Eine „Schatzinsel“ im Stadtmuseum Heppenheim

Eine „Schatzinsel“ im Stadtmuseum Heppenheim

Noch für zwei Wochen kann die Ausstellung „Hommage und Piraterie“ mit Werken von Schülern des Starkenburg-Gymnasiums besichtigt werden.

Mit einer vorgezogenen Finissage am Sonntagmorgen wurde das Ende der Ausstellung „Hommage und Piraterie“ im Stadtmuseum eingeläutet. Seit Anfang März hatten junge Künstler des Starkenburg-Gymnasiums ihre im Kunstunterricht entstandenen Werke gezeigt.

Eigentlich sollte bereits am 16. Mai Schluss sein, doch wegen der Corona-Pandemie konnte das Museum überhaupt erst wieder am 26. Mai öffnen. Daher wurde der Zeitraum der Sonderausstellung um gut zwei Monate geschoben, noch zwei Wochen bis zum 25. Juli kann die Ausstellung besucht werden.

Auf eine große Vernissage zu Beginn wurde verzichtet, dafür nun die vorgezogene Finissage. „Das kulturelle Leben ist zurück in Heppenheim“, zeigte sich Christine Bender zur Begrüßung erfreut. Die Erste Stadträtin verwies auf die seit 1991 bestehende „produktive Zusammenarbeit“ des Museums mit dem Starkenburg-Gymnasium, die damit ihr 30-jähriges Bestehen feiert.

Der frühere Leiter des Museums, Ulrich Lange, hatte damals die erste Ausstellung von Gymnasiasten initiiert. Auch die Idee zur aktuellen Ausstellung hat er noch mit der Fachschaft Kunst am Gymnasium angestoßen. „Wir sind froh, dass mit Luisa Wipplinger eine exzellente Nachfolgerin gefunden wurde“, so Kunstlehrer Christoph Burkert. Er hatte mit seinen Kolleginnen und Kollegen Silvia Schrader, Christine Interthal, Susanne von Engeln und Axel von Studnitz das Projekt im Unterricht der fünften bis zwölften Klassen umgesetzt. Dabei schwebte über allem die Frage „Ist das alles nur geklaut“? Die Schüler hatten nämlich die Aufgabe, sich mit Meisterwerken der Kunstgeschichte malerisch, plastisch oder fotografisch auseinanderzusetzen.

Aus den mehr als 60 ausgewählten Werken der jungen Künstler sei eine echte „Schatzinsel“ entstanden, eine Bereicherung fürs Stadtmuseum. Es dürfte „die bestbesuchte Ausstellung in ganz Deutschland während der letzten Monate“ geworden sein, vermutete Schulleiterin Katja Eicke. In einer „herausfordernden Zeit ist etwas Großes geschaffen worden“, sagte sie. Daher sei dies „ein Moment, der mich stolz macht“, so Katja Eicke. Jede Lerngruppe des Gymnasiums sei mindestens einmal zu Unterrichtszwecken im Museum gewesen.

Dabei stand die Ausstellung zu Beginn unter keinem guten Stern, Corona brachte erhebliche Einschränkungen mit sich. Im März war das Museum für Besucher mit Terminvereinbarung noch geöffnet, dann kam der Lockdown. Während der Schließung wurde die Ausstellung nur im Unterricht von halben Schulklassen frequentiert. Erst Ende Mai wurde wieder geöffnet, zunächst auch nur mit Terminvereinbarung. „Unter diesen schwierigen Bedingungen hatten wir eine sehr positive Resonanz“, zeigt sich Museumsreferentin Luisa Wipplinger zufrieden. Neben Freunden, Verwandten, Eltern und Lehrern seien auch viele Heppenheimer in die Ausstellung gekommen.

Nun also doch „Ende gut, alles gut“. Musikalisch gestaltet wurde die Finissage von Schülern der siebten Klasse. Moritz Köhler und Jonah Brandwein spielten auf ihren Akkordeons vier Musikstücke mit der „Gartenparty“ zum Entree sowie „Down by the riverside“ zum Finale.

Neben der Musik und den Reden standen jedoch die Werke der jungen Künstler im Mittelpunkt. Vor dem Ausstellungsrundgang erläuterte Christoph Burkert noch einmal die Idee, die hinter den Werken steht. So hatten die Schüler der verschiedenen Jahrgangsstufen die Aufgabe, Kunstrezeption als einen schöpferischen Prozess zu begreifen und zu gestalten. Anhand einzelner Arbeiten erläuterte Burkert deren Umsetzung durch die Nachwuchskünstler.

„Auch Künstler wie Manet, Picasso, Duchamp, Magritte haben sich von anderen inspirieren, beeinflussen und beeindrucken lassen“, ergänzt die Museumsreferentin Luisa Wipplinger. Zwischen der Hommage an die Vorbilder und dem Vorwurf der Piraterie liegt dann oft nur ein schmaler Grat. „Ihre Kunst entstand also aus der Begegnung mit Kunst“, erklärt Wipplinger. Und die Besucher der Ausstellung können ebenso den Bezügen zwischen Vorbildern und Nachbildern nachspüren. Noch 14 Tage bis zum 25. Juli besteht dazu Gelegenheit.

Doch schon jetzt haben die fünf Kunstlehrer des Gymnasiums das nächste Projekt in Vorbereitung. Der Arbeitstitel „Natur und Natürlichkeit“ steht bereits, sagt Christoph Burkert. Voraussichtlich in zwei Jahren werde es dann die nächste Ausstellung der Fachschaft Kunst in Kooperation mit dem Museum der Kreisstadt geben.

(c) Echo-Online 12.07.21