Die neue Schulleiterin im Interview

Die neue Schulleiterin im Interview

Seit wenigen Tagen ist Katja Eicke Schulleiterin des Heppenheimer Starkenburg-Gymnasiums. Sie schildert, wie sie die Herausforderungen durch die Pandemie meistern will.

Nach dreieinhalb Jahren mit ständigen Wechseln in der Schulleitung des Starkenburg-Gymnasiums wurde Katja Eicke, zuvor bereits Mitglied des Leitungsteams, in der Vorwoche zur neuen Direktorin ernannt. Im Interview äußert sie sich zu Ihren Plänen und den Herausforderungen in Zeiten von Homeschooling und Wechselunterricht.

Frau Eicke, wie groß ist die Erleichterung, dass endlich wieder Planungssicherheit am Starkenburg-Gymnasium besteht?

 

Sehr groß! In der Rückschau erscheinen mir die letzten Jahre wie eine lange Phase von ununterbrochenen Veränderungen. Wann immer wir dachten, die Situation sei stabil, passierte etwas Unerwartetes. Für mich persönlich bedeutet die Beauftragung mit der Schulleitung aber vor allem, dass ich nun für die Schule einstehen darf, die mir in den letzten zehn Jahren so ans Herz gewachsen ist. Ich fahre jeden Tag mit einem Lächeln in die Schule.

 

Was hat sich durch Ihre Ernennung zur Schulleiterin für Sie und das seitherige Leistungsteam geändert?

 

Der größere Teil des Teams musste in den letzten Jahren immer wieder Aufgaben übernehmen, die nicht die waren, die man ursprünglich innehatte. Nun ist es wieder spürbar, dass sich alle ihren eigentlichen Aufgaben widmen können. Das wird enorm dazu beitragen, längst fällige Aufgaben angehen und Vorhaben umsetzen zu können. Ich spüre eine große Aufbruchsstimmung – auch im Kollegium.

 

ZUR PERSON

Katja Eicke (54) wurde in Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte sie in Bremen und Hamburg die Fächer Deutsch und Englisch, es folgte ein Referendariat an der Eleonorenschule in Darmstadt. Ihre erste Stelle als Gymnasiallehrerin trat die Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern 1997 am Alten Kurfürstlichen Gymnasium in Bensheim an. 2011 wurde Eicke Leiterin des Fachbereichs I am Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium. Ihre Hobbys sind tanzen, wandern, lesen und kochen. (fran)

 

Welche kurzfristigen Ziele verfolgen Sie bis zum Ende des Schuljahres 2020/21?

 

Mein grundsätzliches Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen Bildungschancen zu eröffnen. Meine Eltern haben mir als Kind vermittelt, dass Bildung das Tor zur Welt ist – und davon bin ich auch 40 Jahre später noch zutiefst überzeugt. Bis zum Ende dieses Schuljahres bedeutet das vor allem, das ins Wanken geratene Lebensgefüge unserer Schüler wieder zu festigen, ihnen Halt zu geben, sie aufzubauen und ihnen ihre Perspektiven wieder aufzuzeigen.

 

Und wie sieht es mittel- und langfristig aus?

 

Wir sind das einzige Gymnasium in Heppenheim, entsprechend breit richten wir unser Angebot aus – in allen Fachbereichen. Die Schule soll sich auch noch stärker als Vorbereitung auf ein Leben in Europa verstehen. Wir haben bereits Austauschprogramme mit Frankreich, den USA und Russland. Ich möchte den Blick über den Tellerrand aber auch noch in anderer Hinsicht verstärken und thematisch Projekte und Profile schärfen, die schon angelegt, aber noch ausbaufähig sind. Der digitale Ansatz soll sich noch stärker auf alle Jahrgänge ausweiten. Ich stelle mir in der Zukunft eine Schule vor, in der jeder Schüler bei Bedarf nach einem iPad greifen kann.

