Wenn die Sprache zum Gift wird

Wenn die Sprache zum Gift wird

Das Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium hat deshalb jetzt eine Ausstellung eröffnet, die die Sprache der Täter unter die Lupe nimmt, die erklärt, was sich damals entwickelt hat und was Sprache damit zu tun hat. „Worte wie Gift und Drogen. Was Sprache anrichten kann – von damals bis heute“, lautet der Titel der Ausstellung, die die ökumenische Arbeitsgruppe „Gedenktag 27. Januar“ initiiert hat.

„Genosse“ oder „Volksfeind“

Schülern der Jahrgangsstufe zehn, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht auseinandersetzen, stellte Fachbereichsleiterin Christiane Wüstner jetzt die Schautafeln vor, die in der Eingangshalle der Schule aufgebaut wurden. Sehr textlastig zwar, was in der Natur der Sache liegt, aber auch ungemein informativ.

Begriffe wie „Rassenhygiene“, „Mutterkreuz“ oder „Umvolkung“ werden unter die Lupe genommen – neue Wortschöpfungen, die nach und nach in den Wortschatz der Menschen übergingen. Wer nicht zu den „Volksgenossen“ gehörte, wurde zum „Volksfeind“, zum „Schädling“, „Parasit“ oder „Krebsgeschwür“. Die Ausstellung untersucht „vergiftete Sprache“ vor und nach der Nazi-Diktatur. Wie sah das NS-Vokabular aus, wie wurde es in den Bereichen Recht und Medizin eingesetzt?

Bei ihrer Präsentation wies Christiane Wüstner auf die zunehmende Radikalisierung hin, die zunächst in der Sprache zum Vorschein komme, bevor sie in das Denken und Fühlen der Menschen übergehe. Zur Zeit des Nationalsozialismus endete dies in der Tötung von Millionen Menschen. Die Verrohung der Sprache heute, etwa in den sozialen Netzwerken und im politischen Diskurs, mache auch vor den Schultoren nicht halt. „Ihr kennt sicher alle Beispiele latenter Aggressivität“, so die Pädagogin. „Insbesondere Rechtspopulisten und Rechtsextreme tragen zu dieser Entwicklung bei: Sie säen Zwietracht und Gewalt, die die Gemeinschaft spaltet.“

Auch die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten ließ Wüstner nicht unerwähnt. Jedoch geschieht nicht immer alles „woanders“, sondern auch mitten in Heppenheim, wo im ehemaligen Kaufhaus der jüdischen Familie Mainzer Aufkleber mit der Aufschrift „Jud bleibt Jud“ gefunden wurden. „Ein deutlicher Hinweis darauf, dass Rechtsextremismus auch bei uns eine ernstzunehmende Gefahr ist“, sagte Wüstner am Starkenburg-Gymnasium.

Wichtig sei, sich nicht „wehr- und sprachlos“ machen zu lassen: „Wir können sprechend und handelnd eingreifen, dem Rad in die Speichen greifen.“ Die Lehrer des Starkenburg-Gymnasiums wollten, dass die Schüler und sie selbst in einer weltoffenen Gesellschaft voller Respekt und Wertschätzung leben, in der die Menschen Offenheit erleben und auch geben. Nicht umsonst sei man Teil des Netzwerks „Schule ohne Rassismus“. rid