Ein Kollegium sagt „Ade“

Ein Kollegium sagt „Ade“

Schule verabschiedet Alois Scholz und Frieder Schneeweiss

„Ich würde doch gern mal recherchieren, wie viele Lehrer in Hessen so stimmungsvoll mit Klaviermusik vom Schulleiter verabschiedet wurden“, flachste Studiendirektor Alois Scholz, nachdem ihm an seinem letzten Tag im Starkenburg-Gymnasium Bernhard Zotz mit Sinatra’s „My Way“ ein ganz besonderes Ständchen gewidmet hatte.

Dass sich mit Scholz und Frieder Schneeweiss gleich zwei nicht nur verdiente, sondern auch sehr geschätzte Mitstreiter am Freitagmittag in den Ruhestand begaben, war dem gesamten Kollegium zwei Stunden Nachsitzen in der Mensa allemal wert. Es war mitnichten eine steife und förmliche Pflichtübung, eher ein kurzweiliges, vergnügliches Lebewohl nach Noten – mit einem Programm, das die beteiligten Pädagogen mit viel Kreativität und Witz vorbereitet hatten.

Chemielehrer böllern für ihren Fachschaftskollegen

Übergeben wurden neben den offiziellen Urkunden originelle Geschenke von Weggefährten und dem Personalrat. Geböllert wurde zur Feier des Tages aber auch: Die Chemielehrer Melanie Eberhardt und Steffen Müller ließen es zu Ehren ihres Fachschaftskollegen Alois Scholz, der außerdem Politik und Wirtschaft (PoWi) sowie Musik unterrichtet hat, mit Knallgas ordentlich krachen – eine spannende Vorführung, die zur Freude der Zuhörer auch einige Interna aus dem naturwissenschaftlichen Schulalltag mitlieferte.

Episoden aus dem Gemeinschaftsbüro der Fachbereichsleiter hatten Katja Eicke und Christiane Wüstner zu einer sehr persönlich gehaltenen Laudatio für den Studiendirektor verwoben, die neben Fachwissen und pädagogischem Gespür auch sein ausgleichendes Wesen, den klaren Blick fürs Machbare und vor allem seinen trockenen Humor hervorhob: „Ein fairer, beständiger und loyaler Kollege.“

Als ein weiteres Highlight erwies sich das umwerfend komische „Wiedersehn-Oratorium für Alois“: Alle mit Gesangstalent gesegneten Mitglieder der Lehrerschaft hatten ein „Gelegenheitsensemble“ gegründet, Bachs Weihnachtsoratorium mit neuem Text versehen – „Jauchzet, frohlocket, es lebe die Schule, sehet, wie heute der Alois strahlt!“

Da sie es wohl auch schafften, das Ganze in aller Heimlichkeit zu proben, lobte der Geehrte anschließend: „Sauber artikuliert, ich weiß zwar nicht, wie ich das verdient habe, aber es war ein irres Ding. Ich gebe zu, Verabschiedung ist viel schöner als Einführung.“

Schneeweiss bekommt musikalischen Abschied

Für Oberstudienrat Frieder Schneeweiss, Lehrer für Deutsch und Musik und bestens bekannt als Leiter der erfolgreichen Big Band des Starkenburg-Gymnasiums – „ein Aushängeschild unserer Schule“, so Schulleiter Bernhard Zotz – hatten die Kollegen beider Fachschaften eine tolle Performance mit Klanghölzern einstudiert.

„Musiker verabschieden sich nicht mit großen Worten“, sagte Bernhard Godbersen, der ab dem nächsten Schuljahr die Big Band leiten wird. Ihm wird der unermüdliche Einsatz seines Kollegen für die Bläser in Erinnerung bleiben: „Du hast bis kurz vor Dienstende noch den Fünft- und Sechstklässlern beigebracht, wie sie die ersten Töne zustande bringen – für diese Königsdisziplin hast du meine volle Hochachtung.“

Mit Sophia Brumby und Karin Trost intonierte er zum Abschluss Elvis Presley‘s „You are always on my mind“ – „Wir haben uns entschieden, dass du ein Original verdient hast.“ Originalität bewies zudem die Fachschaft Deutsch: Da Schneeweiss für seinen Abschied „keine Pathetik“ als Motto ausgegeben hatte, hatten sie kurzerhand die Schätze der Welt– sowie Unterhaltungsliteratur durchforstet und eine ansehnliche Zitatensammlung zusammengetragen.

Michael Ende, Agatha Christie und Donna Leon kamen gleichberechtigt mit Friedrich Schiller, Theodor Fontane und Hermann Hesse zu Wort: „Denen wirst du die Pathetik verzeihen.“

(c) Starkenburger Echo 26.07.16