind sie unmittelbar an der Entscheidungsfindung beteiligt. Der Verein hofft, dass sich auf diese Weise vielleicht ein paar neue Mitstreiter finden. Denn Helfer werden immer gesucht. Im Idealfall geht die Zusammenarbeit mit der Schule weiter, gibt es regelmäßiges Miteinander zwischen Schülern und Flüchtlingen.

Im Atrium des Gymnasiums hatte eine Klasse eine Saftbar aufgebaut, an der sich lange Schlangen bildeten. „KiBa“, „Zorro“ oder „Sunrise Fun“ hießen die leckeren und erfrischenden Kreationen, die es für einen Euro gab. Auch die Waffeln und Muffin in der ein oder anderen Klasse fanden dankbare Abnehmer.

Auf den Flohmarkttischen in und vor den Klassenräumen gab es überwiegend Bücher, Gesellschaftsspiele und DVDs. Kreative Schüler brachten Grußkarten mit selbstgeschossenen Blumenfotografien an den Mann und die Frau. Oder ausgefallene Papierarbeiten.

Ein Teil der 1300 Euro, die an die Flüchtlingsinitiative übergeben wurden, stammt aus dem Volleyball-Turnier „Block gegen Rechts“ der Jahrgangsstufe 9 des Gymnasiums, das die Fachschaft Sport im März mit der AG „Schule ohne Rassismus“ zugunsten der Flüchtlinge ausgerichtet hatte.

Kritik an Organisation des Deutschunterrichts

Im Atrium hatte auch die Flüchtlingshilfe ihren Stand. Jürgen Müller freut sich über jede Spende und Helfer. Es sind vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Jeder könne seinen Teil dazu beitragen, dass Integration funktioniert.

Ein Rentner repariert zum Beispiel mit Flüchtlingen alte Fahrräder, damit diese mobiler sind. Andere nehmen einzelne Flüchtlinge oder Familien unter ihre Fittiche: Sie begleiten sie zum Amt oder zum Arzt, machen mal einen Ausflug mit ihnen, spielen oder essen miteinander. Nebenbei wird ein bisschen Deutsch vermittelt. In Sachen Deutschunterricht gibt es aber viel Kritik von der Flüchtlingshilfe. Müller rügte die Koordination beim Kreis Bergstraße. Deutschkurse in Heppenheim würden außer von der Flüchtlingshilfe auch vom DRK und der Kreisvolkshochschule angeboten. Der Kreis biete selbst keine Kurse an. Derzeit müssten Neuankömmlinge oft monatelang warten, bis ein Platz in einem Deutschkurs frei sei. Die Menschen säßen in den Unterkünften, ohne Chance, die Sprache zu erlernen. Zwischen dem, was vom Staat gewollt sei und dem, was in der Realität umgesetzt würde, klafften Welten.

Der Kreisbeigeordnete Matthias Schimpf (Grüne) habe der Flüchtlingshilfe versprochen, dass zwei Sprachkurs-Koordinatoren beim Kreis eingestellt würden. Müller hofft, dass diese Aussage auch nach dem Ausscheiden Schimpfs Bestand hat. Ohne die Flüchtlingshilfe, andere private Helfer oder die Hilfe gemeinnütziger Organisationen wäre der Kreis wohl noch viel mehr überfordert.

Am Samstag baute die Flüchtlingsinitiative einen Stand in Heppenheims Fußgängerzone auf, um dort für die gute Sache und Helfer zu werben.

(c) Echo Online 13.06.16