Schülerin aus Heppenheim bei Biologie-Olympiade

Schülerin aus Heppenheim bei Biologie-Olympiade

Hellgelbe Flüssigkeit wirbelt trichterförmig in einem Laborglas, eine Elektrode misst beständig den pH-Wert. Julia Muth träufelt tröpfchenweise Stoffe ins Glas, die den Wert verändern. Sobald er stimmt, kommt das Geliermittel Agar-Agar dazu. In Petrischalen wird die Flüssigkeit dann fest – ganz wie beim Kochen zu Hause. Die Petrischalen bleiben offen stehen, damit sich Bakterien, die in der Luft unterwegs sind, darauf setzen können.

„Wir schauen dann, welche Bakterien wachsen und wie schnell sie sich vermehren“, erklärt Julia Muth den Versuch. Die 18-Jährige wird in diesem Frühjahr am Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium Abitur machen. Ihre Leistungskurse: Biologie und Chemie. In der 9. Klasse habe sie ihr Interesse für die Fächer entdeckt, erzählt sie.

Dieses Interesse hat die junge Frau weit gebracht. Im November ist sie hessische Landessiegerin der Internationalen Biologie-Olympiade geworden und das schon zum zweiten Mal. Sehr ungewöhnlich sei das, sagt Richard Knapp, Landeswettbewerbsbeauftragter des Kultusministeriums: „Das hatten wir noch nie.“ Gegen 256 Konkurrenten hat sich die Abiturientin durchgesetzt. Vom 19. bis 24. Februar tritt sie bei der bundesweiten Runde in Kiel an, als eine von 45 Teilnehmern.

Bis Samstag forscht sie zusammen mit anderen Schülerinnen und Schülern – den zehn Besten des Landeswettbewerbs – in einem Labor des Fachbereichs Biologie der TU Darmstadt, unterstützt wird das Seminar von Merck. In weißen Kitteln, mit Handschuhen stehen sie vor den Geräten, alle ruhig und konzentriert.

Die Mikrobiologie-Versuche seien die gleichen, die auch Studenten der Anfangssemester machen, sagt Arnulf Kletzin, Dozent an der TU. Was verlangt werde, gehe weit über den Biologieunterricht hinaus und gebe den Schülern einen Eindruck vom Studium. Viele Teilnehmer der Biologie-Olympiade entscheiden sich für ein naturwissenschaftliches Studium: Medizin und Biologie sind gefragt. Auch bei Julia Muth. Molekulare Biotechnologie interessiere sie. Mit diesem Wissen könnte sie in die Forschung gehen oder in der Pharmaindustrie einen Job finden. „Laborarbeit kann ich mir gut vorstellen“, sagt sie. Davon hat sie schon eine ziemlich präzise Idee, seit Längerem nimmt s ie an Arbeitsgemeinschaften am Heidelberger Life Science Lab teil, einer Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums, an der besonders begabte Schüler gefördert werden. „Fast jedes Wochenende“ ist die Heppenheimer Schülerin unterwegs, um Vorträge zu hören und im Labor zu arbeiten. Zusätzliches theoretisches Arbeiten zu Hause kommt dazu.

Das und die Tage an der TU Darmstadt helfen Julia Muth, sich für den Wettbewerb in Kiel zu präparieren. Die zehn Besten qualifizieren sich für die vierte Runde, aus der vier Bundessieger hervorgehen werden. Sollte die Starkenburg-Gymnasiastin dazugehören, wird es wirklich international. Zum Schluss-Wettbewerb kommen Schüler aus 50 Nationen ins britische Coventry.

(c) Echo Online 20.01.17