Respekt hat viele Facetten

Respekt hat viele Facetten

Respektloses Verhalten im Umgang miteinander und in politischen Diskussionen greift immer mehr um sich. Dagegen will die hessische Landesregierung etwas unternehmen. Mit ihrem „Respekt, was geht?“-Schreibwettbewerb regte sie Schülerinnen und Schüler an, sich über die vielen Facetten von Rücksichtnahme und gegenseitiger Achtung Gedanken zu machen und diese in eine Kurzgeschichte zu kleiden. In Südhessen wurde der Wettbewerb von Medienpartnern – unter anderem der VRM, zu der das Darmstädter Echo gehört – unterstützt.Als Projektpatin konnte die Schriftstellerin Nele Neuhaus gewonnen werden. Die Erfolgsautorin hat eine Stiftung zur Förderung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz von Jugendlichen gegründet. Am Donnerstagabend ehrten der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein und die Krimi- und Jugendbuchautorin in der Kinder- und Jugendbibliothek im Liebighaus fünf Schülerinnen aus der Region Südhessen. Sie haben nach Meinung von Nele Neuhaus, der 44 Beiträge vorlagen, die besten Geschichten geschrieben. Vor der Preisverleihung lasen die Schülerinnen ihre Beiträge vor. Anne Riedl (14) aus Heppenheim erzählte „herzerwärmend“ (Neuhaus) von einer halbtoten Biene, die sie vergeblich zu retten versuchte. „Ich bin baff, dass jemand in deinem Alter schon so gut mit Sprache umgehen kann“, lobte Minister Rhein. „Extrem berührt“ war Nele Neuhaus von der Kurzgeschichte „Rotblaugrün“ der Roßdörferin Lea Vanessa Schuchmann (12). Darin schildert sie, wie sie in der ersten Klasse von Mitschülern malträtiert wurde. „Das, was mir passiert ist, sollte keiner erleben müssen!“, lautet ihr Fazit. „Rotblaugrün ist keine Farbe, die die Haut haben sollte“.

Valentina Göhler (15) aus Pfungstadt beschreibt in ihrem Beitrag „Eine Freundschaft mit Respekt“ die Unfähigkeit einer Freundin, einer anderen ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Täglich erlebe er ähnliche Szenen, gestand Boris Rhein. Beim Zuhören habe er sich daher „wie in einem Film“ gefühlt. In „Der verwirrte Bauer“ von Malena Röhrig (13) aus Heppenheim schützt eine einfühlsame Praktikantin einen dementen Altenheimbewohner mit einem Trick vor hämischen Jugendlichen. Über das Verhalten des Bauern müsse man zwar schmunzeln, lache aber nicht über ihn, würdigte Boris Rhein die Balance, die der Schülerin bei der Beschreibung des alten Mannes gelungen ist.

In „Verloren und trotzdem gewonnen“ von Lara Wolf (13) aus Bickenbach geht es um sportliches Verhalten. Die Protagonistin will zwar einen Wettlauf unbedingt gewinnen, verzichtet aber auf ihren sicheren Sieg, um ihre taumelnde Rivalin vor einem gefährlichen Sturz zu bewahren. Nele Neuhaus hob ihre „gelungene Figurenzeichnung“ hervor.

Für die Schülerinnen gab es Urkunden, Buchgeschenke und die Einladung zu einer zweitägigen Schreibwerkstatt mit Nele Neuhaus. Patrick Körber, Leitender Redakteur des Darmstädter Echo für Darmstadt und Südhessen, moderierte die Veranstaltung und lockerte sie mit Interviews zum Thema Respekt auf. Dabei entlockte er Minister Rhein das Geständnis, nicht immer respektvoll mit anderen Politikern umgegangen zu sein. Und Nele Neuhaus gab zu, dass sie Respekt zumindest beim Schreiben ausklammere: „Sonst wird’s kein Krimi“.

(c) Darmstädter Echo 10.02.18