Neue Schulleiterin am Starkenburg-Gymnasium

Neue Schulleiterin am Starkenburg-Gymnasium

Auf diesen Tag hat die Schulgemeinde des Starkenburg-Gymnasiums lange gewartet. Nach einem langen Besetzungs- und Auswahlverfahren wurde StDn Katja Eicke am 24. Februar 2021 mit der Leitung der Schule beauftragt und übernimmt nun offiziell das Amt der Schulleiterin.

Der festliche Rahmen war unter den Hygienevorschriften der Corona-Pandemie ungewöhnlich: Statt der üblichen Feierstunde mit dem gesamten Kollegium wurde die Veranstaltung per Livestream vom Schulhof in die eigens einberufene Online-Dienstversammlung übertragen. Bettina Reinhardt begrüßte die Anwesenden und eröffnete die Veranstaltung mit Worten des Dankes an das Kollegium und das gesamte Schulleitungsteam sowie den Schulelternbeirat für die Unterstützung, die sie erfahren hatte. Fast zwei Jahre oblag es ihr, die Schule stellvertretend zu leiten. Dabei dankte sie auch nicht zuletzt ihrer Familie, für die sie oftmals nicht genügend Zeit und Aufmerksamkeit hatte aufbringen können. Susann Hertz, kommissarische Leiterin des Staatlichen Schulamtes, warf einen Blick zurück in die wechselvolle Historie der zurückliegenden Jahre und zollte Frau Reinhardt, dem gesamten Schulleitungsteam und dem Kollegium Anerkennung und Dank für die vielfach geleisteten Kraftakte, die dazu geführt hatten, das Schiff dennoch auf gutem Kurs zu halten und trotz aller Widrigkeiten nicht an Fahrt zu verlieren. Außer dem guten Ruf der Schule hob sie auch hervor, dass Katja Eicke neben ihren zusätzlich übernommenen Aufgaben in der Schulleitung bereits seit zehn Jahren erfolgreich als Fachbereichsleiterin an der Weiterentwicklung der Schule mitgewirkt hatte. Anschließend überreichte sie Katja Eicke die Beauftragung, mit deren Entgegennahme der Stabwechsel an der Spitze des Starkenburg-Gymnasiums nun offiziell vollzogen ist.

Auch Katja Eicke warf einen Blick zurück auf die vergangenen Jahre und dankte neben der Schulgemeinde in erster Linie Bettina Reinhardt für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit. Doch dann lenkte sie den Fokus auf zukünftige Entwicklungen und das, was sie sich für die Schule erhofft. Sie hob hervor, dass nach ihrer Wahrnehmung auch das Kollegium offen für Neues ist, und verlieh ihrer Freude darüber Ausdruck, diesen Weg auch weiterhin gemeinsam mit der gesamten Schulgemeinde zu gehen. Mit der ihr eigenen Energie und Tatkraft entwarf sie ihre Visionen für die Schule, auf deren Umsetzung man gespannt sein darf.

Im Folgenden finden Sie Auszüge aus der Antrittsrede.

Liebe Anwesende und Abwesende,

es ist ein bisschen wie im Fernsehstudio: Einige Akteure und Akteurinnen stehen im Studio und sind auf Sendung, andere sind aus den Außenstudios zugeschaltet: das Kollegium, die Mitarbeiterinnen aus dem Ganztag, unsere Sozialpädagogin und das Beratungsteam, der Personalrat.

SO war das nicht gedacht!

Ein fast leeres Schulhaus, fast keine Schüler*innen, ein ganzer Jahrgang im Betretungsverbot, die Kolleg*innen virtuell zugeschaltet. Wir haben das Format für diese Feier insgesamt viermal verändert in den letzten sieben Tagen und nun stehen wir hier „draußen vor der Tür“, immerhin bei strahlendem Sonnenschein.

So war das nicht gedacht – aber so ist die Situation und wir machen das Beste daraus. Es wird nachgefeiert, sobald es wieder geht.

Heute übernehme ich die Verantwortung für diese Schule und das ist aufregender als ich dachte und keinesfalls dadurch geschmälert, dass ich schon sehr lange mit der Aufgabe vertraut bin. Ich weiß, worauf ich mich einlasse. Ich glaube, das hilft in unruhigen Zeiten. Es soll auch eine Zäsur für uns alle sein, denn ab heute klären sich die jahrelang sehr verworrenen und herausfordernden Verhältnisse an dieser Schule endlich.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Gruppen und Gremien dieser Schule, ganz besonders natürlich mit der Schülerschaft: Ihr seid mein und unser aller Hauptanliegen!

