Eine Woche voller Gäste am Starkenburg-Gymnasium

Eine Woche voller Gäste am Starkenburg-Gymnasium

Nicht nur neugierige Viertklässler der umliegenden Grundschulen – Dienstag bis Donnerstag im Klassenverband zu kurzen Kennlern-Unterrichtsstunden und am Samstag dann mit ihren Eltern zum Tag der offenen Tür –, sondern auch jede Menge Künstlerinnen und Künstler gaben sich letzte Woche am Starkenburg-Gymnasium die Klinken in die Hand. Dank der großzügigen Unterstützung des Fördervereins konnten Fünft- und Sechstklässler bereits zum zweiten Mal an Opern herangeführt werden.

Für die fünften Klassen spielte die Junge Oper aus Detmold am Mittwoch eine dem Rahmen der Schulaula angepasste Fassung von „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck und begeisterte die Schülerinnen und Schüler mit einer ganzen Reihe von Mitmachaktionen, so dass Langeweile bei diesem Stück nicht aufkommen konnte. Die Sänger Joachim Szepanski (Hänsel), Yvonne Prentki (Gretel) und Martin Lukaß (Erzähler/Hexe/Vater) verstanden es, das Publikum in ihr Stück einzubinden und hatten sichtlich Spaß daran. Des Öfteren führten ihre Wege durch die Reihen der Zuschauer, wodurch nicht nur die Bühne als Schauplatz genutzt wurde. Die „Kabbeleien“ von Hänsel und Gretel brachten gleich am Anfang großes Gelächter und weckten in den Schülerinnen und Schülern Interesse an der Oper. Unterstützung bekamen Hänsel und Gretel dabei von der Musiklehrerin Sophia Brumby, die spontan für die Rolle der Mutter gecastet wurde. Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rollen der „Waldengelchen“, des „Sandmännchens“ und des „Taumännchens“, die tatkräftig dabei halfen, die Hexe in den Ofen zu werfen.

Für die Sechstklässler präsentierte das Ensemble am Donnerstag das Singspiel „Abu Hassan“ von Carl Maria von Weber. Die Handlung stammt aus der orientalischen Märchensammlung „1001 Nacht“, zurzeit von Mozart und Weber eine sehr beliebte Quelle für Opernlibretti: Abu Hassan steckt tief im Schuldensumpf. Er ersinnt einen aberwitzigen Plan: Weil es üblich ist, dass das Kalifenpaar bei einem Todesfall den Hinterbliebenen eine größere Summe zukommen lässt, um die Bestattungskosten zu bestreiten, schlägt er seiner Frau Fatime vor, dass sie wechselseitig dem Kalifen und seiner Frau eine Nachricht über ihr Ableben zukommen lassen. Zunächst verläuft alles nach Plan, allerdings kann sich das Kalifenpaar aufgrund der widersprüchlichen Nachrichten nicht darauf einigen, wer jetzt nun tatsächlich gestorben ist. So machen sie sich gemeinsam zu Hassans Haus auf … der Schwindel fliegt auf und dennoch bekommt Abu Hassan durch geschickte Reaktionen eine ordentliche finanzielle Belohnung. Besonders beeindruckt hat die Schüler, dass dieses märchenhaft konfuse Stück, das 6 Rollen benötigt, von nur drei Sängern – Joachim Szepanski (Omar, Kalif, tauber Bote), Yvonne Prentki (Fatimé) und Martin Lukaß (Abu Hassan) gestemmt wurde. Lediglich die Kalifin wurde von der abermals überraschend gecasteten Lehrerin Franka Südbeck (Geschichte und Sport) dargestellt – sehr zum Vergnügen der Schüler. Viele Szenen fanden auch hier nicht nur auf der Bühne statt, da die Sänger durch die Reihen liefen, um Schuldscheine zu suchen oder sich gar vor den Geldeintreibern zwischen den Schülern versteckten. „Man hatte das Gefühl, man spielt in der Oper mit. Das war toll!“ erzählte Nele mit leuchtenden Augen. Durchweg positiv fanden die Schüler das Bühnenbild sowie die Kostüme – „wie man sich das bei Tausend und eine Nacht vorstellt“ (Daniel) Auch ein fliegender Teppich, der mit Rosenwasser betankt werden musste, kam vor. In Ergänzung zu der Hänsel und Gretel-Version vom Vortag hatte dieses Singspiel deutlich mehr den Charakter einer Oper, da viele Arien und Duette gesungen wurden. „Die Musik war gut, genau die Mitte zwischen Gesang und Reden. Denn wenn zu viel geredet wird, dann ist es ja auch keine Oper mehr.“  (Vivien) Die Darsteller schafften es durch einzelne Comedy-Einlagen die Schüler zu fesseln. Vor allem die Rolle des Abu Hassan wurde als sehr witzig empfunden.

Am Freitag schließlich erlebten zwei Musikkurse und zwei Mittelstufenklassen die Band SPARK. Abends zu Gast im Kurfürstensaal, sieht sich die Band als Botschafter klassischer Musik und besucht neben ihrer Konzerttätigkeit gerne auch Schulen, um ihre Begeisterung für die Musik an ein junges Publikum weiterzugeben. Dabei geht es auch um persönliches Kennenlernen, Interesse für die Instrumente wecken, eigene Werdegänge schildern: Künstler zum Anfassen.
Musikalisch wurden Bearbeitungen von Komponisten aus Barock und Klassik für die Besetzung zwei Flöten, Violine / Bratsche, Cello und Klavier gespielt sowie Auftragskompositionen, die speziell für die Band geschrieben sind. Der Bandleader erklärte den Schülern, dass es auch zur Zeit Mozarts und Beethovens gängige Praxis war, Stücke den jeweiligen Besetzungsmöglichkeiten anzupassen. Die 6b hatte sich im Unterricht mit der Band und ihrer Musik auseinandergesetzt, den Internetauftritt der Band angesehen, sowie Videoclips und Musikbeispiele angehört. Die Bandmitglieder waren sehr angetan von den unterschiedlichen Fragen, die ein sehr lockeres Gespräch einleiteten. Nele fragte: „Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht so erfolgreich gewesen wären als Band?“ Der Flötist wäre vermutlich Lehrer, der Cellist Koch und die Flötistin vermutlich Astronautin geworden. Zum Schluss gab es Autogramme.
Die Fachschaft Musik bedankt sich sehr bei der Organisation „Rhapsody in School“ , einer Initiative von Künstlern für Schulen, die Stars der Klassikszene bundesweit und international in Schulen bringt, für ihr Engagement, für das sie bereits den ECHO Klassik 2014 in der Kategorie Nachwuchsförderung erhielt. (Bry/Tro/Gdb)