Für jede Jahrgangsstufe ist etwas dabei

Für jede Jahrgangsstufe ist etwas dabei

VORLESETAG Am Starkenburg-Gymnasium tragen Lehrer, Schüler, Eltern und Lokalprominenz unterhaltsame Geschichten und Gedichte vor

HEPPENHEIM – Der November ist eigentlich der ideale Lesemonat. Oft ist es draußen grau und nass, drinnen dagegen kuschelig warm und gemütlich. Wohl dem, der da Zeit für ein gutes Buch hat. Was aber, wenn man an so einem grauen Tag trotzdem in die Schule gehen muss? Dann hatte am Freitag Glück, wer das Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium besucht, denn dort waren den Vormittag über Vorleser am Werk.

Anlass war der 14. bundesweite Vorlesetag. Die Initiatoren von „Die Zeit“, „Stiftung Lesen“ und „Deutsche Bahn Stiftung“ wollen mit dieser Aktion die Begeisterung fürs Lesen und Vorlesen wecken. Organisiert wurde der abwechslungsreiche Vormittag mit mehr als 30 Programmpunkten von Susanne Kubitza, Patricia Fuhr und Claudia Dames.

Für jede Jahrgangsstufe war etwas dabei. Es lasen Lehrer, Schüler, Eltern und Lokalprominenz. Sylvie Dressler hatte sich unter anderem „La chèvre de Monsieur Seguin“ von Alphonse Daudet ausgesucht. Die Französin las in ihrer Muttersprache, was sie bei der Vorstellung aller Vorleser mit einem scherzenden „Die armen Schüler“ kommentierte. Für die Zielgruppe, die Acht- und Neuntklässler, hatte sie Bilder für die bessere Verständlichkeit aufgehängt, zusätzlich erläuterte sie die Lektüre in deutscher und französischer Sprache.

Im vergangenen Jahr war der Chemie-Leistungskurs von Michael Schmid das erste Mal mit von der Partie. Damals, in der zehnten Jahrgangsstufe, so der Pädagoge, als „teambildende Maßnahme“. Diesmal hatte sich bereits eine Eigendynamik entwickelt, die Schüler wollten gerne wieder mitmachen. Nicht so einfach gestaltete sich die Suche nach einer geeigneten Lektüre, die mit verteilten Rollen gelesen werden kann. Vor gerade einmal zwei Wochen endlich die zündende Idee: Otfried Preußlers „Krabat“ gibt es als Bühnenfassung. Damit begeisterten die Naturwissenschaftler ihr Publikum sehr. Michael Mohri, ehemaliger Lehrer am Starkenburg-Gymnasium, las Hermann Hesses „Kinderseele“. Er entschied sich für die Kurzgeschichte auch deshalb, weil hier ein Konflikt zwischen überhöhten moralischen Ansprüchen und natürlichen Neigungen zum Vorschein kommt. Wie geht der Vater mit den „Verfehlungen“ des Sohns um? „Warum nicht wieder mal einen Klassiker vorlesen“, so der Gedanke des Pädagogen.

Lehrerin Christiane Wüstner wählte für die Jüngsten der Schule eine Geschichte von Paul Maar aus, „weil Kinder träumen müssen“. Für die Oberstufe las sie aus Jenny Erpendecks „Gehen, ging, gegangen“. Es habe sie berührt, dass in diesem Buch Flüchtlinge als Individuen ein Gesicht bekommen.

Ein bekanntes Gesicht hatte für den Vormittag den Weg zurück in die Schule gefunden: Der ehemalige Schulleiter Bernhard Zotz hatte es sich nicht nehmen lassen vorzulesen: Er unterhielt mit Gedichten von Erich Kästner. Er habe es schon immer beeindruckend gefunden, wie er Autor mit wenigen Worten so vieles erkläre – mal ironisch, mal tiefgehend.

Auch ein richtiger Vorlese-Profi war mit von der Partie: Rezitator Ulrich Späh begeisterte mit Gedichten von Ringelnatz, Morgenstern und Gernhard. Mit seinen jugendlichen Zuhörern war er sehr zufrieden. Die meisten seien sehr aufmerksam gewesen. Er habe sich bemüht, etwas herauszusuchen, was auch die Jugend anspricht.

Ein großes Kompliment von der kommissarischen Schulleiterin Katja Eicke – die sich selbst auch in den Reigen der Vorleser eintrug – erhielt Patricia Fuhr: „Seit Sie da oben (in der Mediathek) gute Stimmung verbreiten, geht jeder gerne dahin.“ Quality Land“ aus der Feder von Marc-Uwe Kling ist eine Zukunftssatire, die der Vorleserin nach eigenen Worten bei der Lektüre fast ein bisschen Angst eingejagt hat.

Jeder Vorleser bekam als Anerkennung eine Rose und eine Urkunde. Darin danken die Initiatoren des Vorlesetages dafür, dass die Vorleser mit ihrer Geschichte begeistert und berührt hätten: „Wir danken für dieses Geschenk.“

(c) Lampertheimer Zeitung 18.11.17