Liebe Kolleg*innen, am vergangenen Wochenende hatte ich mich gerade hingesetzt, um meine Rede für heute zu schreiben und dabei habe ich mich ernsthaft gefragt: Ist dies der richtige Moment für große Visionen, Philosophien, zukünftige Projekte und schillernde Ansagen?

Das scheint nicht in diese Zeit zu passen. Und trotzdem gibt es einige Dinge, die jetzt wichtiger geworden sind als noch vor einem Jahr, denn die pädagogischen Herausforderungen an jeden einzelnen von uns sind eher gewachsen! Und sie werden in den kommenden Jahren – da bin ich sicher – noch viel weiter wachsen. Ich möchte daher mit dieser Schule fest in der Gegenwart wurzeln, denn unsere Schüler*innen brauchen mehr denn je einen Anker, der ihnen Halt gibt in dieser Zeit. Das war mir vor einem Jahr noch nicht so klar.

Anstelle einer großen Vision möchte ich eine Erinnerung mit Ihnen teilen: Als Studentin im erziehungswissenschaftlichen Seminar an der Uni Bremen hatte einer unserer Professoren mal die hervorragende Idee, uns die Aufgabe zu stellen, unsere Traumschule zu malen. Ich habe damals eine Insel-Schule gemalt und sie „Schule am Meer“ genannt. In dem Bild gab es viel frische Seeluft, helles Licht, hohe Wellen, Ebbe und Flut – und sehr viele Möwen. Die Schüler*innen konnten jederzeit segeln gehen und genossen ein hohes Maß an Freiheit. Sie waren an dieser Schule ständig in irgendeiner Weise tätig, neugierig, offen und bei aller Prägung durch die Inselsituation unglaublich wissbegierig auf die Welt um sie herum. In einzelnen Räumen, die mal klein und mal groß waren und für alle Lernerfahrungen gut ausgestattet, konnten sie alleine oder zusammen an Themen arbeiten. Sie bereiteten sich an diesem besonderen Ort auf die Auseinandersetzung mit der Welt außerhalb der Insel vor. Und sie waren umgeben von Menschen, Pädagog*innen, Lehrer*innen, die sie in ihrem Tun anleiteten und unterstützten, ohne ihnen ständig vorzuschreiben, was sie tun und lassen sollten.

Wie ich – von dort kommend – nach Heppenheim geraten bin – ist eine andere Geschichte. Aus Ebbe und Flut wurden Weinberge, aus frischer Seeluft wurde beständiger Sonnenschein. Aus dem rauen Bremen wurde das liebliche Heppenheim. Mitgenommen aber habe ich die Elemente oder Prinzipien dieser Schule am Meer. Sie haben den Reality-Check nicht immer bestanden, sie haben sich häufig verändert, sind zwischendurch eingeschlafen oder haben sich verlagert. Meine Ideen von Bildung und Erziehung haben sich gewandelt, weil auch die Gesellschaft und die Menschen sich gewandelt haben. Aber mein Grundverständnis von Schule und Bildung haben sich nicht verändert. Für mich ist Schule noch immer ein Ort, der die Grundfesten für das spätere Leben legt und zur Freiheit erziehen soll. Sich in einer Gemeinschaft einzufinden, darin zurechtzufinden und mit ihr zu wachsen, ist etwas, was ich in unserer Gesellschaft voller Individuen für noch viel wichtiger erachte als damals. Und schließlich ist es das höchste Ziel von Schule, dass sie sich selbst überflüssig macht, dass ihre Schülerinnen und Schüler über sie hinauswachsen und die eigenen Flügel benutzen. Der Weg eines zunehmend selbstbestimmten Lernens, die Idee sich als Kind und Jugendlicher selbstwirksam zu erleben und Verantwortung für die eigene Freiheit zu übernehmen – das sind für mich wertvolle Anliegen der Bildung.

Und wenn Sie darin jetzt das Motto unserer Schule wiedererkennen, fest stehen – zusammen wachsen – weiter denken, dann darf ich Ihnen ehrlich versichern, dass mir erst beim Nachdenken über meine erste Schulvision von vor mehr als 30 Jahren klar geworden ist, dass darin genau diese Prinzipien stecken. Wir werden uns in der kommenden Zeit dem FEST STEHEN widmen müssen, denn die Fundamente unserer Schüler*innen und unserer Gesellschaft sind ins Wanken geraten und sie werden unsere Unterstützung mehr denn je brauchen, sie wiederaufzubauen.

Aber auch diese Generation hat ein Recht darauf, dass wir Ihnen Gelegenheit geben, zu reifen, zu wachsen, sich auf ihr Leben vorzubereiten. Auf diese gemeinsame Arbeit mit Ihnen, liebe Schulgemeinde, freue ich mich! Lassen Sie uns gemeinsam Schule machen!

Katja Eicke

Foto: Copyright – Starkenburger Echo, 02.03.21