Zwischen Schule und Hightech-Firma

Zwischen Schule und Hightech-Firma

HEPPENHEIM/BENSHEIM – (tr/ü). Drei junge Leute aus der neunten Klasse und ihr Projekt: Ein Gerät zur Bewegungserkennung, das mobile Objekte im Unternehmen genau lokalisieren kann. Keine Spielerei, sondern knallharte Praxis für einen konkreten Anwendungsbereich. „Wir brauchen solche Köpfe, die kreativ und motiviert nach vorne denken“, betont Edbill Grote, Geschäftsführer bei HTV in Bensheim.

Viel Lob für drei Schüler des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums – das Trio hat die Experten früh überzeugt. Im Zuge eines Schülerprojekts kommen sie seit Dezember einmal pro Woche für zweieinhalb Stunden zu den Bensheimer Halbleiterprofis, um an ihrem Projekt zu arbeiten: die Überwachung, Lokalisierung und Visualisierung des internen Warenflusses.

Die Grundidee entstand 2014 im Zuge des Wettbewerbs „Jugend forscht“. Jetzt haben Moritz Weber (14) aus Einhausen und seine 15-jährigen Heppenheimer Kollegen Philip Spieß und Daniel Lerch mit Lehrerin Beate Faupel Nägel mit Köpfen gemacht. Sprich: eine gute Idee in eine relevante Unternehmensanwendung zu übersetzen.

Weltweit drittgrößtes Programmierhaus

Bei der Halbleiter-Test & Vertriebs GmbH in Bensheim bewegen sich Tausende Objekte. Das Unternehmen gilt als drittgrößtes Programmierhaus weltweit. Bis zu 750 000 elektronische Bauteile werden hier bearbeitet – am Tag. Viel Bewegung, die Transparenz erfordert. „Wir müssen schnell wissen, wo genau sich ein jeweiliges Teil gerade befindet“, sagt Edbill Grote. Die Waren werden vor Ort üblicherweise in speziellen ESD-Kisten transportiert. Denn die größte Gefahr für elektronische Bauteile sind elektrische Ladungen. Schon geringe Reibung oder Induktion kann eine Leiterplatte zerstören. Dem Kunststoff der Behälter wird Kohlenstoff beigemischt, der aus dem Isolator Kunststoff einen elektrischen Leiter macht.

Das ist nur eine Fußnote des Projekts, denn den Schülern geht es nicht um die Kisten als solche, sondern um deren gegenwärtigen Standort. Bislang erfolgte die Nachverfolgung manuell. Die begabten Jungs arbeiten an einer automatisierten Lösung. Gemeinsam mit den Experten von HTV haben sie potenzielle Verfahren recherchiert und getestet. Dann haben sie eine optische Methode ausgesucht, bei der ein Scanner die zweidimensionalen QR-Codes auf den Behältern erkennt. Das Terminal zur Kommunikation haben sie selbst programmiert. Das Projekt verlief erfolgreich, doch die Schüler sind nicht zufrieden. „Nicht optimal“, bilanziert Moritz Weber. Jetzt testen sie weitere Konzepte. Etwa über Bluetooth-Empfänger, elektromagnetische Wellen (RFID) oder über eine Opensource-Software. „Das wäre allerdings eine Menge Programmierarbeit“, so Jungforscher Daniel Lerch bei der Vorstellung des Projekts.

„Wir wollen leistungsstarken Schülern ein besonders Umfeld bieten“, sagt der Leiter des Starkenburg-Gymnasiums, Bernhard Zotz. So gut die Ausstattung in einer Schule auch sein mag: Mit dem Equipment eines Hightech-Unternehmens kann kein Bildungshaus mithalten. Und auch die Begleitung von Top-Ingenieuren und Programmierern kann Schule nicht leisten. Darüber hinaus soll das Projekt jungen Leuten helfen, persönliche Zukunftsperspektiven abzuklopfen.

HTV ist weltweiter Marktführer im Bereich Test, Bauteilprogrammierung, Langzeitkonservierung und -lagerung sowie in der Analytik elektronischer Bauteile. Die Verzahnung von Schule und Wirtschaft liegt dem 1986 gegründeten Unternehmen am Herzen. „Wir unterstützen ausschließlich Projekte, die für uns sinnvoll sind“, so Grote.

Seit rund 15 Jahren wird Begabtenförderung im Haus großgeschrieben. Mit Konsequenzen: HTV hat sich wiederholt motivierte Schüler ins Haus geholt und erfolgreich in konkrete Projekte integriert. Manche sind dabei geblieben, einige in heute leitender Position. Auch im Netzwerk Talente zur Förderung des regionalen MINT-Nachwuchses ist das Unternehmen von Anfang an aktiv dabei. Statt klugen Köpfen nur Praktika anzubieten, setzt man auf längerfristige Arbeits- und Forschungsprojekte, bei denen wirklich etwas herauskommt.

(c) Starkenburger Echo, 10.09.16