 

Seit zwei Wochen läuft zumindest der Wechselunterricht. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

 

Grundsätzlich positiv. Bisher sind die fünften und sechsten Klassen im Wechselunterricht, der Abiturjahrgang ist seit Langem sogar vollzählig da. Prinzipiell gilt: Wir sind über jeden Schüler froh, der über den Schulhof rennt und durch die Gänge hopst. Ein lebloses Schulhaus hat etwas Deprimierendes. Ich wünsche mir deshalb eine baldige Rückkehr weiterer Jahrgänge. Allerdings: Je voller das Haus, desto schwieriger ist es, den Hygieneplan umzusetzen. Eine schrittweise Öffnung mit ausreichend Zeit zum Planen halte ich für die richtige Vorgehensweise.

 

Was unternimmt das Starkenburg-Gymnasium, um Lehrer wie Schüler bestmöglich vor einer Infektion zu schützen?

 

Wie alle Schulen setzen wir den Hygieneplan konsequent um. Das bedeutet das Einhalten von Lüftung, Hygiene und Abstand. Wir haben den einzelnen Jahrgängen feste Treppenhäuser und Plätze im Gebäude und auf dem Schulgelände zugewiesen, damit sie sich möglichst wenig begegnen oder vermischen. Dass unser Hygienekonzept insgesamt gut funktioniert, hat sich auch daran gezeigt, dass einzelne Coronafälle sich nicht weiter ausgebreitet haben.

 

Wie bewerten Sie die Zeit des Homeschoolings?

 

Im Vergleich zum Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen bietet das Homeschooling auch Vorteile: In den Videokonferenzen besteht die Möglichkeit in Gruppen zu arbeiten, es muss kein Abstand eingehalten werden, es ist sogar möglich zu singen und Sport zu machen. Die Rückmeldungen zeigen, dass es uns in den letzten Monaten gelungen ist, zunehmend klarere Strukturen zu schaffen.

 

Und wie war es zuvor?

 

Im ersten Lockdown herrschte noch große Unsicherheit, in den meisten Fällen hat sich das inzwischen aber gut eingependelt. Der Wunsch der Eltern, dass der gesamte Unterricht online in Konferenzen stattfindet, ist nicht immer deckungsgleich mit dem der Schüler, die dadurch bis zu acht Stunden täglich vor dem Bildschirm sitzen müssen. Sie sind oft von der Bildschirmarbeit ausgelaugt. Daher ist es wichtig, dass die Lerngruppen in Abstimmung mit der Lehrkraft individuelle Wege gehen können. Die aktuelle Situation erfordert Geduld und Nachsicht auf allen Seiten. Und intensive Kommunikation. Wir müssen einander besonders gut zuhören im Moment.

 

Warum hat es am Starkenburg-Gymnasium besser funktioniert als an anderen Schulen?

 

Wir haben schon vor über zehn Jahren mit der Digitalisierung begonnen und konnten daher im Frühjahr auf lang etablierte Strukturen zurückgreifen und sie schnell ausbauen. Wir arbeiten mit einer Lernplattform, die von allen akzeptiert wird. Wir haben im Herbst auch die Elternschaft fortgebildet, damit sie ihre Kinder unterstützen können. Das hat sich bewährt. In unserem Medienteam ist ständig jemand präsent, der sich um die kümmert, die nicht zurechtkommen.

 

Welche Auswirkungen hatte das vergangene Jahr auf das Leistungsniveau der Schüler?

 

Ich glaube nicht, dass irgendjemand diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt seriös beantworten kann. Wir werden viel diagnostizieren müssen, um herauszufinden, wo unsere Schüler stehen. Meine Vermutung ist, dass wir ein äußerst breit gestreutes Feld haben und dass sich die Kluft zwischen den Kindern, die zu Hause auch jetzt gut unterstützt werden konnten, und denen, die diese Unterstützung aus unterschiedlichen Gründen nicht erfahren haben, vergrößert hat.

 

Wann wäre aus Ihrer Sicht der beste Zeitpunkt für eine Rückkehr zum Präsenzunterricht?

 

Aus meiner Sicht: Sofort! Im Hinblick auf die Pandemie ist der Zeitpunkt, dass alle wieder in der Schule lernen können, wohl noch nicht erreicht.

 

Das Interview führte Christopher Frank.
(C) Starkenburger Echo – 06.03 21