Bergsträßer Schulen werden wachsen

Bergsträßer Schulen werden wachsen

Ein Schul-Neubau und etliche Vergrößerungen bestehender Schulen – dies ist nach Ansicht der Kreisverwaltung angesichts starken Zuzugs und hoher Geburtenraten fällig. Weil der bis 2021 geltende Schulentwicklungsplan (SEP) des Schulträgers Kreis im Großen und Ganzen auf der Vorhersage einer entgegengesetzten Entwicklung fußt, wird er kurzerhand ersetzt. Ende 2019 soll der Kreistag vorzeitig einen neuen SEP verabschieden, der die Planungsjahre 2020 bis 2025 umfasst.

Vorher soll es Bürgerforen zur Diskussion des Bedarfs geben und einen intensiven Austausch mit den Kommunen der Schulstandorte.
Sechs Parallelklassen für das Starkenburg-Gymnasium
Letzteres ist wesentlich für den Landrat, der „mehr will als einen Schulentwicklungsplan“. Im Gegensatz zu früher sollen nicht nur pädagogische Konzepte sowie Bedarfe bei Betreuung und Inklusion vor dem Schul(neu)bau eingeplant werden. Die Prognosen zu Schülerzahlen werden auch an der Entwicklung der Städte und Gemeinden ausgerichtet, speziell was Neubaugebiete betrifft. „Wir schauen genau hin, was baulich in den Kommunen geplant ist“, sagt Claudia Blume, Leiterin der Stabsstelle beim Bergsträßer Eigenbetrieb Schule und Gebäudewirtschaft.
In Lorsch zum Beispiel war das starke Wachstum der Einwohnerzahl im alten SEP nicht vorhergesehen, im Gegenteil. Weil aber die Wingertsbergschule schon jetzt ihre Kapazitätsgrenze überschritten hat und Schüler in Containern unterrichtet werden, soll es eine zweite Grundschule im Lorscher Süden geben. „Wir kratzen an der Wingertsbergschule an der Siebenzügigkeit“, erklärt Blume. Mit einer neuen Schule neben der Siemens-Halle – Landrat Engelhardt spricht von einer „eigenständigen Schule – könnte die alte Schule auf vier Züge reduziert und auf die Container verzichtet werden.
Zu den unverhofft wachsenden Schulgemeinden zählt auch die des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums. Mit Blick auf Neubaugebiete in der Nähe soll die Schule nicht wie im alten SEP als vier- bis fünfzügig, sondern sechszügig aufgeführt werden. Auf Sechszügigkeit (also sechs Klassen je Jahrgangsstufe) läuft es auch bei den Bensheimer Gymnasien AKG (statt 4) und Goethe (geplant 5) hinaus. Engelhardt hatte kürzlich für eine Überraschung gesorgt mit der Ankündigung, den alten naturwissenschaftlichen Trakt des AKG doch nicht abzureißen.
So wie am AKG damit eine versprochene Parklandschaft bebaut bleibt, wird im Lorscher Süden eine Grünfläche versiegelt werden. „Das ist der notwendige Preis“, sagt Engelhardt. Es sei ja positiv, dass selbst im Odenwald, in Groß-Rohrheim oder Biblis – dort wird die Grundschule dreizügig – Stagnation oder gar Rückgang vorbei seien.
Dass die baulichen Voraussetzungen für die Beschulung einer größeren Kinderzahl viel Geld kostet, ist für den Landrat kein Problem. Auf 600 Millionen Euro hat er kürzlich die Kosten für die Sanierung der noch nicht erneuerten unter den 74 Bergsträßer Schulen beziffert. Das wird nicht reichen. Erste Mittel, nämlich für Planung, werden sich schon im Entwurf des Kreishaushalts für 2019 finden. Als Gegenleistung gibt es „Planung mit Weitblick“ (Engelhardt), konkret einen neuen Schulentwicklungsplan, denn: „Der alte liegt mit seinen Zahlen daneben.“
Von Christian Knatz
(c) Bürstädter Zeitung 08.09.18