Kreis Bergstraße startet mit Distanzunterricht

Kreis Bergstraße startet mit Distanzunterricht

Seit Montag sind die Weihnachtsferien in Hessen vorbei. So läuft der Start der Schulen im Landkreis Bergstraße während des Corona-Lockdowns.

„Mir fehlen meine Schüler“, sagt Katja Eicke, Mitglied der Schulleitung des Starkenburg-Gymnasiums in Heppenheim. Lediglich die Abschlussklassen und zwei Schüler aus der fünften und sechsten Klasse sind in der Woche nach den Weihnachtsferien in die Schule gekommen. Sie können in der Mediothek einen PC der Schule nutzen und von dort aus am Onlineunterricht teilnehmen.

„Ich bewundere die Schüler, wenn sie es noch schaffen, diszipliniert zu arbeiten“, betont Eicke. „Mir ist völlig klar, dass es eine riesige Belastung ist, auch für die Eltern.“ Spontanität und Ungewissheit sind im Schulalltag schon immer präsent, doch Corona und die immer neuen Regelungen für den Unterricht halten die Kollegien besonders auf Trab. Erst in der letzten Ferienwoche wurden die Einrichtungen vom Kultusministerium darüber informiert, wie es nach den Ferien weitergehen wird. Bis zum 31. Januar wird es sogenannten „Distanzunterricht“ geben. Die Abschlussklassen sollen im Präsenzunterricht in den Schulen unterrichtet werden, Schüler bis zur Jahrgangsstufe 6 können im Ausnahmefall eine Betreuung in der Schule nutzen, alle anderen befinden sich im Homeschooling.

Dass dieses Konzept nicht für alle Schulen aufgeht, zeigt sich am Beruflichen Schulzentrum in Bensheim. Rund ein Drittel der knapp 2000 Schüler befinden sich pro Schuljahr in den Abschlussklassen der Karl-Kübel-Schule. Aktuell würde das bedeuten, dass 750 Schüler zum Präsenzunterricht kommen würden. „Das können wir nicht umsetzen“, sagt Schulleiterin Ulrike Rüger. So werden die Schulabgänger im Wechsel zuhause und in der Schule unterrichtet. „Es dauert manchmal ein bisschen, bis alle drin sind“, sagt Rüger, „aber dann funktioniert es besser als noch vor einem halben Jahr.“ Generell habe sich die Situation deutlich aufgehellt. Die Schüler stellen sich auf den Onlineunterricht ein, Arbeitsaufträge funktionieren mittlerweile deutlich besser.

Damit alle Schüler ein funktionierendes Endgerät nutzen können, bekommt die Schule vom Landkreis Bergstraße, Träger der beruflichen Schule, sukzessive Laptops, die an die Schüler verliehen werden.

Auch in der Bürstädter Erich-Kästner-Schule hat sich in den vergangenen Monaten einiges weiterentwickelt. „Wir machen viele Videokonferenzen, geben den Kindern aber auch Gelegenheit, um individuell zu arbeiten“, berichtet Stephanie Dekker. Das sei insbesondere für Familien mit mehreren Kindern und Eltern, die im Homeoffice arbeiten müssen, entlastend, sagt die Schulleiterin.

In der Nachbarstadt Lampertheim nutzen die Lehrer zusätzlich noch die Lernplattform „itslearning“. Dort werden Materialien hochgeladen. Doch Silke Weimar-Ekdur, Schulleiterin des Lessing-Gymnasiums, räumt generelle Schwierigkeiten beim Onlineunterricht ein. „Die technischen Möglichkeiten sind nicht ausreichend, um so viele Kinder gleichzeitig zu verbinden“, sagt sie und fügt hinzu: „Das ist aber im ganzen Land ein Problem.“ Präsenzunterricht gibt es am Lampertheimer Gymnasium derzeit nicht. Durch den Wechsel von G8 zu G9 gibt es einen Nulljahrgang, niemand macht in diesem Schuljahr einen Abschluss am Lessing-Gymnasium.

So lernen nahezu alle Gymnasiasten von zuhause aus. Neun Schüler werden aktuell vor Ort betreut. Über Computer in der Schule können sie wie ihre Klassenkameraden am Distanzunterricht teilnehmen.

Doch nicht nur die Schüler müssen sich immer wieder neu einstellen, auch die Lehrer müssen flexibel bleiben. „Die Unterrichtsmethoden müssen angepasst werden“, erklärt Weimar-Ekdur, „die Kollegen leisten große Arbeit, auch wenn man nicht alles perfekt machen kann“.

Obwohl eine gewisse Routine im Homeschooling angekommen ist, scheint niemand mit der Lösung glücklich zu sein. „Ich halte das aktuell für die richtige Maßnahme“, sagt Katja Eicke vom Starkenburg-Gymnasium. Die Schüler hätten schließlich auch Angst, „aufeinander zu sitzen“. Doch die Stimmung sei gedrückt und alle seien besorgt, wie es weitergeht.

Die Lehrer sollen „ein Ohr an der Klasse haben“, so Eicke. Nicht nur inhaltliche Probleme, sondern auch private, sind über den Onlineunterricht teils schwerer erkennbar. Tritt ein Notfall auf, müssen Lösungen gefunden werden, die Eltern und Kindern helfen. In Lampertheim halten die Lehrkräfte den Kontakt mit den Eltern über Mails. Die Sozialarbeiter der Schulen arbeiten weiter und sind ansprechbar.

Letztlich sind aber auch die Möglichkeiten der Schulen begrenzt. „Alle haben Angst, dass Kinder auf der Strecke bleiben und wir es nicht merken“, sagt Katja Eicke.

(c) Starkenburger-Echo, 15.01.2021