Noch keine Sommerferien am Heppenheimer Gymnasium

Noch keine Sommerferien am Heppenheimer Gymnasium

Dienstagmorgen, halb elf. Es ist der zweite Tag der Sommerferien in Hessen und somit auch in Heppenheim. Während ihre Mitschüler im Urlaub sind, im Bett faulenzen oder das gute Wetter genießen, sitzen 50 Schüler des Starkenburg-Gymnasiums bereits in dessen Räumen, um zu lernen. Eine Woche lang gibt es im Heppenheimer Gymnasium ein Lerncamp, um Defizite aus dem zurückliegenden Schuljahr aufzuarbeiten und das kommende vorzubereiten.

„Besser als zuhause zu sitzen“, erklärt ein Schüler der fünften Klasse. Von neun bis viertel vor eins ist er jeden Tag mit seiner Lerngruppe am Gymnasium. In der Lerngruppe der Fünft- und Sechstklässler sagen elf der 13 Schüler, sie hätten sich freiwillig zum Camp gemeldet. Nur bei zweien gaben die Eltern den letzten Anstoß.

Das wundert und freut Schulleiterin Katja Eicke. „Aber wenn ein Schüler gar nicht gewollt hätte, hätte das Camp auch nichts gebracht“, sagt sie. Eine gewisse Motivation sieht sie als Voraussetzung für das gelingende Lernen an.

Es ist das erste Mal, dass das Starkenburg-Gymnasium ein Lerncamp veranstaltet. Die Idee kam vom Kultusministerium Hessen, das solche Angebote nach dem Corona-bedingt eingeschränkten Schuljahr empfohlen hatte. Innerhalb von wenigen Tagen hatten sich bereits die ersten Lehrkräfte gefunden. Bettina Huch, Mathe- und Physiklehrerin am Gymnasium, hat dann die Organisation des Lerncamps übernommen. „Wir haben überlegt, ob wir die erste oder letzte Ferienwoche nehmen sollen. Ich denke aber, jetzt sind die Schüler noch im Fluss“, sagt Huch.

Nun kümmern sich 13 Lehrkräfte um die Schüler. In fünf Gruppen werden die Kinder nach Altersklassen unterrichtet. Teils in klassischem Frontalunterricht, teils mit eigenverantwortlichem Arbeiten alleine oder in Teams. Eine Fachkraft ist immer dabei, um die Schüler zu unterstützen. Das Leistungsniveau ist unterschiedlich. Das Lerncamp war ausdrücklich nicht nur für Schüler mit großen Defiziten und schlechteren Noten gedacht. Ob die Idee angenommen würde und wie viele Schüler sich tatsächlich für das Lernen in den Ferien anmelden, konnte Eicke vorher nicht einschätzen, nun verbringen 50 von 930 Schülern ihre erste Ferienwoche im Gymnasium.

Die Schüler genießen vor allem auch das Miteinander. Homeschooling und schlechte Internetverbindung haben im vergangenen Jahr öfter für Frust gesorgt. Nun können sie am Morgen den Stoff noch etwas üben, am Mittag dennoch ihre Ferien genießen. „Man lernt in den Gruppen auch neue Leute aus den Parallelklassen kennen“, sagt eine Schülerin.

Eine Gruppe mit Schülern aus der fünften und sechsten Klasse geht sogar jeden Morgen ins Schwimmbad. „Wir wollen die Schwimmfähigkeit der Kinder verbessern“, so Eicke. Viele sind noch ungeübte Schwimmer. Im vergangenen Jahr fielen wegen Corona viele Möglichkeiten für Schwimmkurse aus und auch für Freizeitaktivitäten waren die Bäder lange Zeit geschlossen. Die Wartelisten für Kurse sind lang.

Doch auch für die anderen Kinder gibt es ein Bewegungsangebot. Einmal am Tag hat jede Gruppe eine Einheit auf dem Schulhof. Am Dienstag ist die Tischtennisplatte in regem Gebrauch, andere spielen Fußball. Die Lehrkräfte bieten auch mal Spiele wie Hockey an, die im Sportunterricht sonst zu kurz kommen, so Huch.

„Es war uns wichtig, dass es den Schülern auch Spaß macht und wirklich den Charakter eines Camps bekommt“, sagt Eicke. Und so wird es auch von Schülern und Lehrer aufgefasst. Die Stimmung ist aufgelockerter als sonst, berichten beide Seiten.

„Wir hätten auch gerne mal zwei Gruppen gegeneinander spielen lassen, aber wir haben uns wegen der Corona-Pandemie doch dagegen entschieden“, sagt Huch. Die Lerngruppen sind fest und sollen auch draußen nicht gemischt werden. Generell gelten in den Ferien dieselben Regeln wie zuvor. Regelmäßige Tests und Masken abseits des eigenen Sitzplatzes sind die Schüler schon gewohnt. Das beeindruckt auch Referendar Florian Schnell. „Für die Schüler sind die Tests selbstverständlich“, sagt er. Auch für ihn ist das Camp eine Chance. „Ich habe bisher viele Stunden beobachtet und nur vereinzelt Unterricht gegeben“, sagt er. Nun ist er zum ersten Mal den ganzen Vormittag am Stück selbst tätig.

Das Angebot in den Ferien ist eine gute Ergänzung, findet Schulleiterin Eicke. „Aber wir können natürlich nicht ein gesamtes Schuljahr nachholen.“

(c) Echo-Online 22.07.21