9. November: Starkenburg-Gymnasium zeigt im Marstall „Adressat unbekannt“

9. November: Starkenburg-Gymnasium zeigt im Marstall „Adressat unbekannt“

Der 9. November wird auch als „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet, weil auf dieses Datum eine Reihe von Ereignissen fällt, die in der Geschichte Deutschlands entscheidende Wendepunkte markieren (zum Beispiel Novemberrevolution 1918; Fall der Berliner Mauer 1989). Er ist aber vor allem mit der sogenannten „Reichskristallnacht“ 1938 und der folgenden Verfolgung, Deportation und Ermordung des jüdischen Volkes in Deutschland verbunden.

Anlässlich des Gedenktages an eines der schrecklichsten Ereignisse der jüngeren deutschen Vergangenheit lädt der Verein „Stolpersteine Heppenheim – Erinnern für die Zukunft“, gemeinsam mit LIZI des Starkenburg-Gymnasiums zu einer Lesung ein. In der Reihe „LIZIspecial“ bringen Schüler den Briefroman „Adressat unbekannt“ („Adress unknown“) der amerikanischen Autorin Kathrine Kressmann Taylor auf die Bühne.

Roman macht Kathrine Kressmann Taylor berühmt

„Adressat unbekannt“ wurde 1938 im New Yorker Story Magazine veröffentlicht. Der Briefroman machte die Autorin Kathrine Kressmann Taylor über Nacht bekannt. Die Auflage war innerhalb von zehn Tagen vergriffen. Ein Jahr später erschien der Roman als Buch, 1944 wurde er mit Paul Lukas in der Hauptrolle verfilmt.

„Diese Geschichte ist meisterhaft“, schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort der Neuausgabe des Romans. „Nie wurde das zersetzende Gift des Nationalsozialismus eindringlicher beschrieben. Das Buch sollte Schullektüre werden.“ Der schmale Band besteht aus gerade einmal 18 Briefen und einem Telegramm, datiert zwischen November 1932 und März 1934.

Wie Freundschaft zu Hass wird

Der Jude Max Eisenstein und der Deutsche Martin Schulse sind langjährige Freunde und gemeinsame Besitzer einer Kunstgalerie in San Francisco. Der Briefwechsel setzt kurz nach Schulses Rückkehr nach Deutschland ein. In Amerika zu Wohlstand gelangt, macht Schulse in Deutschland eine Nazikarriere. Dennoch hofft Eisenstein auf die alte Freundschaft, als er um Hilfe für seine Schwester Griselle bittet, mit der Schulse ehemals eine intensive Liebesbeziehung verband. Schulse versagt Griselle seine Hilfe. Nachdem ihn die Nachricht vom Tod seiner Schwester erreicht, beschließt Eisenstein, sich an Schulse zu rächen.

Die Inszenierung dieses LIZIspecial hat Erich Henrich mit Schülern einstudiert. Alexander Röhrig und Leonhard Jung lesen die Briefe. Hanna Mayer (Klavier) und Philipp Reichardt (Cello) umrahmen die Lesung mit zwei Musikstücken.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Marstall des Kurmainzer Amtshofes. Im Anschluss laden die Heppenheimer Kirchengemeinden um 21 Uhr zum Schweigekreis vor der Synagogen-Gedenkstätte am Starkenburgweg ein.

 (c) Echo Online 08.11.16