Tests bedeuten viel Arbeit für Bergsträßer Schulen

Tests bedeuten viel Arbeit für Bergsträßer Schulen

Die Schulen im Kreis Bergstraße sind gut mit Corona-Tests ausgestattet. Der Wunsch nach Alternativen zum Testen in der Schule ist aber groß.

Bevor es am Montag mit den Testungen am Starkenburg-Gymnasium losgehen kann, packen Ingo Grieser, Ute Jöst und Jochen Braun die einzelnen Kits zusammen. (Foto: Arne Schumacher)

KREIS BERGSTRASSE – An Homeschooling und Wechselunterricht haben sich Schüler und Lehrer im vergangenen Jahr bereits gewöhnt. Doch nach den Osterferien beeinflusst nun ein neuer, umstrittener Faktor den Schulalltag maßgeblich: verpflichtende Corona-Tests der Schüler.

„Es kommt jetzt sehr darauf an, wie man Aufklärungsarbeit macht und mit dem Thema umgeht“, sagt Silke Weimar-Ekdur, Schulleiterin des Lessing-Gymnasiums in Lampertheim. Genug Tests gibt es an der Schule, Lieferschwierigkeiten gab es keine. Erst mal seien Kinder mit einem positiven Testergebnis nur Verdachtsfälle, betont Weimar-Ekdur, insofern sei es gut, wenn diese erkannt würden. „Aber wir müssen lernen, sehr sensibel zu sein, sodass es keine Stigmatisierung gibt.“

Zweimal in der Woche Coronatest im Klassenraum

Auch am Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim will die Schulleitung das verhindern. „Wir werden in den ersten Stunden erklären, wie der Test gemacht wird,“ erklärt Leiterin Katja Eicke, „und wir wollen besprechen, wie wir reagieren können, wenn jemand positiv getestet wurde, und wie wir damit umgehen.“ Gerade bei jüngeren Schülern müsse man damit rechnen, dass manche ängstlich seien.

Getestet wird im Starkenburg-Gymnasium jeweils Montag und Mittwoch im Klassenzimmer. Dafür musste das Schulpersonal in der letzten Woche der Osterferien die Testkits für die Schüler fertig packen. Mehrere bis dato unerwartete Stunden Arbeit musste die Schule investieren. Doch mit der Lieferung selbst ist Eicke zufrieden, es reiche für eine Weile. Die Tests hält die Schulleiterin für eine sinnvolle Regelung. „Aber es wäre wünschenswert gewesen, wenn wir dafür Personal bekommen hätten.“ Am liebsten wäre es ihr gewesen, die Eltern hätten Tests bekommen und diese mit ihren Kindern in ihrem Zuhause in vertrauter Umgebung machen können.

DRK testet in Hambach

Einen besonderen Weg beschreiten da die Verantwortlichen der Christophorus-Schule im Heppenheimer Stadtteil Hambach. Hier wird die Ortsgruppe des Roten Kreuzes mit eigens ausgebildeten Mitgliedern die vier Lerngruppen der Grundschüler testen. Die Testungen sollen weder in den Klassenräumen, noch im Schulgebäude als Ganzes stattfinden. Die Stadtverwaltung stellt dafür die Räume des benachbarten Dorfgemeinschafthauses zur Verfügung. „Wir tun dies gerne, zumal wir mit der Schule schon zuvor ein Nutzungsrecht für das Gebäude vereinbart hatten. Mit der jetzt getroffenen Vereinbarung können Testungen und Unterricht voneinander getrennt werden“, sagt Bürgermeister Rainer Burelbach (CDU). Die ursprüngliche Vereinbarung hatte der Schule zusätzliche Unterrichtsräume ermöglicht. Auch für das DRK dürfte die neue Regelung von Vorteil sein: Die Ortsgruppe hat ihren Sitz ebenfalls im Dorfgemeinschaftshaus und somit kurze Wege.

Demonstranten sprechen von „Testzwang“

Die Organisation der Tests im Kreis Bergstraße scheint gut zu funktionieren, doch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Bergstraße hat Bedenken. „Wir begrüßen eine solche Testmöglichkeit zwar grundsätzlich, weil sie möglicherweise ein Schritt in Richtung schulischer Normalität bedeutet“, so Elke Fischer, Vorsitzende der GEW, „dass diese Tests jedoch zu einer Art morgendlicher Massenveranstaltung werden, ist abzulehnen.“ Die Gewerkschaft sieht unter anderem den Datenschutz verletzt, da die Kinder sofort über einen Krankheitsverdacht eines Mitschülers Bescheid wüssten. Auch die Lehrer müssten in eine Rolle schlüpfen, für die sie nicht gemacht sind, und im Extremfall beim Test helfen. Dies könne sie auch Angriffen von Corona-Leugnern aussetzen. Der Gesamtpersonalrat am Staatlichen Schulamt für den Landkreis Bergstraße fordert, dass Testungen von geschultem Personal durchgeführt werden sollen.

 

Eine Gruppe von Demonstranten ging am Donnerstag deutlich weiter: Vor dem Staatlichen Schulamt in Heppenheim waren rund 30 Personen versammelt und sprachen von „Testzwang“ und Gesundheitsgefährdung durch die Tests. In den Schulen selbst gab es bislang nur vereinzelte negative Stimmen der Eltern. Wie viele am Ende wirklich ihre Kinder zuhause lassen, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Am Montag müssen die Kinder die Einverständniserklärung der Eltern in den jeweiligen Schulen abgeben.

„Corona-Abi“ muss vorbereitet werden

Der Unterricht selbst geht nach den Osterferien weiter wie zuvor. Die Abschlussklassen sind zum Präsenzunterricht in der Schule. In den Stufen eins bis sechs gibt es Wechselunterricht, also eine Woche in der Schule lernen und eine Woche Zuhause. Alle anderen Schüler befinden sich im Homeschooling.

Dennoch gibt es einiges vorzubereiten: Das zweite „Corona-Abi“ steht bevor. Die Prüflinge können sich testen lassen oder alternativ während der Klausuren eine Maske tragen. Am Starkenburg-Gymnasium werden diese Tests am Tag vor der jeweiligen Prüfung angeboten.