Der Künstler grüßt aus der Toskana

Der Künstler grüßt aus der Toskana

Wenn ein Sohn der Stadt wie der weltweit zu Ruhm und Ehren gelangte Maler, Grafiker und Bildhauer Horst Antes sein 80. Lebensjahr vollendet, sollte dieser Tag nicht ohne Widerhall in der alten Heimat verstreichen. Zumal der Kontakt nie ganz abgerissen ist: Im Jahr 2001 war Antes anlässlich einer Ausstellung im städtischen Museum zu Gast in seinem Geburtsort, acht beziehungsweise neun Jahre später besuchten ihn Hans Adler, Initiator und Gründer der Sparkassenstiftung Starkenburg, Erich Schmitt, Harald Steinert, Christa Schreier und Gerhard Hofferbert in seinem Domizil in der Toskana.

Bei der Gratulationscour – ohne Jubilar – am Freitag in der „Alten Sparkasse“, die Stiftungsmanagerin Andrea Helm und ihr Team sowie Stadtarchivar Harald Jost geplant und vorbereitet hatten, ließ Horst Antes durch Bürgermeister Rainer Burelbach, der per Telefon die besten Wünsche aus Heppenheim übermittelt hatte, der Gästeschar ausrichten, sie möge beim Feiern viel Spaß haben.

Und den hatten die 110 geladenen Gäste, die sich in der „Alten Sparkasse“ eingefunden hatten: Weggefährten, Bewunderer, Mitglieder des Stiftungsvorstands und des Kuratoriums, Bergsträßer Künstler sowie Vertreter aus der Politik mit Landrat Christian Engelhard an der Spitze. Es war ein Festakt mit allem Drum und Dran, mit Laudatio, einer kleinen, aber feinen Werkschau, einer Vernissage als Überraschung, Sekt zum Anstoßen auf den Jubilar, einem Büfett mit der Gelegenheit zum Plaudern sowie einem „Happy-Birthday“-Ständchen, das Tanja und Jürgen Rutz intonierten. Beide hatten zuvor auch mit Songs wie „I’ll be there“, „I can see clearly now“ und „Irgendwas bleibt“ von Silbermond für Aufhorchen gesorgt.

Jugend lässt sich inspirieren

Hans-Werner Meinberg, in dessen eigenem Zyklus „Heppenheimer Perspektiven“ sich auch ein Gemälde findet, in dem sich bei Sonne, Halbmond und Sternen auch drei „Kopffüßler“ – Antes‘ Markenzeichen – auf dem Pflaster des Marktplatzes tummeln, schilderte in einer launigen, mit Zitaten aus der Kunstszene angereicherten Laudatio Vita und Werk von Horst Antes, der sich bereits 1959, mit 23 Jahren, seinen ersten Kunstpreis, zuerkannt von der Stadt Hannover, verdient hatte: „Ein fulminanter Start.“

Die Liste weiterer Preise und Ausstellungen ist lang; gezeigt wurden seine Arbeiten im Guggenheim Museum New York, im Takamatsu City Museum of Art, im Museum of Modern Art Kamakura & Hayama (Japan), in der Kunsthalle in Hamburg, im Sprengel-Museum Hannover, auf der Biennale in Venedig und mehrmals auf der „documenta“ in Kassel.

Antes‘ „Kopffüßlern“ der sechziger Jahre, inspiriert durch die traditionellen Kachina-Puppen der Pueblo-Indianer, folgten zwei Dekaden später seine minimalistischen Häuser ohne Türen und Fenster, „und damit reduziert auf das Notwendigste“ als „Endpunkt der menschlichen Figur“. Antes, so Meinberg, zähle zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart, der nie auf Effekt und Exzesse gesetzt hätte: „Aber das zeichnet ihn aus.“

Und, wie sich zeigte, inspiriert sein Werk auch die junge, talentierte Generation. Susanne von Engeln, Kunstlehrerin am Starkenburg-Gymnasium – hier hatte auch Horst Antes sein Abitur abgelegt – hatte ihren Leistungskurs Kunst der elften Jahrgangsstufe motiviert, Antes‘ Kopffüßler als Versatzstück in eigene Arbeiten zu integrieren. Enthüllt haben die Bilder am Freitag Samira Silber und Mara Gramlich. Kira Röder, Yannik Winterbur, Eva Trillig, Carlotta Riedelsheimer, Najma Hashemi, Max Gugenberg und Anna Samol haben dabei auch Urlaubsfotos verarbeitet und die Menschlein mit den überdimensionierten Häuptern und extralangen Gliedmaßen nach Port Racine, Saalbach-Hinterglemm oder Mailand reisen lassen.

Entstanden sind ausgeklügelte, sehr ansprechende Collagen unter dem Titel „Reifeprüfung 1957 – Das Starkenburg-Gymnasium gratuliert“, die sicher auch den Meister beeindruckt hätten. Gerahmt hat die Arbeiten die Sparkassenstiftung als Dankeschön an die jungen Künstler, die ihre Werke so auch in der Schule ausstellen können.

Zum Abschluss war Gelegenheit, im 2011 geschaffenen „Kunstraum Horst Antes“ im Haus der Sparkassenstiftung Farblithografien, Radierungen und Objekte in Augenschein zu nehmen, die teils der Sparkassenstiftung gehören, teils als Leihgabe von Hans Adler und weiteren Sammlern zur Verfügung gestellt wurden. jn

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 31.10.2016