Starkenburg-Gymnasium thematisiert Rechtsextremismus

Starkenburg-Gymnasium thematisiert Rechtsextremismus

Für die Oberstufenschüler des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums, die angehenden Abiturienten ausgenommen, war die Veranstaltung am Donnerstagabend ein schulischer Pflichttermin. Keine leichten Voraussetzungen für eine Referentin, wenn sie weiß, die Jugendlichen „müssen“ zuhören. Doch die mehrfach ausgezeichnete freie Journalistin Andrea Röpke schaffte es recht schnell, mit ihrem Vortrag über die moderne sich entwickelnde rechte Szene das Publikum aufmerksam werden zu lassen.

Mit zahlreichen auch bebilderten Beispielen stellte sie die Entwicklungen unter anderem im ländlichen Raum vor, wo sich extreme Rechte eine eigene Welt geschaffen haben. Eingeladen hatten die Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Kreis Bergstraße und die Regionalstelle Süd des Demokratiezentrums Hessen.
Rechtsextremismus ist Röpkes Fachgebiet. Sie stellte unter anderem die „Identitäre Bewegung“ vor, die ein eigenes Vokabular generiert habe. Man spreche in diesem Kreisen von Ethnien, die sich nicht vermischen dürften, man propagiere nicht den Volkstod, sondern umschreibe es als „großen Austausch der Bevölkerung“. „Wenn ihr den Begriff Völkergemeinschaft hört, müssen all eure Alarmlichter angehen“, wandte sie sich an ihre Zuhörer. „Das schließt alle aus, die nicht ins Bild passen – Menschen anderer Hautfarbe, mit anderer Religion, Homosexuelle und Behinderte.“ Dass alle Menschen gleich sind, wie es in Artikel 1 des Grundgesetzes steht, das gelte für Leute mit diesem Gedankengut nicht.
Röpke referierte über Rechte, die ganze Dörfer übernommen haben. Ob Gutshöfe in Niedersachsen, Rittergüter oder Landschlösser in Sachsen-Anhalt, bewirtschaftete Bauernhöfe in Sachsen, Kinderlager in Ost-Westfalen – die Reihe der Beispiele war lang. Ganz bewusst siedelten sich dort extreme Rechte an, um mit ansässigen, sich als völkisch bezeichnenden Großfamilien das zu betreiben, was Röpke „nationale Graswurzelarbeit“ nennt. Kinder werden dort in eine Gesellschaft mit veralteten Geschlechterbildern hineingeboren, es herrschen autoritäre Erziehungsmuster und der Leistungsgedanke sei immens wichtig. Es gebe regelrechte Konzepte für solche Dörfer.
Die Referentin erzählte von „Nationalen Kinderfesten“, auf denen völkisches Brauchtum gelebt und nationalsozialistische Lieder gesungen würden. Es gebe Zeltlager im Winter, in denen Acht- bis Neunjährige abgehärtet würden. Mittlerweile betrieben diese Menschen eigene Kindergärten, unterwandern Waldorf-Schulen. Im Sommerlager geht es nach Ostpreußen, Schlesien oder Südtirol. Die Kinder werden von Geburt an indoktriniert. Aussteiger gibt es kaum. Röpke berichtete von der inzwischen verbotenen Wiking-Jugend und ihren Nachfolgeinstitutionen. Nicht wenige der Zuhörer zeigten sich erschrocken über die Schilderungen aus dieser rechten Parallelwelt.
So „gruselig“ (Röpke) das Geschilderte auch war: „Angst muss man nicht davor haben“, beruhigte die Journalistin. „Aber man muss sich damit auseinandersetzen.“ In der NPD und der AfD finde man immer wieder Menschen, auch in gehobenen Positionen, die ein solches Gedankengut teilen und leben. „Wir brauchen Aufklärung und müssen uns massiv für unsere eigentlichen demokratischen Werte einsetzen und uns nicht vor den Karren rechter Politiker spannen lassen.“
Zu Beginn der Veranstaltung hatten sieben Schülerinnen der 9 b von Politik-und-Wirtschaft-Lehrer Paul Fuchs den Begriff Rechtsextremismus anschaulich erklärt. Auch aus dem Publikum wurden Fragen gestellt, etwa, ob Röpke aufgrund ihrer Recherchen auch schon rechte Gewalt habe erfahren müssen. Sie bejahte diese Frage: „Ich bin angegangen und niedergeschlagen worden.“ Bedrohungen erfährt sie immer wieder, auch mit Anzeigen – „wegen jedem Mist“ – musste sie sich auseinandersetzen. Bei der AfD, der NPD und rechten Gruppierungen ist sie alles andere als gern gesehen.