Abschied von drei starken Frauen des Starkenburg-Gymnasiums

Abschied von drei starken Frauen des Starkenburg-Gymnasiums

Am letzten Schultag vor den Sommerferien wurden mit Christel Pullmann-Berndt, Elke Schweppenheiser-Nohl und Gabriele Vogel drei verdiente Kolleginnen des Starkenburg-Gymnasiums in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Bettina Reinhardt, stellvertretende Schulleiterin, begrüßte in Vertretung für den erkrankten Schulleiter Herwig Bendl die ca. 130 geladenen Gäste, unter ihnen auch alle während ihrer langen Dienstzeit am SGH tätigen Schulleiter. Mit der ersten Strophe des berühmtem Gedichts „Stufen“ von Herrmann Hesse erinnerte sie an den bevorstehenden „Abschied und Neubeginn“, der auch Raum für die Erfüllung langgehegter Wünsche schaffe  und „neue Bindungen“ ermögliche. Sie überreichte den scheidenden Kolleginnen ihre Urkunden zur Versetzung in den Ruhestand.

Katja Eicke, langjährige Fachbereichsleiterin des sprachlich-musisch-künstlerischen Bereichs, führte durch ein umfangreiches und kurzweiliges Programm und würdigte die  Verdienste ihrer Kolleginnen im Einzelnen. Zuvor verabschiedete Christiane Wüstner, Leiterin des gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichs, Gesine Siebold, die nach 14 Jahren am Starkenburg-Gymnasium und intensiver Mitarbeit in den Aktivitäten der Fachschaft Politik/Wirtschaft, zu neuen Ufern aufbricht, um selbst als Fachbereichsleiterin an einer anderen Schule tätig zu werden.

In ihrer Laudatio für Christel Pullmann-Berndt, die bereits 1979 als Studienrerefendarin ans Starkenburg-Gymnasium gekommen war,  hob Katja Eicke neben ihren vielfältigen Interessen und Kompetenzen ihren unermüdlichen Einsatz für die Ausbildung der Referendare hervor, die sie seit 1993 betreute. Aus dem derzeitigen Kollegium seien 23 Kollegen von ihr ausgebildet worden, also ein Drittel der gesamten Belegschaft. Damit sei klar, warum an dieser Schule ein so qualitätsvoller Unterricht stattfinde und das SGH auch gerne als Ausbildungsschule verstanden werde. Ihre Arbeitsweise sei stets geprägt von Zugewandtheit, Klugheit, einem feinen Gespür für menschliche Zwischentöne, einer gehobenen Sprache gewürzt mit Witz und Humor zur richtigen Zeit, vorsichtigen, aber klaren Ansagen und einem „gigantischen Maß“ an fachlicher Expertise, die sie den Referendaren am Starkenburg habe zukommen lassen. Sowohl der kollegiale Austausch als auch der persönliche Kontakt sei stets ein großer Gewinn für sie selbst gewesen, den sie sehr vermissen werde, stellte Eicke abschließend fest.

In ihrer Rede für Elke Schweppenheiser-Nohl, die seit 1981 zum Kollegium gehört, dankte Katja Eicke für ihre Verdienste um den Aufbau des bilingualen PoWi-Unterrichts, der seit vielen Jahren ein festes und vor allem bei leistungsstarken Schülern sehr beliebtes Unterrichtsangebot der Schule ist.  Daneben zeichne sie sich vor allem durch ihren Blick auf die Schwachen in der Gesellschaft aus, was an ihren vielfältigen Engagements auch über den Unterricht hinaus deutlich werde, wie z.B. im Bereich der Suchtprävention, in ihrem Arbeitskreis Schule und Psychiatrie, zahlreichen Besuchen anderer Institutionen wie Jugendamt, Caritas, bei Landtagsabgeordneten und im EU-Parlament und ihrem Einsatz für die Menschenrechte. Doch sei trotz dieser Ablehnung von Ungerechtigkeiten, die auch vor einer für Beamte unzulässigen Arbeitsniederlegung nicht halt gemacht habe, hervorzuheben, so zitierte Eicke aus einem Schulleitungsgutachten, dass Elke Schweppenheiser-Nohl sich bis zum Ende ihrer Dienstzeit „durch ihre ausgewogene und um Ausgleich bedachte Haltung gegenüber den Turbulenzen des schulischen Alltagsgeschehens großer Akzeptanz erfreut und sehr konstruktiv die schulische Entwicklung begleitet und auch mitgestaltet“ habe. Eicke schloss mit ihrem Dank für viele persönliche Begegnungen und Gespräche sowie den besten Wünschen für den Ruhestand.

