Mit Mut gegen Missstände

Mit Mut gegen Missstände

Vor allem das Thema Klimawandel ist es, das derzeit hoch im Kurs steht bei Deutschlands Schülern. Und es sind nicht wenige, die lieber zur Freitagsdemo als in den Unterricht marschieren. Aber welche Rolle spielen die Menschenrechte, zu denen letztendlich auch das Recht auf ein Leben in gesunder Umgebung gehört?

Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 haben sich in ihrem bilingualen (deutsch-englischen) Politik-Wirtschafts-Kurs, angeleitet durch ihren Lehrer Paul Fuchs, mit dem Thema beschäftigt und waren jetzt dabei, als eine von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) gestaltete Ausstellung im Starkenburg-Gymnasium eröffnet wurde.

Vor 71 Jahren, am 10. Dezember 1948, verabschiedeten die Vereinten Nationen die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ – 30 Artikel, die das Bild einer Welt skizzieren, in der alle frei und friedlich miteinander leben können. Christiane Wüstner, Mitglied der Schulleitung, erinnerte die Gymnasiasten zum Auftakt der Ausstellung daran, dass „es schön ist, dass wir nicht mehr für unser Recht und unsere Freiheit kämpfen müssen“, dass es aber „viele Opfer in Eurem Alter gibt“, die weltweit unter Unfreiheit und Rechtlosigkeit zu leiden hätten.

Der Einsatz gegen derlei Missstände erfordert Mut und ist nicht immer von Erfolg gekrönt, ist in der Ausstellung zu sehen. Jürgen Schönherr von der AI-Gruppe Bergstraße zeigte sich mit Blick auf die „Friday for Future“-Demonstrationen erfreut darüber, dass die Jugend sich inzwischen gegen Fehlentwicklungen wie beim Klimawandel auflehnt. Schönherr sagte, er hoffe, dass sich möglichst viele Schüler am „Briefmarathon“ beteiligen, der mit der Ausstellung einhergeht: Die Kinder und Jugendlichen am Gymnasium, aber natürlich auch Lehrer und Besucher der Ausstellung haben die Möglichkeit, sich per Brief (der persönlich abgeschickt oder AI zur Weitersendung überantwortet werden kann) für einzelne Menschenrechtler in vielen Staaten dieser Welt einzusetzen. Eine alljährliche Aktion von AI, immer im Dezember, die parallel auch im Internet unterstützt werden kann.

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Dezember in der Eingangshalle zu sehen und während der Schulzeiten für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie blickt auf einzelne Menschenrechte – wie beispielsweise Artikel 26, in dem es um das Recht auf Bildung geht, auf Artikel 14, das Recht auf Asyl, oder auf Artikel 19, der Meinungs- und Informationsfreiheit garantiert. Sie zeigt Ereignisse und Persönlichkeiten, die exemplarisch für die Entwicklungen in den vergangenen 70 Jahren stehen und wirft Schlaglichter auf Ereignisse in der sieben Jahrzehnte währenden Geschichte der Menschenrechtserklärung.

Auf einem der Bilder ist die schwarze Frau Rosa Parks zu sehen, die sich 1955 in den USA weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen zu räumen.

Ein anderes zeigt die Protestierenden in China, die 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking Demokratie und Meinungsfreiheit forderten, aber auch Sahin Alpay und Mehmet Altan, zwei türkische Journalisten, die sich 2018 erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen ihre Inhaftierung wehrten.

Sie alle beriefen sich zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten auf die gleichen Grundsätze. jr

 

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 12.12.2019