Auch digitaler Ruhm ist vergänglich

Auch digitaler Ruhm ist vergänglich

„Wer hat ein Smartphone?“ Als Andrea Helm von der Sparkassenstiftung in der Aula des Starkenburg-Gymnasiums den Schülern diese Frage stellt, schießen alle Finger in die Höhe. Viel Gutes könnte man mit dieser Art des Mobiltelefons anstellen, so Helm, aber leider auch viel „Komisches“.
„#werbinich? Ohne Smartphone? Ohne Likes? Ohne Social Media?“ lautet der Titel des Stückes, das das Präventionstheater „Comic on!“ auf die Bühne brachte. „Coole Freistunde“, witzelte ein Mädchen der siebten Klasse kurz vor dem Beginn des Stückes. Doch es dauerte nicht lang, da merkte man, wie sehr das Geschehen auf der Bühne sie ansprach. Die Protagonisten stellten Szenen dar von Influencern in den sozialen Medien, von einschlägigen YouTube-Videos, von Spielern. Schminktipps gibt‘s von jungen Mädchen, Eiweißdrink-Tipps von sportlichen Jungs.
Auch Lara und Marie sind so zwei Teenager, die auf der Plattform Instagram ihr eigenes Ding machen. Immer zusammen, immer zu zweit. Die Sprache im Stück ist jugendgerecht. Es ist von „Likes“ die Rede, je mehr, desto „nicer, denn dann hat man endlich „fame“, also Ruhm. Das macht den Zuschauern Spaß, lässt sie mitfiebern. Ben dagegen ist ein Außenseiter, ein Freak: Er ist nicht bei Instagram, nicht bei Snapchat. Anfangs hat er nicht einmal Whatsapp. Noch dazu ist er ein Streber. Und ausgerechnet mit diesem „Nerd“ müssen die hippen Mädels ein Referat über die Geschwister Scholl anfertigen.
Welten stoßen aufeinander: Ben, der tatsächlich in Büchern nach Informationen sucht. Marie und Lara, die kurz mal auf Wiki gucken und feststellen, dass ihnen Hitler längst zu den Ohren rauskommt. Geschi, Englisch, Reli, Deutsch, immer nur Hitler. Ätzend. Doch Ben findet das gut, weil es ja wieder aktuell ist mit den Nazis. Man müsse sich wehren, Widerstand leisten wie die Weiße Rose.
Man merkt: Marie ist anders als Lara. Sie denkt darüber nach, was Ben gesagt hat. Er imponiert ihr sogar. Lara hat ein nicht so schönes Zuhause, umso wichtiger ist da die Freundin, mit der man alles teilt. Die Gedanken, die Sorgen – und die Postings. Doch Marie entgleitet ihr. Sie ist nicht mehr das oberflächliche Mädchen, das nur auf der Jagd nach Likes ist. Lara hingegen fühlt sich verraten. Denn mit den Likes und Followern im Netz steigt ihr Selbstwertgefühl. Während Marie langsam versteht, worauf es ankommt im Leben, fühlt sich Lara wertlos, versucht die enger werdende Bindung zwischen Marie und Ben zu sabotieren. Lara startet eine Verleumdungskampagne gegen Ben, die sich verselbstständigt, bis etwas Schlimmes passiert. Das Ende bleibt offen. Die jungen Zuschauer sind betroffen. Das Internet: Fluch oder Segen? Gut, dass es im Anschluss Gelegenheit gibt, sich auszutauschen.
(c) Bürstädter Zeitung 05.02.2020