Schultheater „CARGO“ setzt in Heppenheim Geschichten von Roald Dahl in Szene

Schultheater „CARGO“ setzt in Heppenheim Geschichten von Roald Dahl in Szene

Es ist ähnlich wie mit diesem bekannten Schokoriegel: LiZi heißt jetzt „CARGO“. Sonst ist vieles gleich geblieben: Es ist das Schultheater des Starkenburg-Gymnasiums. Die Qualität der Inszenierung war wie immer hervorragend, originell und überraschend und die Zuschauer zeigten sich begeistert. „Feuer – Haut – Geschmack“ waren die drei kurzen Stücke aus der Feder von Roald Dahl überschrieben. Inszeniert und Regie geführt haben Yannik Gorka und Charlotte Carl. Als persönliche Note hat Gorka Videoprojektionen mit einfließen lassen.

Carl und Gorka sind in eine gute Schule gegangen, was das Schultheater anbelangt: Sie haben einst als Schüler unter Erich Henrich bei LiZi mitgewirkt, ganz offensichtlich alles aufgesogen, was er ihnen im Laufe der Jahre beigebracht hat. Gemeinsam haben die beiden beschlossen, dass es nach der Pensionierung Henrichs weitergeht mit dem Schultheater.

„Haut“ ist das erste Stück überschrieben, bei dem die Zuschauer ein wenig das Gruseln lernen. Die Malerin Chaya Soutine, überzeugend dargestellt von Carlotta Riedelsheimer, steht vor ihrem Bild. Sie hat einen Bewunderer, den Tätowierer Drioli und ist verliebt in dessen Frau Josie. Als der Wein in Strömen fließt, kommt Drioli auf eine Idee: Er möchte sich ein Porträt seiner Frau von Soutine auf seinem Rücken tätowieren lassen. Soweit, so gut. Doch dann wird es makaber.

30 Jahre später erblickt Drioli, den Abiturient Dominik Serdani mitreißend skizziert, in einer Galerie ein Gemälde von Soutine, der mittlerweile bekannt geworden ist, während der alte Tätowierer eher schlecht als recht über die Runden kommt. Er zeigt den „echten Soutine“, den er auf dem Rücken trägt – und wird Ziel der Begierde zweier Kunstsammlerinnen. Die eine bietet gegen ein schönes Sümmchen an, das Kunstwerk samt Haut zu entfernen und neue Haut verpflanzen zu lassen. Die andere, angeblich Besitzerin eines Hotels an der Côte d’Azur, warnt, dass er das nicht überleben würde, und bietet ihm stattdessen ein Luxusleben in Frankreich. Einzige Aufgabe Driolis soll es sein, mit freiem Oberkörper am Strand zu flanieren, damit jeder das Kunstwerk sieht. Die Schauspieler gehen ab.

Und die nächste Einstellung, die man sieht, ist ein Stück Haut, auf einer Leinwand. Aufgespannt. Der Rest ist Schweigen. Und Gänsehaut. Begeisternd, wie die jungen Schauspieler diese besondere Atmosphäre rüberbringen, bravourös besonders der Auftritt von Serdani, der die Rolle sogar in der Pause im Foyer und vor der Aula weiterspielt, nein: weiterverkörpert.

In „Feuer“ geht es um eine makabre Wette. Regisseur Yannik Gorka hat kurzerhand Billy Wilders Stummfilm-Diva Norma Desmond in die dahlsche Kurzgeschichte eingebaut. In die Rolle des Vamps, der auch Jahrzehnte nach seinen Erfolgen noch immer in der Vergangenheit lebt, schlüpfte Katharina Vieth. Sexy, überheblich, raffiniert. Und ein wenig gestört. Der Bartender – ganz cool Zehntklässler Noah Bangert – wird Zeuge der Wette, in der ein Cadillac gegen einen kleinen Finger eingesetzt wird. Schon wieder ist es am Publikum, sich zu grausen und gleichzeitig zu amüsieren. Zum Gück kommt rechtzeitig Joe Gillis (Manuel Schütz) hereingestürzt und verhindert ein Gemetzel mit dem schon bereit liegenden Hackebeilchen.

In der letzten Geschichte – „Geschmack“ – geht es um das Erkennen von Wein. Hier hat einmal mehr Dominik Serdani einen großen Auftritt. Ihm ebenbürtig, die resolute und energische Gastgeberin verkörpernd, ist Tamara Schön. Umwerfend, wie sie agiert. Und überhaupt entdeckt man viele Talente bei den Vorstellungen. Jeder gibt alles. Alles endet in einer furiosen Verfolgungsjagd die Bühne hinab, quer durch den Zuschauerraum. Voller Einsatz. Samt unfreiwilligem Sturz bei der Premiere. The Show must go on. Und wie sie weiterging. Vier Abende beste, temporeiche und pointendurchsetzte Unterhaltung, bei der man immer wieder mal vergaß, dass man „nur“ in einer Schultheater-Vorstellung saß. Die Zukunft des Schultheaters am Stabugy scheint gesichert.

(c) Starkenburger Echo