Die weiße Scheibe fest im Blick

Die weiße Scheibe fest im Blick

STARKENBURG-GYMNASIUM U 14-Team Deutscher Meister im Ultimate Frisbee / Bürgermeister gratuliert und fängt

HEPPENHEIM – Es sieht lässig aus, wie die Schüler die weiße Scheibe hin und her werfen. Locker aus dem Handgelenk, ebenso locker wird gefangen. Frisbee heißt die Scheibe, der Sport nennt sich Ultimate Frisbee und steht am Starkenburg-Gymnasium hoch im Kurs. Doch Ultimate Frisbee macht nicht nur in der Pause Spaß. Man kann damit auch Deutscher Meister werden.

Die Scheibe fliegt zu Heppenheims Bürgermeister Rainer Burelbach. Der fängt souverän. Wie Schulleiter Bernhard Zotz ist der Rathauschef da, um dem U 14-Team, zu dem sich Schüler des Gymnasiums im Alter von neun bis 13 Jahren formiert haben, zur Deutschen Meisterschaft zu gratulieren.

FAIRNESS ZÄHLT
Eine Arbeitsgemeinschaft am Starkenburg-Gymnasium bietet Schülern den Einstieg in Ultimate Frisbee, der Weg zu Turnieren führt über den Verein „Heppie Frisbeez“. Die AG trainiert in der Halle an der Schule, der Verein im Stadion. Auf die Frage was ihn an Ultimate Frisbee fasziniert, nennt der Trainer des Vereins, Nelson Krüger, den Fairplay-Gedanken und betont: „Aggressivität gibt es nicht.“ Auch sei es etwas Besonderes, dass die Schüler den Sport allesamt über die Schule kennengelernt hätten: „Das haben wir gemacht. Das ist aus der Schule entstanden“. (zet)

Erfolge im Freien und in der Halle

In Celle bei Hannover hat das Team den Titel bei einem Wettkampf mit Teilnehmern aus der gesamten Republik geholt. Im Freien wurde gespielt, zum zweiten Mal in Folge sind die Heppenheimer Outdoor-Meister geworden. Auch in der Halle haben die Juniorspieler den Titel 2015 und 2016 geholt. Der Schulleiter ist stolz und freut sich mit den Schülern. „Teamgeist ist wichtig“, benennt er eine der Anforderungen an die Spieler. Pädagogisch sei dies eine ideale Sportart, das Zusammenspiel werde gefördert, funktionierendes Miteinander honoriert. Die Begeisterung der Gymnasiasten für Ultimate Frisbee kennt kaum Grenzen. „Die spielen ständig“, erzählt Zotz. Auf der Wiese der Schule oder mitten auf dem Schulhof.

Eine Arbeitsgemeinschaft war die Wiege des Frisbee-Sports am Starkenburg-Gymnasium. Geleitet wird sie derzeit von Lehrer Steven Groß. Aus der AG hat sich ein Verein formiert, genannt „Heppie Frisbeez“, geleitet von Nelson Krüger. Die Vereinsgründung wurde notwendig, um bei Turnieren antreten zu dürfen. Und das in verschiedenen Altersklassen.

Die Arbeitsgemeinschaft ist die Nachwuchsschmiede, im Verein wird für Wettkämpfe trainiert. Auch Burelbach ist begeistert von der Erfolgsgeschichte. „Gratulation an das Team“, lautet seine Ansage, „tolle Leistung“ der Kommentar zum neuerlichen Titelgewinn. Der Erfolg spreche für die Mannschaft, für die Lehrer und sei Ausdruck sportlicher Vielfalt in Heppenheim.

Gespielt wurde bei der U 14-Meisterschaft fünf gegen fünf Spieler. Ziel ist, die Scheibe in die Endzone des Gegners zu bringen. „Es ist ein sehr laufintensiver Sport“, erklärt Trainer Krüger. Wobei der Spieler, der gerade im Besitz der Scheibe ist, nicht laufen darf. Und noch eine Besonderheit von Ultimate Frisbee: Es gibt keinen Schiedsrichter. Der Fairplay-Gedanke zählt. Schon während des Spiels müssen sich die Mannschaften arrangieren, und am Ende finden sie noch mal in einem großen Kreis zusammen, um die Fairness zu bewerten.

Es war Nelson Krüger, heute an einer Mannheimer Schule, der vor fünf Jahren als Lehrer die Idee des Ultimate Frisbee ans Starkenburg-Gymnasium gebracht hat. Während seines Referendariats in Marburg hatte ein Kollege ihm den Sport erschlossen. Er war begeistert. Bis sich ähnliche Begeisterung aber auch an seiner Wirkungsstätte in Heppenheim einstellte, sollte es einige Zeit dauern. „Eigentlich hatte ich drei Jahre ziemlichen Leerlauf“, erzählt er. Der Wandel kam in Gestalt einer fliegenden Brotdose. In einer Mathestunde sauste das Utensil plötzlich durch die Luft. Der Lehrer parierte mit dem Kommentar: „Wenn ihr mehr lernen wollt, dann komm doch in die Frisbee-AG.“ Die Hälfte der Schüler der Klasse nahm die Einladung an.
(c) Echo Online 06.10.16