Zeitzeugenbesuch am SGH

Zeitzeugenbesuch am SGH

Am 19.04. 2017 besuchte der 88 -jährige Zeitzeuge Wolfgang Lehmann das Starkenburg- Gymnasium in Heppenheim, um Schülern eines Oberstufenkurses von seinen Nachkriegs-Erlebnissen in der SBZ, der Sowjetischen Besatzungszone, zu berichten.

Herr Lehmann, der heute im Odenwald lebt, stammt ursprünglich aus Brandenburg und hat dort als Jugendlicher ab 1945 die sowjetische Besatzung erlebt. Eindringlich berichtete Herr Lehmann von seiner willkürlichen Verhaftung als 16 -Jähriger durch den sowjetischen Geheimdienst und seine darauffolgenden Erfahrungen in den sowjetischen Gefangenenlagern Calau und Ketschendorf, in denen katastrophale hygienische Verhältnisse, Hunger und Folter auch an Jugendlichen an der Tagesordnung waren. Auch sein 3-jähriger Aufenthalt in den Arbeitslagern in Sibirien haben ihn nachhaltig geprägt. Als junger Mann mit 21 Jahren hat er dann die Heimkehr aus Sibirien 1950 als „neuen Lebensanfang“ empfunden, ohne Schulabschluss und Lehre. Viele Jahre später begann er, das Erlebte intensiv aufzuarbeiten und sich aktiv für die Versöhnung zwischen ehemaligen Kriegsgegnern einzusetzen. Bis heute ist es ihm wichtig, als Zeitzeuge seine Erfahrungen  weiterzugeben und vor den schrecklichen Folgen politischer Ideologien und kriegerischer Konflikte zu warnen.

Die Anwesenden waren sichtlich ergriffen von seinen Schilderungen, denn in den letzten Kriegstagen und zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Herr Lehmann genauso alt wie seine jugendlichen ZuhörerInnen. Wieder einmal zeigte sich, dass „gelebte Geschichte“ die Jugendlichen in weit höherem Maße anzusprechen vermag als herkömmlicher Unterricht. Da nach diesem überaus lebendigen und beeindruckendem Vortrag zu wenig Zeit war, noch Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen, erklärte sich der Referent freundlicherweise bereit, noch ein zweites Mal in die Schule zu kommen.  Zum Abschluss bedankten sich Geschichtslehrerin Andrea Herlitze und ihr Kurs mit einem herzlichen Applaus.