Gymnasien in Heppenheim und Bensheim sollen wachsen

Gymnasien in Heppenheim und Bensheim sollen wachsen

Drei Gymnasien in Bensheim und Heppenheim sollen erweitert werden, damit dort mehr Schüler lernen können. Eine neue weiterführende Schule in Lorsch und einen Ausbau der Erich-Kästner-Schule um eine Oberstufe wird es hingegen nicht geben. Das hat der Bergsträßer Kreistag in seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Um den steigenden Schülerzahlen zu begegnen, muss der Kreis als Schulträger den Schulentwicklungsplan anpassen, weil der Platz in den Bildungseinrichtungen mittelfristig nicht mehr ausreichen wird. Auf mehreren Regionalkonferenzen sind deshalb in den vergangenen Monaten verschiedene Lösungsvorschläge diskutiert worden, darunter auch der eines Neubaus in Lorsch.

Nun geht der Kreis aber einen anderen Weg. Am Alten Kurfürstlichen Gymnasium (AKG) in Bensheim gibt es derzeit vier bis sechs Klassenzüge. Künftig sollen es durchgehend sechs sein. Das Goethe-Gymnasium hat derzeit in einigen Stufen fünf, in anderen bereits sechs Klassen. Ab dem Schuljahr 2024/2025, so der Plan, sollen es durchgehend sechs und in den Folgejahren sogar sieben Klassen pro Jahrgang sein. Am Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim soll es ebenfalls sechszügige Klassenstufen geben.

Es fehlt an Sportflächen

Die Kreisverwaltung begründet ihre Vorliebe für den Ausbau anstatt des Neubaus unter anderem damit, dass so keine Schülerlenkung nach Lorsch erfolgen muss. Der Ausbau der bestehenden Einrichtungen bringe höhere Schülerzahlen an den einzelnen Gymnasien mit sich und sichere daher ein breitgefächertes Lehrangebot. Dies alles soll bis zum Schuljahr 2028/2029 erreicht sein.

Ein Nachteil sei, dass mit dem Ausbau auch der Bedarf an Sportflächen steigt. Ein Fragezeichen steht auch noch hinter dem Goethe-Gymnasium. Während AKG und Starkenburg-Gymnasium noch genügend Platz für Erweiterungen bieten, ist er beim Goethe-Gymnasium begrenzt. Für einen Klassenzug könnte noch der ehemalige Lehrbauhof Platz bieten. Wo aber die Schüler des siebten Klassenzugs die Schulbank drücken sollen, muss noch geklärt werden.

Diese Unklarheit war einer von mehreren Kritikpunkten an dem Beschluss. Für die Freidemokraten monierte etwa Zwingenbergs Bürgermeister Holger Habich, dass in der Beschlussvorlage keinerlei Angaben darüber auftauchten, was die Variante „Neubau“ und was die Variante „Erweiterung der bestehenden Standorte“ kosten würde.

Grüne warnen vor Verkehrsinfarkt

Myriam Lindner von den Freien Wählern beantragte erfolglos, die Entscheidung über den Ausbau der Kapazitäten zu vertagen, bis der Kreistag am 27. April über den Schulentwicklungsplan in seiner Gesamtheit berät – bis dahin hätte auch der Kreisschülerrat die Gelegenheit, über die Pläne zu beraten. Er hat sich bisher für einen Neubau in Lorsch ausgesprochen. Nach Angaben von Landrat Christian Engelhardt (CDU) hat der Vorstand zwar seine Meinung mittlerweile geändert und stimmt den Plänen der Kreisspitze zu. Die Abstimmung darüber in der Schülervertretung steht aber noch aus. Ein Kreistagsbeschluss sei dennoch bereits jetzt nötig, betonte der Chef der Kreisverwaltung.

Harsche Kritik am Nein zum Lorscher Gymnasium übten auch die Grünen. „Lorsch wächst“ betonte Doris Sterzelmeier für die Fraktion. Die Umweltpartei vermisst außerdem, dass im Beschlussvorschlag keine Auswirkungen auf den Klimawandel berücksichtigt seien: „Wenn die Schüler in Lorsch bleiben können, müssen sie nicht ins weiter entfernte Bensheim fahren, und das spart CO2“, führte die Grüne vor Augen. Bereits jetzt drohe in den Bereichen um das AKG und das Goethe-Gymnasium wegen vieler „Eltern-Taxis“ ein Verkehrsinfarkt. Dies werde mit den vorliegenden Plänen noch schlimmer.

Lisa Galvagno (CDU) hielt dagegen, entscheidend sei für Eltern nicht die Länge des Weges zur Schule, sondern was dort angeboten wird. Zudem zeigte sie sich zuversichtlich, dass ein neuer Nahverkehrsplan im Kreis auch die Probleme bei der Anfahrt lösen wird. Rolf Kahnt (AfD) bezeichnete den Vorschlag der Kreisspitze ebenfalls als die „ökologisch und ökonomisch“ sinnvollste Variante. Letztlich wurde dieser Vorschlag bei zehn Nein-Stimmen und zwölf Enthaltungen angenommen.