Last but noch least wurde auch Gabriele Vogel ausführlich gewürdigt, die ebenfalls seit den frühen 80ger Jahren zum „Urgestein“ des Starkenburg-Gymnasiums gehört. Nachdem Christiane Wüstner in einem launigen Gedicht frei nach Wilhelm Busch den Lebensweg von Gabriele Vogel nachgezeichnet hatte, erlaubte Katja Eicke einige Einblicke in die umfangreiche Personalakte und Vogels zahlreiche Verdienste für die Entwicklung der Schule. Ein Schwerpunkt sei dabei der Aufbau eines Unterrichtsangebotes für das Fach Russisch gewesen, das bis heute ein Alleinstellungsmerkmal des Starkenburg-Gymnasiums darstelle. Ihre Fachexpertise werde nicht nur in den zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen deutlich, sondern zeige sich auch darin, dass sie 2006 in die Fachkommission für das Landesabitur Russisch berufen worden sei, in der sie bis vor wenigen Tagen mitgearbeitet habe. Neben ihrer Beförderung zur Studienleiterin sei sie im Schuljahr 2006/07 parallel auch noch an das Schulamt abgeordnet gewesen. Neben der bewundernswert perfekten Organisation von Landesabitur und mündlichen Prüfungen, der hingebungsvollen und durchdachten Beratung aller Oberstufenschüler sei sie außerdem selbst eine hervorragende Philologin, ein zuverlässiges, konstantes, ruhiges und hochqualifiziertes Schulleitungsmitglied und dank ihrer Ruhe und Besonnenheit eine Bereicherung für jedes Team, deren klare Positionierung zu allen relevanten Themen Gewicht habe. An oberster Stelle habe für sie immer das Wohl ihrer Schützlinge gestanden, was ihr zu Recht den Ruf als „Mutter der Oberstufe“ eingebracht habe. Dass ihr der Abschied nach 40 Dienstjahren schwerfalle, sei verständlich, doch habe sie diesen in der ihr eigenen Art sorgfältig vorbereitet und alles für die Zeit bis zur Neubesetzung ihrer Stelle bedacht. Nicht nur für die Schulleitung, sondern auch im Namen des Kollegiums, der Schüler und Eltern dankte Eicke herzlich für ihre hervorragende Arbeit, ihr Engagement, ihre Zugewandtheit, Menschlichkeit, Humor sowie für ihre Zuverlässigkeit und Loyalität.

In Ergänzung zu den Wortbeiträgen der Schulleitung bedankten sich die Fachschaften und der Personalrat bei den künftigen Pensionärinnen mit originellen Wort-, Foto- und Filmbeiträgen, ein ehemaliger Kollege hieß sie mit einem musikalischen Beitrag herzlich „Willkommen im Club“, und der Lehrerchor stellte das „Surfen auf dem Baggersee“ als künftige Alternative zu Unterrichtsvorbereitungen und Klausurkorrekturen in Aussicht.

Zum Abschluss der Veranstaltung nahmen die „drei großen Damen“ noch einmal auf der Bühne auf von Schülern im Kunstunterricht gestalteten Sesseln Platz, um ihre persönliche Rückschau auf ein erfülltes Dienstleben zu halten und ihren Dank für das Erlebte zum Ausdruck zu bringen. Es wurde deutlich, dass der Fokus in den 80ern darauf lag, pädagogisch etwas zu erreichen, pädagogisch Althergebrachtes zu ändern. Es habe damals Konflikte wegen so „revolutionärer“ Ideen wie der Durchführung einer Projektwoche oder eines Projekttages gegeben, zeitraubende Kampfabstimmungen in Gesamtkonferenzen mit ausgewiesenen Wortführern und viel Erregung über Dinge, die heutzutage selbstverständlich sind. In den langen Jahren ihrer Tätigkeit am Starkenburg-Gymnasium hätten sie Höhen und Tiefen der Schule miterlebt, mit Herrn Köhler, Frau Ganter und Herrn Zotz unterschiedliche Führungsstile kennengelernt, viele Kolleginnen und Kollegen kommen und gehen und wunderbare Schülerinnen und Schüler sich entwickeln sehen. Trotz aller Wehmut des Abschieds freuten sich alle auch auf das Kommende, das in dem Gedicht Bertolt Brechts als allerlei künftige „Vergnügungen“ umrissen sei. Passend dazu wählten sie den Beatles-Song „Hello, Goodbye“ als ihren persönlichen Abschied, mit dem die mehrstündige Veranstaltung trotz der Hitze in bester Stimmung endete.